oder mehr ins Kloster, als die andern Brüder; denn die Leute sagen, dass ich ihnen das alles wieder tausendfältig einbringe, weil ich sie, wie schon gesagt, Garten- und Ackerkünste lehre, ihre Kinder unterrichte, wenn es im Gespräch auf was Geistliches kommt, und in der Kirche allemal nach der Messe erbaulich und verständlich predige. Da haben mich die Leute so lieb, und drücken mir die Hand, und wünschen mir soviel Gutes, dass ich vor Freuden schon im Himmel zu sein glaube. – Hier rollten dem guten Alten die Tränen in den langen Bart, und er sprach viel lauter und geschwinder; auch dem alten und dem jungen Siegwart stunden Tränen in den Augen –
Ja, lieber Siegwart, fuhr der Greis fort, du möchtest es für Pralerei halten, wenn ich so von mir selber spreche, aber Gott weiss, das ist es nicht; ich freue mich nur so drüber, wenn ich etwas Gutes tue, und da muss ich zuweilen meine Freude ausbrechen lassen. Ach, ich habe noch Schwachheiten genug an mir, die mir diese Freude wieder ganze Wochen lang verbittern; und es gingen lange Jahre hin, eh ichs den bauern so gut zu machen wuste.
Ich weiss, Vater Anton, ich weiss, sagte Siegwart, dass es keine Pralerei ist; das war nie dein Fehler. Du hast den Ruhm in der ganzen Gegend, dass man dich am liebsten sieht; und die bauern in meinem dorf lieben dich wie ihren Vater. Ja, wenn alle, so wie du, wären! – Xaver, (so hiess der junge Siegwart) wie sagte doch neulich unsre Nachbarinn vom Pater Anton? du hast mir es ja heute noch auf dem Herweg erzählt. – Der junge Siegwart wurde rot, und stotterte: der Pater Anton, fing er an, und hielt wieder inne; der Pater Anton sei ein lebendiger Heiliger, sagte sie, den man jetzt schon anrufen sollte, und man müst ihn zum Pabst machen, wenn es auf sie ankäme. Es sei alles noch so gut, was Er auf der Kanzel sage, weil mans so verstehen könne.
Hier drückte Anton dem Jünglinge die Hand; das ist zu viel Lob, sagte er, die Leute übertreibens. Ich tue nur, was ein jeder tun sollte. –
Inzwischen kamen ein paar Kapuziner bei der Grotte vorbei, und grüsten den Pater Anton, den sie an der stimme kannten, freundlich.
Das sind ein paar heilige und rechtschaffne Leute, sagte er, indem sie weggingen, die mir den Verlust meines lieben P. Joseph noch in etwas ersetzen. Du wustest wohl noch nichts von seinem tod, lieber Siegwart? Du besuchst uns auch gar zu selten. Er sagte mir noch den Tag vor seinem tod, dass ich dich vielmals grüssen sollte; in der Ewigkeit sehe er dich einst wieder. Nun ist es bald ein Vierteliahr; am Charfreitagabend starb er. Ach, du hättest ihn sehen sollen, wie er starb; mit welcher Ruhe, mit welcher Heiterkeit! Aber so ein Leben war auch eines solchen Todes wert. Ich habe viele Leute gekannt, seit ich hier im Kloster bin, aber einen Mann, der so rein und unschuldig lebte, und so viel Gutes stiftete, wie er, hab ich nie gesehen! Jedermann hielt ihn für seinen Vater, und ward in seiner Gegenwart frömmer. Du hast ihn selbst gekannt, Siegwart; und ich würde' auch gar zu wehmütig, wenn ich viel von ihm erzählen wollte. Hier an meiner Seite sass er so oft, goss seine ganze Seele vor mir aus, und sprach mit einer Freudigkeit vom Himmel, als ob er schon einmal da gewesen wäre. Oft, wenn ich so allein in der Dämmerung hier sitze, dann kommt mir es vor, als ob ich ihn hörte, und dann fahr ich auf, und wag' es kaum, wieder wegzugehen. grosser Gott, und er muste mir entrissen werden! Doch ich werde ihm bald nachfolgen.
Wenn dirs recht ist, Siegwart, so gehen wir zu seinem grab; der Kirchhof liegt an der Seite dort.
Sie stunden auf, und gingen schweigend, beim Gesang der Nachtigall, aus Grab. – Hier ist es, sagte Anton, ich hab ihm einen Rosenstrauch drauf gepflanzt; übers Jahr soll er Rosen tragen. Hier nebenan werde ich einst liegen.
Ja, lieber Freund, so müssen wir sterben, wenn wir glücklich sterben wollen; aber auch so leben! – Er kam erst auf den rechten Weg, als er ins Kloster ging. Vorher hat er wenig an Gott gedacht. Er sagte hundertmal: dem Kloster hab ich alles zu verdanken. Ich denke immer, Siegwart, du schenktest Gott auch einen Sohn. Wie wärs, wenn dein Xaver zu uns ginge? Nicht wahr, lieber Xaver, Er ginge wohl gern ins Kloster, und sagte der Welt ab, um hier in Fried und Ruhe Gott zu dienen?
Der junge Siegwart, dessen Seele voll von den Bildern dieses Abends, und der reizenden Beschreibung war, die Anton von dem Klosterleben gemacht hatte, wuste nicht, wie ihm zu Mute war; sein Herz schlug, und er sagte willig. Ja, weil der Wunsch schon mehrmals diesen Abend in ihm aufgestiegen war, in dieser ruhigen Einsamkeit, unter Leuten, die er alle für Engel hielt, zu leben.
Siehst du, Siegwart, er sagt ja; er will