einem jungen Pater sehr viel; so dass er nun dem jungen Kronhelm schon akkompagniren konnte. Der junge Pater merkte auch bei ihm viel Anlage zum Singen; er hatte eine geläufige biegsam stimme, und einen hellen Tenor; und in einem Vierteljahre ward er kein gemeiner Sänger; wozu ihm sein zärtliches Gefühl und sein empfindungsvolles Herz, das jedem Ton den rechten und einzigwahren Ausdruck gab, viel half.
Kreutzner, der in Siegwarts Zuneigung zu ihm eine so plötzliche und starke Abnahme bemerkte, sann nun auf neue Kunstgriffe, ihn wieder an sich zu ziehen. Er war schlau, und sah wohl, dass ihn P. Philipp und Kronhelm ihm abgeneigt machten; er suchte ihm also zuförderst ein Mistrauen gegen diese einzuflössen. – Hast du heute bei Tisch auf Pater Philipp und Kronhelm Acht gegeben? fing er einmal an. Nein, warum? antworte Siegwart.
Kreutzner. Du hast also nicht gesehen, wie sie zu einander lachten, und das Maul verzogen, als du vom Pfarrer in Windenheim erzältest?
Siegwart. Nicht das mindeste.
Kreutzner. Nun, so muss ich dirs eben sagen, wenn du's ihnen nicht wieder ausplaudern willst; denn ich hab dich viel zu lieb. Sie machen sich über dich lustig; ich habs schon hundertmal bemerkt; so bald du den Mund auftust, stossen sie sich an, und lauren dir auf jedes Wort, ob du's recht sagest? Und sobald du dich versprichst, schmunzeln sie sich zu, und winken mit den Augen.
Siegwart. Geh! Da hast du falsch gesehen! Wie könnten sie so was tun?
Kreutzner. Aber doch nicht falsch gehört hab ich, als ich vorgestern an des Paters tür vorbei ging. Da war dir ein lautes Gelächter in der stube. Ich dachte, du must doch hören, was da drinnen vorgeht, und lausch' an der tür. Da gings über dich her, dass ich glaubt', ich müsst hineingehen, und sie drum zur Rede stellen. Der Kronhelm kratzte was jämmerliches auf der Violin her, und sagte, so machts Siegwart; und dann schlugen beide ein lautes Gelächter auf. – Und wie singt er denn? sagte P. Philipp. Kronhelm krächzte was, dass die Ohren einem gällten, und da ward noch unbändiger gelacht. (Siegwart, der einen edlen Ehrgeiz hatte, wurde hier rot und aufgebracht. Kreutzner, der das merkte, fuhr fort:) glaube mir, Xaver! Sie meinens gar nicht ehrlich mit dir; ich weiss, dass sie's schon mehrern eben so gemacht haben. Der Pater schmeichelt sich bei den Söhnen ein, um von den älteren brav Geschenke zu bekommen. Denn wo hätt er sonst die vielen Bücher her? Wer nichts gibt, dem ist er aufsätzig; wie er es mir macht. Und der Kronhelm hat dich nur gern bei sich, damit du ihm bei seinem elenden Gefiedel helfen sollst. Es ist gar nichts an ihm; du darfst mir glauben. Frag nur nach, was sein Vater für ein Kerl ist? Jedermann im ganzen Land kennt ihn; wo soll dann das Gute herkommen? Von ihm hats der Sohn nicht gelernt, aber wohl liederliche Streiche. Nicht wahr, um 8 Uhr must du immer von ihm? Da heissts, er will noch studiren. Ja wohl, recht studirt! Bei den Mädels! – Da schleicht er sich noch Abends aus dem Kloster, und der Pater Philipp hilft ihm. Sieh ihn nur an! wie er immer so blassgelb aussieht! Das kommt vom liederlichen Leben; von nichts anders. Sie können keinen Menschen aus der Schule leiden, und von mir werden sie dir auch nichts Gutes gesagt haben, denn sie machens einem, wie dem andern. Ich wollte dich schon lang warnen, weil ichs so herzlich gut mit dir meine; aber du bist mir immer ausgewichen. Nun muss ich mir einmal Luft machen; ich hab lang genug geschwiegen, und heimlich Mitleiden mit dir gehabt. Du kannst nun tun, was du willst. Ich möchte aber, dass es jeder so treu mit dir meinte, wie ich! Frag nur all im Kloster, ob ich je einem was zu Leid getan habe? Und dir bin ich immer vorzüglich gut gewesen.
Siegwart war sehr aufgebracht, und wollte gleich zu Kronhelm; aber Kreutzner misriet ihms, und sagte, ob er ihn verraten wollte? Das sei nun der Dank u.s.w. P. Philipp war in der Tat ein muntrer Mann, und lachte gern; er tat oft mit Kronhelm ziemlich vertraut, und da kam Kreutzners Aussage unserm Xaver desto glaubwürdiger vor. Auch das hatte er schon gehört, dass Kronhelms Vater ein sehr schlechter Mann sei, und der Sohn sah immer etwas blass aus; also war auch das, was Kreutzner von ihm sagte, nicht ganz unwahrscheinlich. Siegwarts beleidigter Ehrgeiz, und die schmeichlerischen Freundschaftsversicherungen des schlauen Kreutzners, die er gar mit Tränen begleitete, kamen noch dazu; also nahm sein Zutrauen zu P. Philipp und zu Kronhelm ziemlich ab. Den andern Tag, als er zum Pater wollte, bat ihn dieser, ihn diessmal allein zu lassen, weil Kronhelm bei ihm sei, mit dem er etwas Geheimes zu reden habe. Diess brachte ihn noch mehr auf, und machte ihn noch mistrauischer. Kreutzner blies den kleinen Funken der Eifersucht noch mehr an, und als P. Philipp eine Küste mit Büchern geschickt bekam, rief