Verlegenheit zu setzen.
Indess kam Siegwarts Knecht, und sagte, die Pferde sein gefüttert. Er nahm Abschied, und fuhr weiter. Eine halbe Stunde vor dem dorf ging ein Weib mit drei Kindern an dem Wagen vorbei, und weinte. – Gelobt sei Jesus Christus! sagte sie. In Ewigkeit! antwortete Siegwart. – Ach, lieber junger Herr, teilen Sie doch einem armen Weib eine kleine Gabe mit, die Haus und Hof verlassen muss! Warum? sagte Siegwart. – O du lieber Gott, war ihre Antwort, weil mein Mann ein paar Hirsche todtgeschossen hat, die uns unser Korn wegfrassen. Nun werde ich ihn wohl in meinem Leben nicht mehr sehen. Sie haben ihn schon in die Karre gebracht. Siegwart gab ihr einen ganzen Konventionstaler. Sie rief ihm nach; aber er befahl dem Kutscher zuzufahren.
Nun sah er schon von fern das Städtchen liegen, wo er hin sollte. Es lag auf dem erhöhten Donauufer anmutig da, und zu beiden Seiten standen Eichenwälder.
Seine Seele hub sich bei dem Anblick einer neuen Gegend um so mehr, weil sie eine Zeitlang seinen Wohnplatz ausmachen sollte. Eine unruhige Freude bemächtigte sich seiner; er zitterte, und sein Gesicht glühte. Anfangs wünschte er, nur recht bald da zu sein, um seine neuen Lehrer zu sehen; aber, als er näher zu dem Städtchen kam, wünschte er sich wieder weiter weg. Nun lag's immer deutlicher vor ihm da; er sah die ganzen Türme, mit den Kirchen dran, und konnte schon einzelne Häuser unterscheiden. Mit der Deutlichkeit wuchs seine Unruhe. Als er über die Donaubrücke fuhr, begegneten ihm ein paar Piaristen mit vier oder fünf Studenten; sein Herz schlug ungestümer; er nahm den Hut ab, und bückte sich sehr tief. Einer von den Lehrern dankte freundlich, als ob er ihn kennte. Möchte das doch P. Philipp sein! Dachte Siegwart. Nun fuhr er durch die Vorstadt, und den Stadtberg hinauf ins Städtchen. Er stieg beim Postaus ab, und liess sich gleich darauf in die Schule führen. Der Torwart am Schlosshof meldete ihn an; er stand indessen zitternd in dem Hof. Man hiess ihn nach einem grossen Saal kommen, wo der oberste Professor und ein andrer ihn erwarteten.
Nun, ist er der junge Siegwart, der das Zutrauen zu uns hat, dass er Kostgänger bei uns werden will? sagte der erste. – Ja. – Sei er uns vielmals willkommen! Wir haben schon viel Gutes von ihm gehört, und hoffen, dass es ihm bei uns nicht missfallen soll. – Siegwart neigte sich, und tat sehr furchtsam. – Sei er nur gutes Muts, und ohne Furcht! Wir werden bald besser mit einander bekannt werden. Bruder Johann, wollen Sie ihn auf sein Zimmer bringen?
P. Johann nahm ihn bei der Hand, und führte ihn auf ein ziemlich geräumiges Zimmer, das eine freie Aussicht an die Donau, und das herum liegende Weidenufer, nebst der ganzen weiten Ebne hatte. Es war noch ein Kostgänger auf dem Zimmer, Namens Joseph Kreutzner, der ihn mit ausserordentlicher Höflichkeit bewillkommte. So, hier können Sie beieinander wohnen, sagte P. Johann. Ich hoffe, Sie werden sich gut vertragen, weil Sie von Einem Alter, und beide von hübschen Eltern sind. Kreutzner, ich empfehl ihm den jungen Siegwart, dass er ihm gut begegnet! Denn es soll ein braver Mensch sein, wie wir hören. – Kreutzner machte eine Verbeugung. – Er kann sich jetzt bequem machen, Monsieur Siegwart, und seine Sachen einrichten! In einer Stunde wird man ihn zum Essen rufen. Drauf ging P. Johann weg.
Kreutzner sagte unserm Siegwart viel Schmeicheleien vor, bot ihm seine Freundschaft an, und erzälte ihm, wie gut es hier auf der Schule sei, und was sie für Freuden miteinander haben wollten. Indem kam Siegwarts Bedienter, und brachte den Koffre; er schrieb noch in paar Zeilen an seinen Vater, voller Danksagungen, und ward sehr dabei bewegt, dass ihm Tränen auf den Brief flossen. Dann schrieb er noch an seine Schwester Terese, und teilte ihr die Freude mit, die er über die gute Aufnahme bei den Piaristen hatte.
Bald drauf kam ein Pater, und zwar eben derselbe, den Siegwart auf der Donaubrücke angetroffen hatte. Wie gross war seine Freude, als er hörte, dass es P. Philipp, der Bruder des Kapuziners im Kloster sei, der ihn ihm noch besonders empfohlen hatte. Dieser P. Philipp war ein Mann zwischen vierzig und fünf und vierzig Jahren, mit einem heitern, offenen Gesicht, das, wenn er lächelte, ein Sinnbild der Liebe war. Er druckte Xavern, dessen freie Mine ihm beim ersten Anblick ganz gefiel, treuherzig die Hand, und versicherte ihn seiner Freundschaft und Gewogenheit, wenn er sich ihm anvertrauen wolle. Xaver musste ihm verschiedenes vom Kloster, von seinem Bruder, und von seiner eigenen Familie erzählen, und ward, durch das liebreiche Wesen des Paters, bald offenherzig. Kreutzner sprach immer auch mit drein, und suchte Siegwarts Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. P. Philipp aber schien nicht viel auf ihn zu achten. Man klingelte hierauf zum Essen, wo acht Lehrer, und zwischen zwanzig und dreisig Schüler gegenwärtig waren. Xaver wurde noch als Gast behandelt, und sass zwischen dem Prior, und dem Pater Kellermeister.
Die Kost war mässig, aber gut; die