von diesen Unedeln, deren es leider in dem Kloster, das ein Sitz. der Unschuld sein sollte, nur zu viele gibt!
Aber last uns die bedauren, die einsam, ohne gefährten in den dunkelsten und engsten Gängen wandelten, um ihre Seufzer dem Ohr ihrer Brüder zu entziehen; die zu lebhaften Seelen, die, aus Ueberdruss der Welt, in der nur Unglück sie verfolgte, sich in einer Stunde des Unwillens und der aufgebrachten leidenschaft entschlossen, ihr auf ewig zu entsagen, und ein Gelübde zu beschwören, welches sie nachher so oft bereut hatten. Sie glaubten, dem Elend zu entgehen, und fanden neues grössres Elend. Wie mancher beweinte jetzt noch die Stunde des Taumels und der Trunkenheit der Seele, worein ihn der Pomp eines Klosters, die feierliche und himmlische Musik der Väter, die Ruhe und die Heiterkeit, die auf ihren Angesichtern zu wohnen schien, versetzt, und die den Entschluss, den fälsche, oder einfältige Freunde noch bestärkten, hervorgebracht hatte, nach der gemeinen Redensart, die Welt zu verlassen. Nun wütete die Melancholie in ihrer Seele, die jene Väter in der Gegenwart von Fremden immer hinter der Mine der Heiterkeit und Ruhe zu verbergen wusten. Sie kannten nun kein ander Glück mehr als den Tod, um den sie mit stummen Tränen, und mit unterdrückten Seufzern zu Gott beteten.
In einem solchen Taumel, der sie ehedem ins Kloster getrieben hatte, schwamm jetzt unser junger Siegwart, der den langen gang hinab mit seinem Vater und dem guten Pater Anton, dem kleinen dunkeln Tannenwäldchen zuging, das den Klostergarten begränzte. Die beiden Freunde gingen Hand in Hand, und vertieften sich in vertrauliche gespräche, wozu sie die schweigende Frühlingsnacht einlud. Lauschend ging der junge Siegwart neben her. Sie kamen nun ans Tannenwäldchen, dessen Wipfel in der Abendluft sanft säuselten; hinten, wo der Wald am dunkelsten war, setzten sie sich in die kühle Grotte, neben der ein kleiner Bach vorbeirieselte.
Hier sitz ich nun, sagte Pater Anton, seit vierzig Jahren jeden schönen Frühlings- oder Sommerabend, und überdenke da mein Tagwerk und die Führungen des himmels. Oft, mein guter Siegwart, denke ich auch an dich, und die Tage, die wir in der Welt zusammen lebten. Ach, wie ist mein Herz seitdem so ruhig geworden! Du weist, Lieber, was ich ausgestanden habe; wie das Unglück über mich her stürmte; wie die Menschen mich verfolgten; und wie viel ich mit mir selbst und meinen Leidenschaften zu kämpfen hatte! – Hier sprach er leiser, und mit mehr gebrochner stimme. – Man hat lang zu streiten, bis man sich von allen Schlacken losreist, zumal wenn das Herz den Eindrücken der Sinnlichkeit offen, und heftig ist. Ich glaube, dass man fast nur in der Einsamkeit dazu gelangen, seine Seele reinigen, vom Irrdischen abziehen, und in Gottes Liebe versenken kann; und da ist die Klosterregel gewiss das beste Mittel dazu. Ich sage nicht, dass alle Menschen das Gelübde ablegen sollen, aber wer es tun und halten kann, der tut wohl, und sorgt für seine Ruhe.
Aber, fiel der alte Siegwart ein, auch für das Glück der Welt, für seine Brüder? denn das sind doch alle Menschen. Vergib mir diesen Einwurf, ich weiss wohl, dass man ihn bei uns nicht laut machen darf, aber bei Dir darf ichs wohl.
Du hast Recht, sagte Anton, ich hab oft drüber nachgedacht, und anfangs konnte ich mich nicht sogleich beruhigen; aber, ich denke, wenn man so lebt wie ich, und es so gut meint, dann tut man seiner Pflicht genug. Sieh' ich will dir meinen jetzigen Lebenslauf erzählen. Ein Tag ist wie der andre. Des Morgens steh ich früh auf, im Sommer mit der Sonne, und im Winter um 6 Uhr; dann halt ich meine eigne Morgenandacht, lese mein Brevier, oder geh im Garten spatzieren; dann studir ich etwas, lese in der Vulgata, im heiligen Chrysostomus, oder sonst in einem guten und erbaulichen buch, deren unsre Bibliotek genug hat. Dann sing ich meine Horas, oder lese eine Messe. Wenn ich meditiren muss, so denke ich nach, wie ich erbaulich predigen will, wenn ich zu den bauern komme. Beim Mittagsmal esse ich wenig; nach dem Essen geh ich in den Garten, und pflanze verschiedenes, oder lerne allerlei Vorteile vom Gärtner, die ich dann den bauern in den Dörfern herum wieder sage. Dann les' ich wieder etwas; nach der Vesper geh ich zu einem oder dem andern Bruder auf die Zelle, wo wir bis ans Abendessen von ernstaften Dingen sprechen; und nach diesem geh ich immer, wenn das Wetter schön ist, im Garten spatzieren, oder auf den Gottesacker zu dem grab meines lieben Bruder Josephs, oder ich sitze hier in der Grotte, und denke so über mich selbst nach, und was ich den Tag über getan habe.
Trift dich oft das Auswandern, sagte Siegwart, wenn ihr aufs Almosenholen oder Predigen und Messlesen ausgeht? – Alle vierzehn Tage einmal, antwortete Anton, und da freu' ich mich immer recht darauf. Ob ich gleich den bauern nicht vorschreibe, was sie geben sollen, oder ihnen viel abzuschwatzen suche, weil es mir weh tut, wenn die Leute, die oft weniger, als wir, haben, sich vom Nötigen entblössen sollen, so bring ich doch immer so viel