kommt, und siehts, und schlägt d' Händ überm Kopf zusammen, und flucht auf die leute, die 's wild so hegen. Bei Gott! da möchte ich der Fürst nicht sein, über den die Flüch, und die Zähren schreien. Lieber wollt ich da kein Wildpret essen! Jagen könnt er doch, das würde ihm kein Mensch verwehren. Seht ihr, Schulz! So ist es gemeint!
Wirt. Ihr versteht das nicht, Gerg! Ihr könnt Nachts hinausgehn aufs Feld, könnt da wachen, und 's wild abtreiben.
Gerg. Beim Blitz! Was das wieder g'sprochen heisst? Seid ihr auch ein Baur, Herr? Man sieht wohl, dass ihr immer nur daheim sitzt, und am Bierkrug zapft! Da schafft mir einmal einen Tag über, in der Sonnenhitz, von Morgens vier an, bis Nachts achte; und dann geht mir aufs Feld hinaus, und wacht, um 's wild abzutreiben! Weiss Gott, wir sind doch auch Menschen, und keine Hund! Wollt sehen, wo der Fürst blieb, wenn wir nicht wären, und uns schier zu Schanden arbeiteten? Sackerlot, da sollen wir noch wachen! Das hiess recht, Schmerzenbrod gegessen; und doch will ich schwören, dass kein Baur es ein Vierteljahr treiben solle. Nein, da lob ich mir die Wilddieb, die 's wild fein wegputzen, und dem armen Baur Ruh verschaffen! 's ist nicht recht, sag ich, dass man so mit ihnen umgeht, und wenn ich drum ins Loch müsst!
Michel. Gerg, nimm dich in Acht! du kommst z'viel in Eifer! – Da Herr Schulz, füllt's Gläsel noch einmal! Nehmt ihms nicht übel! Er meint's nicht so bös.
Wirt. Ja, was nicht so bös? Er verstehts nicht, sag ich; weiss nichts von der Jagdgerechtigkeit. Das muss ich besser wissen, Schöps! Wer des Fürsten wild schiesst, ist ein Rebell, und den muss man strafen.
Gerg. Ist ein Rebell! Ist ein Narr! – Da seht einmal, Schulz, da kommt ein kaiserlicher Werber, hat ein paar feiste Hasen aufm Buckel. Ist das auch ein Rebell? Sagt ihms doch!
Wirt. Pst, Pst! Still! Das ist ein anders. Mit den Herren ist nicht gut anbinden. Lasst's nur sein! – Blitz, was das für ein paar Hasen sind!
Indem traten die Werber mit den Rekruten, die Siegwart auf dem Weg angetroffen hatte, in die stube. Der Wirt war ganz erschrocken, und fragte, was er einschenken sollte? Sie foderten Brandtewein und Bier. Der Rekrute, den Siegwart besonders bemerkte hatte, setzte sich allein in eine Ecke, und stützte den Kopf auf die Hand.
Was fehlt denn dem dort? sagte der Wirt leise zu einem von den Werbern. Ich weiss selbst nicht recht, antwortete dieser. Soviel weiss ich, es ist ein Student von Dillingen, und vermutlich hat er einen im Duell verwundet, oder gar umgebracht. Es ist ein braver, stiller Mensch, mit dem ich schon oft Mitleiden hatte. Er muss auch ein Mädel haben; denn er sieht oft seine Dose an, wo ein schönes rotbackichtes Ding drauf abgemalt ist, und da weint er, dass der Deckel ganz nass wird, oder drückt ihn, wenn es niemand sieht, an den Mund, und küsst ihn. – Indem sah der junge Mensch auf, und blickte Siegwarten scharf an, der ihn mitleidig betrachtete. Er zog die Dose heraus, und bot Xavern eine Prise an. Das ist ja ein schönes Frauenzimmer, sagte dieser. Ja wohl, antwortete der Rekrute; ein leibhafter Engel! Und nun sah er's wieder wehmütig an.
Heh! rief ein Werber, Herr Wirt! Was gibt er mir für die beiden Hasen? Habs eben geschossen. Sieht er, was sie Fett aufm Leib haben!
Wirt. Je nu, Herr Feldwaibel; ich dächte, funfzehn Kreuzer wären wohl genug. 'S gibt jetzt der Hasen viel, und 's Geld ist rar –
Werber. Geh er! Ist der Herr ein Narr? Funfzehn Kreutzer, für zwei Haasen! Das ist, meiner Treu, der Balg wert. Da ess' ich sie lieber selber. Sieben Batzen soll er mir geben! Keinen heller weniger! Ist das noch mehr, als zu billig.
Wirt. Nun, schau er, Herr Feldwaibel; sechs Batzen will ich geben, und ein Schlückchen Kirschenwasser oben drein; Weils Er ist, und weil er so fleissig bei mir einspricht.
Werber. Meinetwegen! Hol er nur ein Gläschen! Aber vom Guten, hört er es?
Gerg. (Heimlich zu Michel, indem der Wirt abgeht.) Siehst den Teufelskerl? Da weiss er so schön zu predigen, und tut selber nicht darnach. Nun soll er mir noch ein Wort sagen, dass ich raisonnirt hab! Ich verklag ihn, meiner Six, beim Amtmann. –
Siegwart betrachtete unterdessen den Rekruten, der einen Brief aus der tasche zog, und ihn mit Bewegung las. Wenn ich ihm nur helfen könnte! Dachte er. Gern hätt er ihm von seinem Geld etwas mitgeteilt, und griff schon ein paarmal in die Taschen, aber er wagte es nicht, vor den übrigen, ihm was anzubieten, weil er fürchtete, ihn in