wie angenehm sie ihm kleine Geschichten aus der Haushaltung und der benachbarten Gegend erzälte! Der alte Mann unterhielt die beiden mit der treuherzigsten Laune; mischte allerlei gute Lehren in seine Reden mit ein, und freute sich der Aufmerksamkeit, mit der ihm die beiden zuhörten.
Abends, als sie zurückgingen, begleitete er sie noch vors Dorf hinaus; drückte Teresen die Hand, und wünschte Xavern noch einmal von Herzen Glück zu seinem Vorhaben.
Die beiden Geschwister teilten sich ihre herzliche Freude, und ihr Wohlgefallen an dem Betragen des ehrlichen Landpredigers mit. Du siehst nun, Bruder, sagte Terese, wie man in allen Ständen, und besonders auch in diesem, Gutes tun kann! Was kann reizender sein, als das Leben eines Mannes, dessen ganzes Dorf gleichsam eine einzige Familie ausmacht, weil er ihrer aller Vater wird. Der brave Pfarrer hat noch tausend gute Eigenschaften, die man nur nach und nach, und gleichsam beiläufig erfährt. Er gibt seinen bauern guten Rat, wenn sie einen Process anfangen wollen. Er misrät es ihnen, und versöhnt sie miteinander. Wenn sie krank sind, kommen sie zu ihm, klagen ihm ihre Not, und er schreibt ihnen Gesundheitsregeln vor, oder teilt ihnen einfache und unschädliche Arzeneien mit. Sieh, so ein Mann könntest du auch werden, wenn du wolltest.
Xaver. Das kann ich im Kloster auch, wie der Pater Anton. Aber ich versprech dir doch, Schwester, dass ich mich noch recht bedenken, und zu nichts entschliessen will, bis ich alles streng geprüft habe. Die Zeit ist noch lang bis dahin; wer weis, was noch alles dazwischen vorfällt?
Terese. Nun, wenn das ist, Xaver, so will ich mich beruhigen; und jetzt auch nicht weiter davon reden.
Sie war auch wirklich seit der Zeit seinetalben weit ruhiger, und hoffte gewiss, dass ihr Bruder sich noch anders bedenken, und vom Klosterleben abstehen werde. Jetzt kamen sie, beim schönsten Abendrot, das den halben Himmel färbte, bei ihrem Vater wieder an; assen in der Laube, und erzälten ihm, mit rührender Einfalt, was sie bei dem Prediger gesehen und gehört hätten; wie er so ruhig und vergnügt mit seinem Gott und der ganzen Welt lebe, und was er für schöne Einrichtungen in seinem Garten gemacht habe. Der Vater stimmte mit in das Lob des braven Mannes ein, und sagte, dass seine liebe Terese auch viel Gutes von ihm gelernt habe. Sie lächelte, schlug die Augen nieder, und ward rot.
Den andern Morgen kam ein Bote aus der Stadt und brachte einen Brief vom obersten Professor an der Piaristenschule. Das Schreiben war, aus achtung für die Kapuziner, die den jungen Siegwart empfohlen hatten, sehr gütig abgefasst. Er könne gleich eintreten, und in ihre schulen kommen; sie versprachen ihm treuen Unterricht, und väterliche Aufsicht. Der alte Siegwart würde finden, dass sie seine Stelle bei seinem Sohn so viel als möglich zu vertreten suchen würden, u.s.w. Sie liessen Xavern auch besonders grüssen, und ihn ihrer Liebe versichern. Besonders werde sich P. Philipp, der im Kloster einen Bruder habe, seiner treulich, und noch ganz besonders annehmen.
Der Vater antwortete, dass sein Sohn in zwei Tagen nach der Stadt kommen werde. Xaver freute sich auf die Veränderung, und brannte recht vor Lehrbegierde, um sich nur bald zu einem geistlichen Amt tüchtig zu machen. Terese war traurig, weinte in der Stille, und machte die nötigen Einrichtungen zur Abreise. Karl freute sich heimlich in der Seele, dass er nun bald eines Bruders los werden sollte, auf den der Vater so viel hielt, den seine Schwester über alles liebte, und von dem er fürchtete, der Vater möchte, zu seinem Nachteil, nur zu viel an ihn wenden. Wilhelm war alles gleichgültig, und er wuste nicht einmal, wann sein Bruder abgehen würde?
Der alte Siegwart sagte seinem Sohn, in drei oder viertehalb Jahren könn' er, wenn er's nicht am gehörigen Fleiss fehlen lasse, sich auf der Schule die nötigen Kentnisse erwerben, um auf die Universität zu gehen. Dort könn' er dann auch drei bis viertehalb Jahre bleiben; indessen sei er zwanzig Jahr alt, welches, wenn er noch Lust dazu bezeuge, gerade die Zeit sei, in der es einem Jüngling frei stehe in einen Orden zu treten. Er fügte noch viel gute Lehren, und dringende väterliche Ermahnungen hinzu, Gott getreu und rechtschaffen zu bleiben, sich vor Verführungen zu hüten, und seine Zeit und Geld wohl anzuwenden. Xaver versprachs mit Tränen, und mit einem tiefbewegten Herzen; er ging auf sein Zimmer, brach in einen Strom von Tränen aus über seines Vaters Zärtlichkeit und gütige Gesinnungen; ging heftig auf und ab, und betete laut, dass ihn Gott in seinen guten Vorsätzen unterstützen, und den Lehren seines Vaters immer treu erhatten wolle!
Den andern Tag brachte er gröstenteils in der Gesellschaft seiner Schwester zu, die seine Sachen vollends in Ordnung brachte, weil der Koffer den Abend noch gepackt werden muste, um den andern Morgen mit Anbruch des Tages mit dem Wagen abzugehen. Ihre Unterhaltung war traurig, und oft schwiegen sie halbe Stunden lang, so viel sie sich auch noch zu sagen hatten. Sie schenkte ihm zum Andenken einen Geldbeutel, den sie selbst gestrickt hatte, damit er sich fein fleissig ihrer erinnern möchte. Das Versprechen, sich recht oft zuzuschreiben,