Wenn nur alle folgen wollten! – – Tabak rauchen tut er wohl noch nicht, Xaver? Es ist auch nicht nötig; fang er es nur nicht an! Im Kloster muss er es doch wieder aufgeben. Ich wär nie dazugekommen, wenn man mir es nicht einmal des Zahnwehs wegen angeraten hätte; und da blieb ich eben so dabei, weil mir's taugte. Täglich eine Pfeife; mehr nicht! heute rauch ich, um des Kaffees willen, zwei. – – Schenk sie ein, Susanne! Sie kanns besser machen, als ich. So? Sie trinkt viel Milch, Jungfer Terese? Das ist recht; ist auch viel gesünder. Was macht denn P. Anton im Kloster, junger Herr? Ist er wohl auf? Das ist ein braver Mann. Ich sehe ihn gern in meinem Dorf, weil er die bauern auch zur Mässigkeit, und andern christlichen Tugenden anhält.
Xaver. Er befindet sich recht wohl, Herr Pfarrer, das ist gar ein heiliger Mann.
Pfarrer. Weiss wohl. Bin mit ihm auf schulen gewesen, und hab ihn immer gern gehabt. – – Nun, wenn ihr getrunken habt, so gehen wir, denke ich, in den Garten. Es ist gar zu schön, wenn alles so um einen her blüht! Man wird wieder mit den Bäumen jung. Sie muss doch meine Einrichtungen sehen, Jungfer Terese, die ich dieses Jahr in meinem Garten gemacht habe. Mich dünkt, es wird ihr gefallen; Sie versteht es.
Terese. Ja! Herr Pfarrer, wenn es Ihnen gefällig ist, so gehen wir. In der frischen Luft ist es jetzt am Besten, und in Ihrem Garten kann man immer etwas lernen.
Sie gab ihm mit der liebenswürdigsten Ungezwungenheit die Hand, und ging über den Hof nach dem Garten hin; Xaver folgte nach. Hier, meine Tochter, sagte er, gleich beim Eingang ins Wurzgärtchen, sehe sie, wie die Apricosen- und Pfirsichbäume geblüht haben! Die Frucht setzt schon an, und wenn es der liebe Gott vor Frost oder Hagel bewahrt, so werden die Bäume tragen, dass sie brechen möchten. O sie hätt es sehen sollen, wie die Blüte so gar herrlich war, dass man kaum das Auge davon wegwenden konnte! Mitten in der Nacht konnte' ich noch an meinem Fenster die Apricosenblüte durchschimmern sehen, und da überdacht ich, wie der liebe Gott so gut ist, dass ein Baum erst durch seine Schönheit das Auge, und dann noch durch seine Frucht den Gaumen weiden muss. Wenn dann der Abendwind durch die Blüten säuselt, und den süssen Geruch mir zuweht; dann ist mir es oft, als fühlt ich Gottes Gegenwart leibhaftig, und müsst mich schnell vor ihm niederwerfen und anbeten! O es ist ein herrlich Ding um die Welt! Alles ist so schön, und jeder monat hat seine eigne Schönheit, aber doch der May am meisten! – – Da seht mir nur Wundershalb den Kirschbaum an! ist es nicht, als obs Ein Strauss wäre, da man kaum das Laub dran sieht! Hier in den Einfassungen hab ich Blumen hingepflanzt, sieht sie; es ist ganz was neues. Vorher war alles Krautland; aber, dachte ich, man muss doch auch etwas Augenlust haben; und da hat mir des baron Gärtner Tulpen- und Narcissenzwiebel, auch Aurikeln und gelben Lack geschenkt. Mit den Tausendschönchen hab ich da die Beeten eingefasst, weil sie jeden monat neu blühen. Da hab ich nun so meine Freude, nach dem Mittagsessen, oder Abends in der Kühle, dass ich nach den Blumen sehe, sie wart' und sie begiesse. Jedes Stöckchen liegt dann meinem Herzen näher; jedes kenn ich, und sehe täglich, wie's heran wächst, und zunimmt! Es ist sonderbar; aber nicht wahr? man hat alles so lieb was man selbst pflanzt, und heran zieht?
Terese. Ja wohl, Herr Pfarrer, mir gehts eben so; und wenn mir eine Blume welkt, oder vom Wurm verdorben wird, da bin ich so traurig, als ob ich, weis nicht was? verlohren hätte.
Pfarrer. Recht, Jungfer Terese! Da hab ich denn so meine Gedanken, was der liebe Gott für eine Freud und Glückseligkeit empfinden muss, unter dessen Augen und durch dessen Sorgfalt Menschen, Tier und Pflanzen so heranwachsen und gedeihen! Da ist mir denn so wohl, bei dem Gedanken, dass ich weinen muss. Lieben Kinder, man ist so selig, wenn man sich Gott in der Nähe denkt, und lernt sein Vaterherz immer mehr kennen. Warlich für den Gebrauch unsrer fünf Sinne können wir Ihm nie genug danken. Durch sie wird man am meisten mit ihm bekannt; mit dem Verstand geht's viel zu langsam. – – Seht ihr, wie der Salat schon so kopficht wird! Das ist Abends mein rechtes Labsal, wenn's so heiss ist, und ich mich mit einem Gericht davon abkühlen kann.
Terese. Ei der Tausend! Ihre Erbsen sind ja schon so hoch; sie blühen bald.
Pfarrer. Ja, Jungferchen, das sind Zuckererbsen, aus des baron Garten. Die hab ich auch selbst gepflanzt. Auf den Herbst kann ich ihr wohl auch Körner davon geben, sie muss sie aber weit auseinander stekken, weil sie starkes Kraut geben. Und was sagt sie denn zu meinen Kartoffeln? Kommen die nicht schön heraus? Man