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, als im Kloster.

Terese. Und das ist eben, was ich fürchte, und weswegen ich mir deinetalb so vielen Kummer mache. Ich glaube, dass du für nichts weniger bist, als für's Kloster. So ein muntrer frischer Knabe, wie du bist; an dem alles lebt und Bewegung ist; der soll da in einer finstern Zelle sitzen, wo der Mond und die Sonne nicht hinscheint; soll ewig Ave Maria, und Rosenkränze beten; Psalmen singen, und im Brevier lesen; soll mit alten mürrischen Leuten umgehen, die an der Welt, die für dich so viel schönes hat, keine Freude mehr finden; soll sich einem eigensinnigen Prälaten unterwerfen, und tun, was dem einfällt. Nein, Bruder, das kann unmöglich für dich sein! Bedenk nur selber, wie dir zu Mute ist, wenn du einmal bei schlimmem Wetter, oder wenn du krank bist, ein paar Tage lang zu haus sitzen must! Gleich fehlt dir's überall, bist verdrüsslich und hast an nichts keine Freude mehr. Was will nun das sagen, gegen eine ewige Gefangenschaft, die erst mit dem Tod ein Ende nimmt? Ich bitte dich, Bruder, um der Mutter Gottes, und um aller Heiligen willen, überleg's wohl! Ich kann dir nichts einreden; aber raten will ich dir, und muss ich dir. Du weist, was ich auf dich halte. Nach dem Papa hab ich keinen Menschen auf der Welt so lieb, wie dich. Und ich sollte dich unglücklich sehen, da ichs doch hätte verhindern können, – Sieh, wenn du geistlich werden willst, weil du glaubst so am meisten Gutes tun zu können, warum wirst du nicht ein Weltgeistlicher, wie der alte Pfarr, der gestern bei uns war? Der tut gewiss so viel Gutes, als ein Mönch im Kloster. Wart, wir wollen heute gleich zu ihm gehen, und du sollst dich wundern, was das für ein Mann ist! Ein Weltgeistlicher kann doch immer noch des Lebens mehr geniessen, und glücklicher sein. – Nicht wahr, Bruder, du tust mir es zu Gefallen, und besinnst dich?

Hier nahm sie ihn bei der Hand, sah ihn lächelnd, und mit Tränen in den Augen an. Xaver konnte sich nicht länger halten, fiel ihr um den Hals und schluchzte. Schwester, sprach er, ich weiss nicht, was ich sagen soll? Ja, besinnen will ich mich, das versprech ich dir; will nicht unbedachtsam handeln; Nein, bei Gott nicht! Ich will alles überlegen; will zurückgehen, wenn ich kann; kannst dich drauf verlassen. Lass mich nur allein, Schwester! dass ich weinen kann, und mich besinnen!

Sie ging weg und warf noch einen blick auf ihn, der mehr sprach, als hundert Worte. Xaver war in der äussersten Beklemmung. Nur noch ein paar Worte, und er hätte ganz gewankt. Die Reden seiner Schwester gingen ihm tief ins Herz, weil sie wahr waren, und er sie von Herzen liebte. Sie hatte Bedenklichkeiten in ihm rege gemacht, an die er vorher niemals gedacht hatte. Nunmehr liess er seinen Tränen freien Lauf, lief im Zimmer auf und ab, und rang die hände. Was soll ich tun? war sein einziger Gedanke. Noch unentschlossen warf er sich auf seinen Stuhl, und da fielen ihm die Anmerkungen des P. Anton in die Augen. Auf einmal war seine ganze Seele im Kloster; alles fiel ihm wieder ein, was ihn da so sehr gerührt hatte. Er sah den P. Anton vor sich. Was wird der alte Mann sagen, dachte er, wenn du so bald wieder wankelmütig würdest? Wie würde' er sich betrüben? Auf einmal wäre seine Freundschaft und Liebe hin! – Solche, und ähnliche Gedanken stiegen schnell und unvollendet in ihm auf. – – Nein, ich kann nicht anders! Muss ins Kloster! rief er laut, und sprang von seinem Stuhl auf. Seine Seele fühlte sich bei diesem Entschluss wieder ruhiger, die angenehmen Vorstellungen vom Klosterleben stellten sich ihm wieder dar, und machten ihn alles andre vergesssen. – – Das will ich tun, dachte er, und das kann ich auch; ich will meiner Schwester versprechen, alles wohl zu überlegen, und vor ein paar Jahren keinen gänzlichen Entschluss zu fassen. Find ich, dass sie in ihren Besorgnissen Recht hat, dann kann ich immer noch ein Weltgeistlicher werden. Aber sonst ist es aus, und nichts kann mich davon abbringen! –

Als er hierauf aus dem Fenster in den Garten, und seine Schwester drinnen sah, ging er zu ihr hinunter, grüsste sie freundlich, und sagte ihr, dass er sich so weit entschlossen habe, nicht bloss auf einen Mönch, sondern auch auf einen Weltgeistlichen zu studieren, und vorjetzt sich weiter für nichts zu bestimmen; mehr könne er nicht tun, so lieb er sie auch habe.

Sie war es zufrieden, dankte ihm für seine Liebe, und sagte, er müsste freilich am ersten seiner Einsicht und überzeugung folgen; vorjetzt wollten sie von der Sache nicht mehr sprechen, weil es doch nichts helfe. Sie wolle nun sorgen, dass seine nötigsten Kleider in ein paar Tagen fertig würden, wenn er ungefähr bald abreisen müsste. Das übrige könne man ihm leicht nachschicken, da die Stadt ja nur sieben Stunden von ihnen entfernt liege.

Auf den Nachmittag, sagte sie