, fasten und kasteien sich, und ringen oft mit der Verzweiflung. glaube! ich übertreibe nichts; bloss Erfahrung hat mich das gelehrt. Eine junge Baronessinn, ungefähr in meinen Jahren, oder höchstens zwei und zwanzig Jahr alt, hat mich zur Vertrauten ihres Jammers gemacht. Wenn ich an den Abend denke, wie sie mir im Mondschein ihre geschichte erzählt hat, das Herz blutet mir. Ein Junker aus ihrer Nachbarschaft liebte sie; sie ihn auch; Er versprach ihr die Heirat, und die Eltern von ihrer Seite warens ganz zufrieden. Weil er Officier bei den Baiern war, so musst er mit seinem Regiment zu der Reichsarmee. Er nahm zärtlich von ihr Abschied, versprach, ihr zu schreiben, und schickte ihr auch in den ersten zwei Monaten fünf Briefe. Auf einmal blieben sie aus. Sie wartete drei, vier Wochen; war in steter Angst, weil sie nicht wusste, ob er lebendig oder tot sei? fiel in eine Krankheit; phantasirte, nannte nichts als ihren Bräutigam, und lag so vierzehn Tage lang. Als sie wieder zu sich selber kam, war ihre erste Frage: ist ein Brief da? Man konnte nicht mit Ja antworten, weil sie gleich den Brief gefodert hätte, und wollte doch nicht nein sagen; sie merkte es, phantasirte wieder, schlug sich wütend vor die Brust, und der Arzt besorgte eine gänzliche Zerrüttung ihres Verstandes. Sie erzählte mir gesicht, die sie in diesem Zustande gehabt hatte, dass mir Grauen ankam. Man sann auf eine List, ihr zu helfen. In einem derer Augenblicke, da sie bei sich selber war, erzälte der Arzt: Man habe Nachricht von dem Lieutenant, dass er in einem Scharmützel in den rechten Arm sei geschossen worden, nun sei er aber ziemlich wieder hergestellt, und hoffe, bald wieder schreiben zu können. Die Nachricht davon sei an seine Eltern gekommen, und er habe sie zugleich zärtlich grüssen lassen! Diese Erdichtung half mehr, als alle Arzenei. Der Rückfälle in die Phantasie wurden weniger, ihr Auge war nicht mehr so wild, und blickte ruhiger umher. Ihre Kräfte kamen wieder, und nach vierzehn Tagen war sie in so weit wieder hergestellt, dass ihr der Arzt anriet, auszufahren. Zweimal wurde sie von ihren Eltern begleitet; das drittemal fuhr sie allein mit ihrem Kammermädchen ... Fahrt zum Baron Steinburg nach Wettenheim! rief sie zum Kutscher, als sie auf dem Feld war. Das Kammermädchen erschrack, und misriet ihrs; Es sei zu weit; könn' ihr schaden u.s.w. Nichts! Sie wollte von den Eltern ihres Teodors selbst erfahren, was er mache, und ob er wieder hergestellt sei? – Was macht Er? Lebt Er? ist er wohl? rief sie zu der Baronessinn, als sie aufs Schloss kam. – Wer denn, gnädiges fräulein? was wollen Sie? – – Mein Teodor, ihr Sohn; Ist er wohl? – – Ihr Teodor, fräulein? Wissen Sie denn nicht, dass er sich vor einem Vierteljahre schon in Schlesien verheiratet hat? – Verheiratet! Ihr Sohn? Mein Teodor? Und so flog sie wieder in den Wagen, wo sie ohnmächtig in die arme ihres Kammermädchens sank. Der Kutscher fuhr fort, ohne etwas davon zu wissen. Erst vor dem dorf draussen hielt er, auf das Schrein der Kammerjungfer. Durch vieles Reiben der Schläfe und den Geruch des Englischen Salzes ward das fräulein wieder so weit gebracht, dass sie die Augen aufschlug. Mit starrem blick, und Verzuckungen des Mundes sass sie da, ohne sonst sich zu bewegen. Als man über eine Flussbrücke fuhr, machte sie eine Bewegung, als ob sie den Schlag an der Kutsche öfnen, und ins wasser springen wollte; aber, als ihr Kammermädchen sie hielt, blieb sie wieder unbeweglich sitzen. Sie kam nach haus, lief die Treppen hastig hinauf, und rief ihrer Mama, die oben stand, zu: Er ist verheiratet! – drei Wochen flossen unter den kläglichsten Umständen für meine Freundinn hin. Sie sagte nichts, als: Teodor! und: verheiratet! – Nach einem Vierteljahre ward sie wieder besser, und verlangte ins Kloster. Die Eltern wagten's nicht, ihr zu widersprechen. Nach dem Probjahr legte sie das ewige Gelübde ab. Man durfte nicht mit ihr von Teodor sprechen; sie verfluchte ihn, wenn sie seinen Namen hörte, und weinte dann wieder ganze Nächte durch! Vor drei Jahren kam Teodor zurück; wollte seine Braut sprechen, der er immer treu geblieben war; hörte, sie sei im Kloster; rannte zitternd hin, kam ans Gitter, sprach sie, und fiel zugleich mit ihr in Ohnmacht. Man brachte ihn ins Wirtshaus, da erzälte ein unvorsichtiger Bedienter alles, und besonders, dass seine Mutter ausgesprengt habe: Er sei verheiratet. Nach einer schrecklichen Nacht, die er unter tausend Kämpfen zugebracht hatte, ritt er mit verhängtem Zügel nach dem schloss seines Vaters; foderte, die Mutter zu sprechen, und durchstach sie mit dem Officiersdegen. Seitdem weiss man nichts von ihm, wo er hingekommen ist? Ein einzigsmal glaubte man ihn bei Nacht im Klostergarten gespürt zu haben. Es stunde jemand unten an der Zelle meiner Freundinn, und sprang davon, als eine Nonne aus dem Fenster sah. Sie schmachtete noch ein Jahr ihr Leben hin, sah einem Todtengerippe ähnlicher, als einem Menschen, sprach selten, und allein mit mir,