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, Vergnügen, und das stille Landleben angenehm und abwechselnd zu machen. Sie war mehr seine Freundinn, als seine Tochter: denn er zog sie bei allen wichtigen Veränderungen in der Haushaltung zu Rat, weil er wuste, dass er sich auf ihre Einsichten verlassen konnte. Sie ehrte und liebte ihn über alles; In trüben Stunden suchte sie ihn zu erheitern, und spielte ihm auf dem Klavier vor. Kurz, sie war die Freude und Stütze seines Alters.

Auch jetzt ging sie ihm, an der Hand ihres lieben Xavers entgegen, und die Freude, ihren Vater und Bruder wieder zu sehen, funkelte ihr aus den Augen. Sie erzälte erst, was während seiner Abwesenheit zu haus vorgefallen sei; und fragte dann ihren Bruder, wie es ihm im Kloster gefallen habe? Dieser konnte nun des Redens kaum ein Ende finden, wie es ihm da so wohl gegangen sei: was für Ehre er genossen, was für Leute er da kennen lernen, und was er sonst alle schönes gesehen und gehört habe. Endlich sagte er, es sei nun ganz richtig, dass er auch ins Kloster gehen, und deswegen in etlichen Tagen nach der Stadt in die Piaristenschule kommen werde.

Die Schwester erschrack anfangs, und tat, als ob sies nicht glauben könnte; aber Xaver berief sich auf das Zeugnis seines Vaters, und dieser bejahte es. Sie wagte es jetzt nicht, etwas dagegen einzuwenden, ob ihr gleich die Sache sehr misfiel; aber sie dachte doch, noch etwas auszurichten, wenn sie mit dem Vater und dem Bruder allein darüber spräche.

Was hältst denn du davon? sagte Xaver zu Wilhelm? Du schweigst ja ganz still dazu. Freust du dich nicht drüber? – Je, was weiss ich? sagte dieser; Mich deucht, du tust ganz recht, Xaver! Es soll ein ruhiges Leben im Kloster sein; und da ist es gut, dass dus wühlst.

Wilhelm sieht alles von der Seite der Ruhe an; sagte der Vater. Ich wollte, du hättest soviel Leben, wie Xaver! Ruhe kann man schon suchen, wenn man erst brav gearbeitet hat; aber du willst eins ohne das andere. Hast du heute die Rechnung eingetragen?

Wilhelm. Nein, Papa; ich habs wahrhaftig vergessen. Nu, ich denke, ich wills morgen tun.

Der Vater. Ei, was morgen? Ich hab dir aber gesagt, dass du's heute tun sollst! Mit euch, Leuten, kommt man weit! Du wirst noch einmal zu spät in Himmel kommen! – Terese, was werden wir heute zu Nacht essen?

Terese. Ich habe Tauben zurichten lassen; Papa, und Salat; weil's jetzt warm ist.

Der Vater: Gut, meine Tochter, du weist, was ich gern esse. – Deinem Bruder Xaver must du jetzt Wäsche zurecht machen, weil er unter fremde Leute kommt. Er kann bald abgehen müssen; ich warte nur auf Briefe aus der Stadt. Karl ist doch zu haus, Wilhelm?

Wilhelm. Ja, ich glaube wohl, Papa, er wird schreiben. –

Sie kamen nun aus Amtaus. Als sie durch den Garten gingen, sah der Vater, dass Terese die Blumen, vor dem Weggehn, schon begossen, und frischen Salat in die Lücken nachgepflanzt hatte, und lobte ihren Fleiss. Die Blumen dufteten ihr süsser, weil sie die Freude sah, die ihr Vater drüber hatte. Ich denke, wir essen heute in der Laube, sagte der alte Siegwart; der Abend ist lau und angenehm, und wir können hier die Nachtigall aus dem Gebüsch besser hören. Xaver ging auf sein Zimmer, packte seine Bücher aus, und grüsste seinen ältern Bruder Karl, der noch am Schreibtische sass, und ihm einen kalten unfreundlichen guten Abend wünschte, ohne weiter nachzufragen, wie es ihm die Zeit über gegangen sei?

Bald drauf setzte man sich in der Laube zu Tische; Terese trug mit angenehmer Geschäftigkeit das Essen auf. Sie war wie eine arkadische Schäferinn gekleidet, im weissen Gewand der Unschuld mit rosenroten Schleifen. Ihre schönen braunen Haare waren losgegangen, und flogen in der Luft, wenn sie durch den Garten hüpfte. Sie muste sich neben ihren Vater setzen, und ihm allerlei erzälen. Mit ihrer gewöhnlichen Anmut tat sie's zwar, aber nicht mit der, ihr sonst eigentümlichen Munterkeit; denn das künftige Schicksal ihres Bruders schwebte ihr, wie eine Wetterwolke am sonst heitern Himmel, vor Augen, und erschreckte sie. Er sass ihr gegenüber; wenn er sie nicht ansah, blickte sie ihn halbverstohlen und mitleidig an; Ein paarmal hatte sie Mühe, Ihre Tränen vor ihm und ihrem Vater zu verbergen. Karl hingegen, der in Gedanken schon berechnet hatte, wie viel er durch den Entschluss seines Bruders, ins Kloster zu gehen, bei der Erbschaft einst gewinnen werde, sprach unaufhörlich von der vernünftigen Wahl Xavers, und von dem Glück das ihn erwartete, gleich als ob er fürchtete, sein Entschluss möchte ihn wieder gereuen. Wilhelm nagte seine Taube langsam ab, und schwieg, oder sagte zuweilen noch: ja; damit man ihn nicht gar für eingeschlummert halten möchte!

Nach dem Essen ging man noch ein bischen im Garten zwischen den Aurikeln und Levkojenstöcken auf und ab; es ward von Dorfgeschichten und Einrichtungen des Hauswesens gesprochen; der Vater ging früh zu Bette, weil er vom Spatziergang etwas ermüdet war; Xaver auch. Terese konnte lange nicht schlafen,