der Arbeit kundig; ass des Abends Milch mit ihnen; und war von jedermann geliebt, ohne ihrer Würde etwas zu vergeben. – Im Herbst sorgte sie für die Bearbeitung des Flachses und fürs Ausdreschen des Getraides; ging mit in den Baumgarten, und half die Aepfel und die Birn' einsammeln. Im Winter besorgte sie die Kleidung ihrer Brüder, spann, oder machte Linnen; und versah noch dabei das ganze Jahr durch die Küche und die Haushaltung. Bei aller ihrer Arbeit war sie immer munter; trillerte ein Liedchen, oder scherzte mit ihren Brüdern. Der ältere, Karl, war stolz und geizig, der zweite: Wilhelm, war phlegmatisch und träg. Mit beiden machte sie sich also nicht viel zu schaffen, begegnete ihnen aber freundlich, uns gab ihren Schwachheiten, so viel als möglich, nach.
Aber unser Xaver war ein Mann für sie. Als Kind hüpfte sie immer mit ihm herum, und half ihm bei seinen kriegerischen Zurüstungen; sie spielte die Soldatenfrau, oder die Marquetenderinn; und hielts, wie er, mit dem König von Preussen. Oft gingen auch die beiden allein, die hände freundschaftlich in einander geschlossen, nach dem Garten, oder in den anliegenden Hain. Da setzte sie sich ins hohe Gras, sah mit frohem Staunen alle Schönheiten der natur, deren Betrachtung ihr immer das liebste war; hörte, mit lautem Aufjauchzen, dem Gesang der Nachtigallen und Grasmücken zu; indess dass der Bruder Schmetterlinge haschte, oder Blumen pflückte, und sie ihr mit lachen in den Schoos warf. Sie wüste die Blumen künstlich zu binden, oder machte einen Kranz draus; setzte ihn auf; und ging so, vergnügt, nach Haus. Als sie älter wurde, und sich schon ums Hauswesen bekümmerte, spielte sie doch noch oft mit ihm des Abends; warnte ihn, wenn er zu mutwillig gewesen, und der Papa über ihn erzürnt war; und er folgte ihrer Warnung. Da sie ein paar Jahr' als Kostgängerinn in einem Nonnenkloster lebte, vermisste er sie sehr und schrieb ihr, sobald er schreiben konnte, einen Brief zu. Nach ihrer Zurückkunft aus dem Kloster wollte sie ihn das Klavierspielen lehren; Anfangs hatte er grosse Lust, und war eifrig drauf; aber bald liess er wieder nach, denn das Notenlernen war ihm viel zu langweilig. Er hingegen musste ihr Phädri Fabeln und Terenz Komödien übersetzen, weil sie in den Zwischenstunden und an den langen Winterabenden gar zu gern ein gutes Buch las, und doch keines, oder wenige, hatte. nachher kriegte sie von einem Preussischen Officier, der, im Burgauischen als Kriegsgefangner lag, mehrere gute, deutsche Bücher zu lesen. Je mehr sich die Seele ihres Bruders entwickelte, desto mehr gewann sie ihn lieb, und ward ganz seine Vertraute. Vielleicht kams auch daher, weil ihre Gesichtszüge sehr viel Aehnlichkeit miteinander, und mit den Gesichtszügen ihrer Mutter hatten.
Aber desto weniger Aehnlichkeit in der Gesinnung, im ganzen charakter, und auch in der Bildung hatte ihre Schwester Salome mit ihr, die drei Jahre jünger war, als sie. Dieses Mädchen sah nicht gut aus, denn sie hatte Sommersprossen, eine etwas aufgeworfne Nase, und ziemlich hellrote Haare; und doch war sie auf ihre Bildung, und ihren vorteilhaften Wuchs übermässig stolz. Eitelkeit war ihre Göttinn, und sie sann Tag und Nacht darauf, ihr neuen Putz und Flitterstaat zu opfern: und doch prangte sie im Dorf vor niemand, als Sonntags in der Kirche vor den bauern, die ihren überfeinen Geschmack nicht einmal bewundern konnten. Für diesen Undank, dessen sich auch ihre Schwester schuldig machte, weil sie's selten bemerkte, wenn Salome mit einer neuen Erfindung, die oft in Veränderung einer Schleife bestand, auftrat, rächte sie sich aber, und brachte den grössten teil des Jahrs bei einer alten Baase in München zu, wo sie sich von Hofkammerdienern, Läufern, und dergleichen Leuten bewundern, und von Damen, Kammerjungfern und Putzmacherinnen betadeln liess. Die ganze Familie des Amtmanns, und Terese am meisten waren mit dieser Rache sehr zufrieden; denn Salome konnte nichts, als sich, und ihre Kleider im Spiegel begaffen; sich frisieren; zwo französische Arien singen, die sie nicht verstand; aufs Land und das Landleben schimpfen; spötteln, wenn man von der Stadt sprach, und nicht alles drinn bewunderte; und endlich über jedermann, besonders über ihre Schwester die Nase rümpfen, weil sie das Unglück hatte, besser auszusehn als sie, und den einfachen Natürlichen Geschmack in Putz und Sitten, dem hökerichten parfumierten Stadtgeschmack vorzuziehen. Terese kannte die Stadt; sie war, nach dem Kloster, noch ein halbes Jahr da gewesen, und sehnte sich mit voller Seele in ihr stilles, ruhiges Dorf zurück; wo, statt des ewigen Getümmels der Karossen und der Menschen, Ruhe; Statt des cäremoniösen Wesens, das aus lügenhaften Komplimenten zusammengesetzt ist, alte deutsche schwäbische Offenherzigkeit; Statt der sogenannten feinen Lebensart, unverfälschte Unschuld und Wahrheitsliebe; und statt des Prunks in Häusern und Gemächern, einfältige, ungekünstelte natur ihren Tron aufgeschlagen hat. Gesellschaft brauchte sie nicht viel, weil sie immer beschäftigt war, und ihren Xaver um sich hatte. Zuweilen ging sie mit des Postverwalters Tochter, einem stillen sittsamen Mädchen, um. Statt für Ihr Vergnügen in einem angenehmen Umgang mit Freundinnen zu sorgen, hielt sie es für eine grössere und höhere Pflicht, ihrem rechtschaffenen Vater, der, seit dem tod seiner Frau, immer einsam gelebt hatte