doch sehen, Xaver, was du denn für schöne Bücher hast? Ei, das ist ja herrlich, das Leben des heil. Franciscus; das ist mein Patron. Nun, nun, da kannst du brav drinn studiren, und viel schönes draus lernen. Und da, das Leben des heiligen Nepomuk, das ist der Flusspatron, weil er zu Prag in die Moldau ist gestürzt worden. Ich dank Ihnen vielmals, Herr Pater, in meinem und in Xavers Namen. Wenn Sie mich einmal besuchen, will ich sehen, wie ichs auf andre Art wett mache? Nun, Xaver, empfiehl dich der Liebe dieser Herren! Du siehst, dass Sie dir alle gut sind, mach, dass du dieser Ehre wert bleibst!
Xaver konnte nicht vor Tränen sprechen; Er küsste dem Guardian und den übrigen die Hand, und benetzte sie mit seinen Tränen. Als er an den P. Anton kam, sagte dieser: Lass nur, mein Sohn! ich will dich und deinen Vater noch eine Strecke weit begleiten. Am Klostertor blieben die übrigen stehen, nachdem sie von den beiden Siegwarts auf deine freundschaftliche Art Abschied genommen hatten. Anton ging mit ihnen. Xaver sah sich wohl noch zwanzigmal nach dem Kloster um, und schickte ihm seine Tränen nach.
Der alte Siegwart erkundigte sich bei P. Anton nach verschiednen Dingen, die den Aufentalt seines Sohns auf der Schule und dann auf der Universität, betrafen. Dieser entschuldigte sich damit, dass er schon zu lange von der Welt sei, und dass sich in dieser Zeit so vieles in der Lebensart, und in den Kosten auf der Universität verändert habe. Er gab aber doch dem Vater und dem Sohn viel weise Lehren und Erinnerungen. Ich wollte dir Prag zur Universität vorschlagen, sagte er, denn sie hat viele Vorzüge vor andern; Aber, da sie so weit entfernt ist, und man dort weit mehr braucht, als anderswo, so wollt ich dir unmassgeblich Ingolstadt in Baiern vorschlagen, weil da auch gute Professores sein sollen, wenigstens hat Herzog Ludwig viel drauf gewendet. Ja, ich denke auch so, sagte Siegwart; Ingolstadt liegt in der Nähe, und ich habe da auch noch von meiner seligen Frau her ein paar weitläuftige Verwandte, dass mein Sohn doch etwas Aussicht hat, und auch Unterstützung, wenn es nötig wäre. Der Hofrat Fischer, den du auch noch kennen wirst, steht dort in gutem Ansehen, und ich habe von ihm, vermög unsrer alten Bekanntschaft, viele Freundschaft zu erwarten.
Nach einigen Erinnerungen, die Anton dem jungen Siegwart noch, in Absicht auf die Wahl seiner Freunde auf Universitäten, gegeben hatte, nahm er von den Beiden Abschied. Es flossen gegenseitig viele Tränen, zumal da Anton fast in einem Ton der Weissagung von seinem frühen tod sprach. Der letzte Kuss des Paters schwebte noch lang auf den Lippen des Jünglings; seine Tränen flossen in die Träne des Ehrwürdigen Alten, und vereinten sich mit ihr, wie seine Seele mit des Paters Seele sich vereinigt hatte.
Vater und Sohn gingen eine Zeitlang schweigend durchs Gefild hin. Was hast du dann alle Gutes erfahren und gesehen im Kloster? fragte endlich der alte Siegwart. Und nun fing der Sohn an, in einer Art von Begeisterung, alles zu erzählen, was im Kloster, und besonders auf dem dorf mit dem P. Anton den tiefsten Eindruck in sein Herz gemacht hatte. Der Vater hörte mit Vergnügen, oft mir Rührung zu, und rief ein paarmal aus: Ja, da malst du mir meinen Pater Anton wie lebendig vor die Augen! Das sieht ihm ähnlich, u.s.w. Wenn du seine Fussstapfen betrittst, Xaver, denn will ich den Tag ewig segnen, an dem ich das erstemal mit dir hieher ging.
Sie waren aus dem Wäldchen herausgegangen, als sie von fern Teresen und Wilhelm, ihren zweiten Bruder, ihnen entgegen kommen sahen. Xaver sah sie kaum, so sprang er voraus, bewillkommte sie, und drückte seiner Schwester, die er herzlich lieb hatte, die Hand, denn er war noch nie so lang von ihr entfernt gewesen. Terese war ein rasches, naives Landmädchen mit einem runden vollen Gesicht, das von der Farbe der Gesundheit glühte; mit grossen dunkelblauen Augen, die beides, wenn sie heftig, oder zärtlich war, von der Stärke und Festigkeit ihrer Seele zeugten. Wenn sie lachte, bildeten sich ein paar Grübchen in den Wangen, und man sah die Göttinn der Anmut vor sich. Ihre Haare waren dunkelbraun und lang; ihr Wuchs mittelmässig gross. In ihren Reden war sie schnell und hastig; ihr Witz war immer neu und lebhaft. Munterkeit erwachte, wo sie hinkam, und sie lachte gern aus vollem Herzen. Doch verbannte sie zu rechter Zeit den Ernst nicht, und in den Stunden der Dämmerung, oder am Klavier zerfloss ihre Seele oft in Wehmut. Nichts liebte sie mehr, als Geschäftigkeit, und besonders ländliche Beschäftigungen. Sie wuste jede Arbeit, die die verschiednen Jahrszeiten auf dem land mit sich bringen. Im Früling säte sie im kleinen Würzgärtchen am haus; steckte Bohnen und Erbsen; pflanzte Salat und Kohl, und ordnete die Aussaat des Flachses an. Im Sommer war sie in ihrem strohernen Sonnenhütchen, bei der Heuerndte mit; kochte für die Arbeitsleute; half den Flachs eintun, und zurechte machen; ging mit aufs Kornfeld hinaus; hatte die Aussicht über die Schnitter; sprach mit ihnen freundlich, und