, die er, und Siegwart und Terese vergossen, las es Kronhelm. Es waren abgebrochne rührende Aufsätze an Siegwart, und eine kurze Erzählung ihrer geschichte, deren Hauptinhalt dieser war:
Die äbtissin zu Marienfeld hatte von Brigitten alles erfahren, wer der Gärtner sei; was er vorhabe; dass er Marianen zu entführen denke etc. Mariane ward sogleich eingeschlossen. Brigitte musste vorgeben, sie sei nicht recht wohl; musste ihm aber doch versprechen, Marianen Abends in den Garten zu bringen, wo die Nonnen im Sinn hatten, ihn zu greifen und festzusetzen. Brigitte, die besorgt war, er möchte es entdecken, dass sie sich von ihm hab entführen lassen wollen, suchte ihn aus dem Kloster zu bringen, und betäubte ihn desswegen mit der Nachricht von Marianens Tod. Als er entflohn war, gab man ihren Tod auch im Kloster vor, um allen seinen fernern Versuchen Marianen zu entführen, vorzubeugen. Brigitte ward zur Strafe eingeschlossen. Marianen brachte man sogleich heimlich nach einem andern Kloster, und, als dieses Kloster abbrannte, wurde sie mit drei andern Nonnen nach Bergkirch gebracht.
Als Kronhelm dieses vorgelesen hatte, war Siegwart durch die vielen Tränen und die heftige Bewegung aufs neue ganz entkräftet, und musste ins Bette gebracht werden. Nach einer halben Stunde erholte er sich wieder etwas, und bat seinen Kronhelm, folgendes zu schreiben, und es nach seinem Tod dem P. Anton zu geben, mit der Bitte, ihm den letzten, darin gefoderten Freundschaftsdienst ja Nicht abzuschlagen.
Teurer Vater!
Die letzte Bitte deines sterbenden Sohnes, lass sie ja nicht unerfüllt sein! Ich hab auf Erden sonst nichts mehr zu bitten. Lass mich ruhen neben ihr, für die ich sterbe! Gott im Himmel lohne Dich dafür, und für alle Deine Liebe, dass Du bald mir folgest! Höre mich! lebe ewig wohl, Du Teurer! Höre mich! Gott segne Dich, Amen!
Mit zitternder Hand unterschrieb er seinen Namen, liess das Blatt siegeln, und bat nochmals, seinen P. Anton aufs dringendste anzuliegen, seinen Wunsch zu erfüllen! Terese schwiegen, und gingen wechselsweise weg, um ihre Tränen vor ihm zu verbergen. Er war nicht mehr traurig; die hoffnung seines nahen Todes ward ihm Zuversicht. Seine Seele war schon mehr im Himmel, als auf Erden. Nur die Liebe zu seinen teuren Freunden machte, dass er noch zuweilen einige Augenblicke an die Welt dachte, und auf ihr verweilte. P. Anton war auch wiedergekommen, und sass unaufhörlich ihm zur Seiten.
Eine Bitte hab ich, teurer Vater, sagte Siegwart zu ihm, die du erst nach meinem Tod erfüllen kannst. Mein Kronhelm wird sie dir entdecken. Ach, versprich mir, dass du sie erfüllen willst, damit ich ruhig sterbe! – P. Anton versprach, die Bitte zu erfüllen; wenn sie nichts, für ihn unmögliches entalte.
Gegen Abend, als Siegwart wieder etwas auf war, und nah am Fenster sass, hörte er unten vor dem Fenster, ein Geräusch. Er sah hinaus, und da war der Gottesacker unten, und die Nonnen waren darum seine Mariane in das Grab zu legen. Terese, die auch hinaussah, erschrack über den Anblick, und ihr Bruder sank ihr schweigend in den Arm. Man brachte ihn wieder aufs Bette, wo er ein paar Stunden lang fast sinnlos lag. Endlich schlug er die Augen auf. Terese, sagte er, ist ein Kreuz auf dem Grab? – Ja lieber Bruder, war die Antwort, ein kleines schwarzes Kreuz. – Nun, so hab ich auch die letzte Bitte an dich. Flicht mir einen Kranz von Blumen und Cypressen, und gib ihn mir! Wenn er mit meinen Tränen gnug benetzt ist, dann häng ihn du am Kreuz auf, und weine auch drüber! – Terese brachte ihm einen Kranz; er weinte drauf, drückte ihn einigemal ans Herz, und legte ihn dann für sich aufs Bette hin.
Den andern Tag sprachen Kronhelm und Anton mit dem Arzt, und fragten ihn, wie lang er glaube, dass Siegwart noch leben könne? – Länger, als ich anfangs dachte, sagte dieser. Er hat eine starke natur. Wenn er nicht zu heftige Bewegungen hat, so kann er noch sechs bis sieben Tage leben. Eine Veränderung des Aufentalts wäre gut, denn hier scheint er zu viele traurige Gegenstände um sich zu haben. Die beiden beschlossen, ihn den folgenden Tag in einer Sänfte nach seinem Kloster bringen zu lassen, um ihn von dem Grab seiner Mariane zu entfernen, denn er wollte immer ans Fenster, um hinabzusehn. Sie taten ihm also den Vorschlag, ob er sich nicht den andern Tag nach seinem Kloster wolle tragen lassen? Anfangs erschütterte ihn der Vorschlag, weil er sich nicht vom Grab seiner lieben Mariane entfernen wollte. Doch gab er sich endlich drein, denn nach und nach ward ihm alles auf der Welt gleichgültig, und Pater Anton stellte ihm vor, er möchte beständig um ihn sein, und könne sich doch nicht so lang von seinem Kloster entfernt halten. Bringt mich hin, wo ihr wollt, sagte er; lange könnt ihr mich doch nicht mehr von ihr trennen. Wenn mir nur Pater Anton nach meinem Tod meine Bitte erfüllt. – Den Tag über lag er immer in anscheinender Ruhe auf dem Bette. Seine Freunde hieltens für ein Zeichen der Besserung, aber im grund war es Entkräftung.
Gegen Abend sank er in einen festen