, ewig, bei dir sein! – So schwärmte er sich in überirrdische Empfindungen hinein, und vergass Welt, und alles um sich her.
Der Guardian und die andern Paters begegneten ihm mit Freundschaft und Liebe, und unterschieden ihn da er mehr Vermögen mit ins Kloster brachte, sehr von den beiden andern, die mit ihm das Noviziat antreten sollten. Der Eine, Bruder Porphyr, war ein feuriger, oft ausgelassener Jüngling, der eher zum Herrschen, als zum Gehorchen gebohren war, und besser einen Officier, als einen stillen und geduldigen Mönch abgegeben hätte. Aber sein Vater hatte mehrere Kinder und ein mässiges Vermögen. Also hielt er es für ein Glück, dass sein S o h n hier eine Versorgung finden sollte. – Der andre Bruder Isidor, war ein dummer, schläfriger Mensch, der sein Leben so hinträumte, ohne viel dabei zu denken. Seine Mutter, ein bigottes Weib, hatte ihn, weil sie bei seiner Geburt fast starb, von Jugend auf zum Mönch bestimmt, und ihm schon, als Knaben, eine Kapuzinerkutte angelegt. Fragte man den Knaben, was er werden wollte? so sagte er: ein geistlicher Herr. Die Mutter sagte ihm, im Kloster könn er ohne viele Müh ein Heiliger werden; und dem Knaben war alles recht, was nicht viele Mühe kostete. Der Beichtvater seiner Mutter, ein Kapuziner, kam oft in sein Haus. Sein dicker Bauch gefiel ihm, und seine Erzählungen von der Ruh im Kloster wurden von dem Knaben begierig angehört. Man tat ihn auf die Schule; er lernte da so wenig, als er brauchte; auf der Universität in Dillingen trank er sein Glas Bier in Ruhe, und ging nun, als er alt genug war, ins Kloster.
Keiner von beiden war für unsern Siegwart geschaffen. Bruder Porphyr wollte immer nur lustige Universitätsstückchen von ihm wissen, und war ihm mit Erzählungen seiner Streiche, die er in der Welt getrieben hatte, lästig. Wenn Siegwart in tiefer Melancholie da sass, und mit seiner Seele ganz bei Marianen war, so rüttelte er ihn, und wollte ihn durch Spass munter machen; und einem Traurigen ist nichts widriger, als eine unzeitige Lustigkeit. – Isidor sprach gar nichts, schlief gröstenteils, oder sass untätig und gedankenlos da, und nahm an gar nichts Anteil. Siegwart nahm also seine Zuflucht zur einsamen Andacht, der er, so lang die Witterung noch gelind war, in einer Grotte im Garten pflegte; oder er schrieb kurze Aussatze, die an Gott oder Marianen gerichtet waren; oder er sass bei seinem lieben Pater Anton auf der Zelle. Gleich in den ersten Tagen erzählte er ihm, mit tausend Tränen, und aufs unparteiischste seine geschichte. Der alte Mann, der der Welt schon ganz abgestorben war, wurde oft im Innersten dabei bewegt, und nahm an Marianens und an seines jungen Freundes Schicksal soviel Anteil, als ein Jüngling. Er war offenherzig genug unserm Siegwart verschiedne Abende nach einander seine ganze geschichte, die oft sehr traurig war, zu erzählen, und ihm auch die Verirrungen, in die er sich verwickelt hatte, nicht zu verschweigen. Unser Siegwart hörte ihm mit tiefer Rührung zu; oft vergass er dabei seiner eignen Unglücksfälle; oft aber ward er wieder durch die entfernteste nur anscheinende Aehnlichkeit aufs lebhafteste an seine eignen Schicksale erinnert, so dass Anton manche Viertelstunde in der Erzählung inne hielt, und mit ihm weinte.
Siegwart konnte nicht begreifen, wie ein Mann, der soviel ausgestanden hatte, wie Pater Anton, mit seinem empfindungsvollen, tieffühlenden Herzen nicht nur solche Leiden überleben, sondern wieder zu einer solchen Ruh gelangen könnte; er äusserte auch seine Verwunderung darüber, und glaubte, ihm würde dieses nicht möglich sein. Lieber Xaver, sagte Anton, ich habs auch nicht geglaubt, als der Schmerz noch neu in meiner Seele, und ich noch ein Jüngling war. In der Jugend fühlt man alles noch so stark, und traut sich auf der einen Seite zu wenig, und auf der andern zu viel zu. Leiden glaubt man nicht tragen zu können. Jede leidenschaft, glaubt man, müsse diesen Körper gleich zertrümmern; aber in der Jugend kann der Körper weit mehr tragen, als im Alter. Drum gab Gott, dem das Leben eines Menschen teuer ist, uns gewöhnlich nur so lang starke Leidenschaften, als der Körper stark genug ist, ihre Erschütterungen zu tragen. Mit dem Wachstum der Jahre nehmen sie ab, und die Reizbarkeit der Empfindung auch. Siehst du, Freund, so wird der Alte ruhig, in dessen Brust es vorher noch so sehr gestürmt hat. Die Jugend half ihm die Stürme aushalten, und nach dem Sturm kommt Ruhe. Also ist sie sehr natürlich, ob es gleich auch eine künstliche Ruhe gibt, die von guten grundsätzen, von Erfahrung, Philosophie, und Anwendung der Religion erzeugt wird. Der Welt wäre schlecht geholfen, wenn Unglück des Herzens jeden Jüngling sogleich tödtete; denn mehrenteils sind die Jünglinge, die tief empfinden, deren gröstes Unglück ihr zu fühlendes Herz ist, die edelsten, die der Welt am meisten dienen können. Du bist also dich der Welt noch schuldig, und must auf deine Selbsterhaltung denken! Ich weiss wohl, dass der Wunsch nach dem Tod, und das heisst Sehnen darnach, dir, und dem Jüngling überhaupt sehr natürlich ist. Der Jüngling liebt alles Neue, Ungewöhnliche und Feierliche, und was ist feierlicher als der Uebergang aus diesem Leben in ein anderes