weinte. Am dritten Morgen suchte er seine Briefschaften sehr sorgfältig durch, verbrannte alle seine Papiere, und band bloss die Briefe von Marianen mit einem perlenfarbnen Band zusammen, das sie ihm einmal geschenkt hatte; auch legte er das Sückchen Tafft dazu, das sie ihm einmal gegeben hatte, seinen Finger zu verbinden. Ihren Ring trug er am Finger.
Hierauf ging er zu Kronhelm, und sagte: Hast du Briefe von – –? Kann ich nun ins Kloster? Kronhelm, der indessen Briefe bekommen hatte, wagte es nicht, ein Wort zu sagen, um ihn von seinem Entschluss abzubringen, und sagte: Ja, ich habe Briefe vom Pater Guardian; man erwartet dich. Hier ist auch ein Brief vom Pater Anton. Siegwart brach ihn auf, las ihn hastig durch, weinte heftig, und drückte ihn mit den Worten an den Mund: O du Heiliger, wie bin ich solcher Liebe wert? – Nach einer Pause wendete er sich zu Kronhelm: Willst du mir morgen deinen Wagen nach dem Kloster leihen? – Schon so früh? fragte Kronhelm. Ach Geliebter, war die Antwort; hab ich doch genug in dieser Welt gelebt. –
Kronhelm sagte Teresen, dass ihr Bruder morgen schon ins Kloster wollte. Sie weinte, aber sie wagte es auch nicht, ihrem Bruder abzuraten. Also machte man die traurige Anstalt zu seiner Abreise. Siegwart bat sich von Kronhelm als die letzte Gabe die Trauerkleider aus, die er hatte. Kronhelm konnte ihm vor Tränen nicht antworten. Er, seine Frau, ihr Bruder, und Rotfels fassen den letzten traurigen Abend beisammen. Keines konnte sprechen; endlich fing Siegwart, sehr gerührt, selber also an: Meine Lieben! Weinet nicht zu sehr! Bald hats ein Ende. Kronhelm, du hast viel gelitten, und auch du, Terese; und doch nahms ein Ende. Und doch seid ihr noch so fern vom Grab, wo alles Leiden aufhört, und ich bin ihm schon so nah. Hat doch Mariane ausgelitten; warum sollt ich nun nicht alles tragen? Damals war es noch schwer, als ich mit ihr trug, und sie mit mir, aber nun ... ist alles leicht ..... Ach, dass ich euch trösten muss! Ihr verliert nur mich, und Ich habe sie verlohren.. Lieben Freunde, ihr habt viel getan an mir.. und besonders Sie, mein Rotfels, in den letzten Tagen. Gott vergelts Euch! ... wärs auf Euch angekommen, ich wäre glücklich. Gott hats anders gewollt, und ich murre nicht. Ist sie doch in der Hand des Allmächtigen, und wird mir bald entgegen kommen.. Darum tröstet Euch! Ich werde glücklich.. Glaubet mir, im Himmel werde ich ihr erzählen, was ihr an mir tatet. Gott wirds segnen. Ich kann nichts vergelten. Diese kurze Zeit noch, dass ich lebe, will ich für Euch beten. –.. Warum weinest du, mein Kronhelm, und du, meine Schwester? Soll ich mit euch weinen? Ja, ihr wart mir lieb und teuer; ach, ihr wisst es selbst, wie mein Leben euch zu Dienste stand! ... Aber nun ist es aus; nun gehör ich Gott.. und meinem Engel.. und es wird bald ausgeweint sein ... – Hier konnte er vor Schluchzen nicht weiter reden. Allen war es, als ob das Herz ihnen bersten wollte.. Siegwart nahm ein Glas mit Wein, und sagte: Seht! meine Tränen fliessen in den Wein. Es sind Tränen der Freundschaft, der Trennung und des Danks. Jedes trink' und wein' in das Glas! Trink, mein Kronhelm, und du, meine Schwester, und du, mein Rotfels! ... Gebt nun mir das Glas, und lasst michs vollends leeren!.. Und nun gebt mir es mit, dass es mir heilig sei, bis an mein Ende! ... O, Gott segn euch, meine Lieben, für die vielen Tränen!.. Kronhelm, du begleitest mich, das weis ich.. Und dich, meine Schwester, sehe ich wieder. Du besuchst mich, wenn du stärker bist: und auch meinen Rotfels sehe ich wieder. Vielleicht zieht sich noch mein Leben ein paar Jahre hin. Ich bin nah bei euch, und sehe euch wieder ... Darum weint jetzt nicht so sehr!.. Terese, morgen küss' ich noch einmal dein Kind, wenn es schläft. Allen Segen des himmels will ich ihm erflehen ... Ich bitte dich, sieh mich morgen nicht mehr! Du bist schwach und ich muss stark sein, denn ich geh ja ein ins Land der Ruhe. –
Terese versprach, ihn Morgen nicht zu sehen. Er drückte sie mit Schluchzen an sein Herz. Beide konnten nicht sprechen.
Den andern Morgen um vier Uhr ging Siegwart in das Zimmer, wo Teresens Kind schlief. Er küsste den kleinen Engel, und muste weggehn, um das Kind durch sein Schluchzen nicht zu wekken. Gott, rief er aus, wie ruhig schläft es! warum können wir nicht Kinder bleiben? – Hierauf setzte er sich mit Kronhelm in den Wagen, und fuhr weg. Sein übriges Vermögen, was er nicht ins Kloster mitnahm, vermachte er seiner Schwester Salome die hm tausend Tränen nachweinte. Rotfels blieb zurück, um