neuen Stand zu schicken, dass kein Mensch auf den Einfall kam, ihn für eine verkappte person zu halten. Rotfels liess ihn oft auf sein Zimmer kommen, oder sprach Abends mit ihm, und redete mit ihm ab, wie er sich im Kloster zu betragen habe. Siegwart gab ihm ein kleines Briefchen, worin er Marianen auf diese List vorbereitete, und auf den Gärtner Georg aufmerksam machte. Rotfels versprach ihm, bald den Pater in den Garten zu bringen; dann soll er sich traurig stellen, dass der Pater auf ihn aufmerksam werde, und ihm dann sein Anliegen vorbringen.
Einige Tage drauf kam Rotfels mit dem Pater in den Garten. Er entfernte sich bald darauf, unter dem Vorwand von Geschäften, und liess den Pater allein. Siegwart machte sich in dem gang, wo der Pater ging, etwas zu schaffen; stellte sich sehr traurig an, wischte sich die Augen, und weinte. Der Pater fragte ihn, was ihm fehle? Ach lieber, wohlehrwürdiger Herr, antwortete Siegwart: Da hat mir heute mein Herr gesagt, er sei zwar mit meiner Arbeit sehr zufrieden, wie Sie ihn selbst fragen können; aber, weil er mit seinem vorigen Gärtner wieder eins geworden sei, so könn er mich nicht länger behalten; es fall ihm zu schwer, zwei Gärtner zu bezahlen; und er ist so gar ein braver Herr; das geht mir nun nah, dass ich ihn verlassen soll! Und der Winter ist vor der Tür, und ich habe keinen Dienst und kein Brod. – Hier fing er an, heftiger zu weinen – Ach, lieber wohlehrwürdiger Herr, Sie sind bei soviel Herrschaften und in Klöstern wohl bekannt, wüssten Sie mir nirgends ein Dienstlein? Sie könnten ein recht gutes Werk verrichten. Ich wollte mich gewiss billig finden lassen; und meinen Dienst kann ich versehen, so gut als ein Gärtner im ganzen deutschen Reich, wie mein gnädiger Herr gewiss selbst bezeugen wird. Wenn Sie mir doch helfen könnten! P. Klemens ward durch die Tränen des Gärtners gerührt, und versprach, in Marienfeld ein gutes Wort für ihn einzulegen. Rotfels kam, wie von ungefähr dazu, und mischte sich ins Gespräch. Er lobte den Gärtner Georg sehr, sagte, er wünsch ihm selbst einen recht guten Dienst, wo er besser stünde, als bei ihm, und empfahl ihn dem P. Klemens. Dieser versprach, das Beste für ihn in Marienfeld zu tun, wo man eben einen Gärtner nötig habe, und in drei oder höchstens vier Tagen wieder Antwort zu bringen.
Siegwart freute sich mit Rotfels über den guten Erfolg seines Unternehmens, und am dritten Tage kam P. Klemens wieder, mit der Nachricht, die äbtissin zu Marienfeld wolle den Gärtner Georg sprechen, und werde ihn vermutlich in Dienst nehmen. Siegwart reiste mit der freudigsten hoffnung ab, und kam noch denselben Nachmittag zu Marienfeld an. Die äbtissin liess ihn ans Sprachzimmer kommen; er gefiel ihr, und ward auf P. Klemens zeugnis mit einem ansehnlichen Lohn zum Obergärtner angenommen. Siegwart hätte sich vor übermässiger Freude fast selbst verraten, und seine Rolle vergessen. Er dankte der äbtissin aufs feurigste, sein Herz schlug ihm sichtbar, und er sprang mehr, als er ging, an seine Arbeit.
Wenn er im Garten arbeitete, so sah er sich wohl tausendmal um, ob er seine Mariane nicht erblicke? Wenn er oben an den Klosterfenstern, die mit hölzernen Jalousieladen vermacht waren, sich etwas bewegen sah, so blickte er unbeweglich hin, weil er glaubte, seine Mariane stehe dran. Seine Brust war den ganzen Tag von einem unruhigen Sehnen belebt; es war ihm zu Mut, wie einem Neuverliebten; bald war er heiter, bald wieder traurig und weinte. Alle Abend legte er der äbtissin am Sprachgitter Rechenschaft von seiner Arbeit ab. Sie schien täglich mir ihm zufriedener zu sein. Zuweilen sah er noch mehrere Nonnen in dem Sprachzimmer. Die heftigste Unruhe quälte ihn, ob nicht seine Mariane mit unter den Nonnen sei? Aber vor dem Schleier konnte' er sie nicht erkennen. Einmal hub eine von den Nonnen, die in der Ecke des Sprachzimmers stand, ihren Schleier etwas auf. Es war Mariane. Ihr Gesicht war todtbleich. Er ward durch den Anblick wie vom Donner gerührt. Bald ward sein Gesicht feuerrot, bald todtblass, er stotterte, gab der äbtissin lauter verwirrte Antworten; seine Knie zitterten, dass er kaum mehr stehen konnte. Zu allem Glück liess ihn die äbtissin sogleich von sich. Er lief auf seine kammer, und fiel halb ohnmächtig aufs Bette. Ein Strom von Tränen schaffte ihm endlich Erleichterung. Er warf sich auf seine Knie, und betete so inbrünstig, als er fast noch nie in seinem Leben gebetet hatte, dass ihm Gott beistehen wolle, seinen Engel bald aus diesem Kerker zu erretten! Nun wusste er fast gar nicht mehr, was er tat. Mariane stand unaufhörlich so vor ihm da, wie er sie im Sprachzimmer erblickt hatte; sie erschien ihm so in Träumen; aber nur selten konnte er schlafen. Noch Einmal glaubte er sie unter den Nonnen zu erblicken, aber sie hub ihren Schleier nicht auf, und er blieb in der Ungewissheit.
Am nächsten Feiertag ging er in die Kirche. Nach der Messe, welche P. Klemens las, machten die Nonnen auf dem Chor eine Musik. Erst ward ein Tutti gesungen, dann ein Solo. Mariane sangs. Er glaubte bei dem Klang ihrer