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sah den sie Arzt bittend an, und winkte mit den Händen, vermutlich, dass man ihren Kronhelm suchen sollte. Der Arzt liess Siegwart rufen. Er kam zitternd, setse, und todtbleich ans Bette, nahm ihre Hand, und wandte das Gesicht weg. Der Schmerz überwältigte ihn, dass er laut schluchzte; Er wollte sich losreissen; Sie klammerte sich aber mit der Hand fest in die seinige, und liess ihn nicht los. Er sah sie an; mit unaussprechlicher Wehmut blickte sie ihn an; aus dem halbgeschlossenen Auge drang eine Träne; der Mund öffnete sich, und man könnt es sehen, dass sie sagen wollte: Kronhelm!

Siegwart riss sich mit Gewalt los sprang weg, und hohlte seinen Kronhelm. Sie sah ihn an, lächelte ihm zu, und indem flossen wieder Tränen aus dem Auge. Kronhelm stürzte sich halb ohnmächtig über sie hin, schrie und schluchzte laut, bedeckte ihr Gesicht mit Tränen und Küssen, und ward so, in ihren Armen, ohnmächtig. Man brachte ihn sinnlos weg.

Sie befand sich sehr entkräftet. Der Artzt verbot, jemand wieder vor sie zu lassen. Kronhelm schickte alle Augenblicke einen Boten nach ihr; dieser kam immer nur mit Achselzucken wieder. Der Geistliche kam, und gab ihr die letzte Oelung. Kronhelm und Siegwart beweinten sie als tot, und waren trostlos. Die ganze Nacht floss ihnen schrecklich hin. Kronhelm verwünschte sich, und sein Geschick, und das Kind, das ihm, sein Liebstes raubte. Terese hatte die Nacht über ein paar Stunden Schlaf, und befand sich am Morgen ein klein wenig besser; die ärzte verboten aber, ihren Mann zu ihr zu lassen, weil sie eine zu heftige Gemütsbewegung für sie fürchteten. Sie konnte nun zuerst wieder etwas stärkende Brühe zu sich nehmen. Ihrem mann ward etwas wenig Hoffnung gemacht; man liess ihn aber nicht zu ihr. Auf sein anhaltendes Bitten liessen ihn endlich die ärzte in ihr Zimmer, als sie eben in einem kleinen Schlummer lag. Man konnte ihn bei ihrem Anblick kaum zurück halten, dass er nicht vor Freuden laut aufschrie, und über sie hin fiel, und sie küsste. Als sie wieder aufwachte, liess man ihren Bruder zu ihr kommen. Ihr erstes Wort war: Was macht mein Kronhelm? Er ist wohl, war die Antwort, und hofft auf deine Genesung. – Gott geb es! sagte sie. Ich befinde mich um ein Gutes besser. Sprich ihm Mut, und Vertrauen ein, und gib ihm diesen Kuss in meinem Namen, wenn ich ihn nicht selber küssen darf!

Die ärzte bekamen nun immer bessre Hoffnung; aber Kronhelm durfte sie noch nicht anders sehen, als schlasend. Einmal wachte sie auf, als er noch vor ihr stand. Sie streckte stillschweigend ihren Arm nach ihm aus; er sank darein. Beide könnten vor zärtlichem Entzücken nichts tun, als weinen. Ihre Kräfte nahmen nun sichtbar wieder zu. Kronhelm und Siegwart kamen nicht von ihrem Bette. Siegwart freute sich von ganzem Herzen über ihre Genesung; aber dein ungeachtet nahm doch seine Schwermut, und seine Abneigung von der Welt mit jedem Tage mehr zu. – schreibe doch bald ins Kloster! sagte er einmal zu Kronhelm, als sie beide vor Teresens Bette sassen. Die Welt wird mir täglich mehr zum Ekel; ich sehe, dass sie nichts als ein Sammelplatz von Not und Elend, und ununterbrochner trauriger Abwechselung und Unbeständigkeit ist. Du hältst dich jetzt wieder für glücklich, Kronhelm, du hast keinen Wunsch mehr übrig, als die völlige Genesung meiner teuren Schwester. Armer Mann! Warst du nicht noch vor zehn Tagen der allerunseligste unter allen Menschen; and vier Tage vorher der allerseligste? Sichst du nicht, dass, je näher man dem Glück zu sein scheint, desto näher ist man dem unabsehlichsten Elend. Aber, lieben Freunde, ich will jetzt euren süssen Traum nicht stören. Ihr seid glücklich; ihr drückt euch jetzt mit unaussprechlicher, vorher nie gefühlter Wollust ans Herz. Ihr glaubt jetzt im Himmel zu sein. Möchte dieser Himmel ewig währen, wie der, dem sich meine ganze Seele zusehnt! Lasst nur mir meinen Jammer! Lasst mich eilen, und mich ihn in meiner Einsamkeit ausweinen, wo ich kein lebendiges und glückliches geschöpf störe. Ich sehe, diese Welt ist nicht für mich: oder ich bin nicht sür sie. Ich kann nicht glücklich werden; aber ich will auch keinen unglücklich machen! Wenn ich heute Marianens Hand bekämewenn der Engel nicht schon ausgerungen hatwenn sie heute ganz mein würde; morgen wäre sie mir gewiss wieder entrissen. Lasst sie mir auch viele Wochen! Wer bürgt mir für eine Krankheit, wie die war, die dich, meine teureste Terese, bald den Armen meines liebsten Kronhelms entrissen hätte? Ach, ich kann, ich kann nicht glücklich werden? Lasse mich in mein Kloster, dass ich meine Lebenszeit verweine! Wenn ich mich ermannen kann, komm ich zu euch, und besuch euch. Lasst mich in mein Kloster! Ich will für euch beten!

Kronhelm und Terese weinten, und konnten ihn nicht trösten. – Ja, du sollst ins Kloster! sagte Kronhelm; morgen will ich dahin schreiben. Armer Freund, wir können nichts, als dich bedauren. Kronhelm schrieb auch wirklich den folgenden Tag an den Guardian, und schickte den Brief weg.

Terese erholte sich nun täglich mehr, und konnte schon zuweilen sich ein paar Stunden ausserhalb dem