, ging dann weg, und winkte ihm, ihr zu folgen. Er folgte ihr durch einen langen düstern gang, bis an die Tor, zu einem Gottesacker, wo sie in ein offnes Grab sank, das sich über ihr schnell zutat. Er stand auf dem Grab, jammerte mit emporgehobnen Händen, und wachte so, von der heftigen Bewegung, auf. Er war in der äussersten Bestürzung; das Bild wollte nicht aus seiner Seele zurückweichen, und sobald er seinen Schwager und seine Schwester sah, erzählte er es ihnen. Diese gaben sich alle Mühe, ihm die traurige Vorstellung aus dem Herzen zu verbannen, und ihn zu überzeugen, wie wenig man auf einen Traum gehen müsse, da sich dieser gewöhnlich nach der vorhergegangenen Lage des Gemütes bilde. Er vergass den Traum zwar etwas, aber nur, solang er in Gesellschaft war; in der Einsamkeit stand er immer wieder lebhaft vor ihm da, und verfolgte ihn mit seinen Schrecken. Sein Schwager und seine Schwester gaben sich alle mögliche Mühe, ihn zu zerstreuen, und nur in etwas aufzuheitern. Sie wiesen ihm ihr Schloss, wo alles neu, und sehr bequem eingerichtet war, ohne ins Prächtige zu verfallen. Sie führten ihn in den Garten, wo sie alles umgraben, erweitern, und mit einem Geschmack hatten anlegen lassen, der der natur soviel, als möglich, nahe kam. Siegwart, dieser sonst so eifrige Freund der natur, sah alles mit einer kalten und erzwungenen Bewunderung an, so wie ein Kranker die speisen ansieht, die er ehmals in gesunden Tagen sehr geliebt hatte, und nun nicht geniessen kann. Oft zwang er sich, seinen Freunden zu Gefallen, munter zu tun; aber man sah allen seinen Handlungen den Zwang an. Am liebsten sprach er von seiner Mariane, ob ihm dieses gleich so traurig war, und ihn tausend Tränen kostete. Wenn sich davon das Gespräch anfieng, so konnte er gar nicht aufhören. Es war ihm immer noch zu kurz, wenn es auch schon ganze Stunden gedauert hatte. Seine einzige Hoffnung gründete sich jetzt auf Marxens Nachsuchungen. Er sah ganze Stunden lang aus dem Fenster, ob er ihn nicht kommen sehe. Er machte es im Gespräch immer zweifelhaft, ob er etwas von Marianen erfahren werde? um nur seine Zweifel und Einwürfe widerlegt zu sehen. Bald war er wehmütig, bald verdrüsslich und ungeduldig; bald pries er das Einsiedlerleben als das glücklichste auf Erden, und sagte, dass er bald wieder zu seinem Einsiedler in den Wald zurückkehren werde.
Terese und sein Schwager betrübten sich darüber sehr, und sannen tausend Mittel aus, seine Gedanken etwas zu zerstreuen, und ihm heiterere beizubringen. Sie gingen oder fuhren täglich mit ihm spatzieren; er gab sich Mühe, munter zu scheinen, aber ein unvermuteter Seufzer verriet ihnen bald wieder den Gram, der an seinem Herzen nagte. Sie fanden, dass man für ihn nichts angenehmers tun, als von Marianen mit ihm sprechen, und ihn allein durch Hofnungen aufrichten könne. Allein sie sahen auch ein, wie gefährlich ihm dieses werden könne, wenn die Hofnungen, wie nur gar zu wahrscheinlich zu vermuten war, fehlschlagen sollten. Daher zitterten sie auch vor Marxens Zurückkunft, weil sie, fast mit Zuversicht, besorgten, seine Nachsuchungen möchten fruchtlos abgelaufen sein!
Endlich kam Marx nach sechs Tagen wieder, ohne dass ihn Siegwart wahrnahm; denn Kronhelm hatte allen Hausbedienten befohlen, wenn Marx käme, sollte man ihn sogleich in das untere Zimmer im Hof führen, ohne jemanden, ausser ihm, etwas davon zu sagen. Marx zitterte, als Kronhelm zu ihm kam, und sagte: er habe sich kaum getraut, wieder zu kommen, weil er in seinen Nachsuchungen nicht glücklich gewesen sei. Er habe nur auf Einem Dorf etwas von dem Wagen erfahren, und da sei er Nachts um elf Uhr durch gekommen. Vermutlich sei er um Mitternacht, da die bauern schliefen, durch die andern Dörfer gefahren. In einem Bezirk von acht Stunden seien wenigstens vier Nonnenkloster. In keines davon dürf eine Mannsperson kommen, also hab er, ungeachtet aller Mühe, nicht das mindeste erfahren können, ob in einem von den Klöstern ein junges Frauenzimmer angekommen sei. Einmal hab er schon geglaubt auf der Spur zu sein; aber am Ende hab es sich gezeigt, dass das angekommene Frauenzimmer schon eingekleidet, und eine Nonne aus einem benachbarten Kloster gewesen sei.
Kronhelm richtete seinen Bedienten ab, was er sagen sollte. nämlich: Er habe zwar nichts gewisses von Marianen erfahren können; aber doch sei sie wahrscheinlich in einem Kloster, das er ihm nannte. Er hoffe in etlich Wochen Gewissheit davon zu erlangen, denn er habe ein paar Spionen bestellt, die ihm von Zeit zu Zeit Nachricht geben würden.
Durch diese Nachricht ward Siegwart zwar in etwas beruhigt; aber doch konnte sich sein Gemüt nicht damit beruhigen. Es stiegen ihm immer Zweifel auf, und täglich erkundigte er sich bei Marx, was er für neue Nachrichten erhalten habe? Dieser sagte ihm, was ihm Kronhelm eingegeben hatte, nämlich weitausehende Hofnungen und halbe Aufklärungen, die er aber so ängstlich und so ungeschickt vorbrachte, dass jeder andrer, der weniger gehofft hätte, als Siegwart, die List hätte einsehen müssen.
Er wurde von Kronhelm fast täglich spatzieren geführt, damit er Abwechslung und Zerstreuung haben möchte. Sie besuchten jetzt oft zu Pferd die benachbarten Landedelleute, weil Terese, wegen ihrer herannahenden Niederkunft selten mehr mitfuhr. Herr von Rotfels, (so