, als er glaubte, dass ihm, nach seinem getanen Versprechen der Verschwiegenheit, erlaubt wäre. Auf dem nächsten Dorf liessen sie sich in der Schenke in das obre Zimmer führen, um allein zu sein. Kronhelm erzählte seinem Schwager, er hab ihn in Ingolstadt abholen wollen, und als er nichts von ihm hab erfahren können, sei er auf Geratewohl auf den Dörfern herumgeritten, bis er bei dem bauern Kaspar nähere Nachricht von ihm erfahren habe. Diese Nachricht hab ihn seinetwegen sehr besorgt gemacht, und nun sei er froh dass er ihn endlich ausgekundschaftet habe. Er hoffe nun, dass er mit ihm auf sein Schloss kommen werde, um sich da, soviel als möglich, wieder aufzuheitern, und von seinen schweren Widerwärtigkeiten zu erholen. Siegwart sagte: das gehe schlechterdings nicht an. Er sei auf der Spur, den Ort zu entdecken, wo seine Mariane hingebracht worden sei; dieser müss er nachgehen, und könne nicht eher ruhen, als bis er mit seinem Mädchen wieder vereinigt sei. Kronhelm stellte ihm vor: Was er machen wolle, wenn er auch das Kloster, wo seine Mariane eingesperrt sei, erfahre? Er werde sich durch seine Nachforschungen verdächtig machen, und dadurch, wenn es auch noch möglich wäre, sie aus dem Kloster zu entführen, sich selbst den Weg dazu versperren; es sei weit besser, wenn Marx, auf den kein Mensch achtung geben werde, sich unter der Hand nach ihr erkundige, und es ihnen mitteile, wenn er etwas erfahren könne. Dann sei es erst Zeit, Maasregeln zu nehmen, wie man Marianen retten könne, u.s.w. Siegwart liess sich diesen Vorschlag endlich nach langer Zeit gefallen.
Kronhelm suchte seinem Freund, der sich nun über sein Schicksal zu beklagen anfieng, soviel Mut und Trost einzusprechen, als möglich. Er liess hierauf seinen Marx aufs Zimmer kommen, und trug ihm die Nachforschung nach dem Wagen und Marianens Aufentalt auf. Siegwart beschrieb ihm das Dorf, wo er das letztemal von dem Wagen Nachricht erhalten hatte, und welches zur Linken des Walds lag, aufs genaueste, und bat ihn aufs beweglichste, sich die Sache recht angelegen sein zu lassen. Marx, der durch seine Bitten selbst im innersten gerührt war, versprach alle mögliche Behutsamkeit und Sorgfalt. Hierauf gingen Siegwart und Kronhelm zu Bette, um sich den andern Morgen frühzeitig auf den Weg machen zu können.
Mit Aufgang der Sonne ritten sie weg; Marx nahm seinen Weg nach dem beschriebenen Dorf, und versprach nochmals die sorgfältigste und schleunigste Besorgung seines Auftrags. Siegwart beschrieb nun seinem Schwager die schreckliche Unruhe, in der er bisher geschwebt hatte; erzählte ihm weitläuftiger, aus Marianens Brief, die Begegnung, die sie von ihrem Vater hatte ausstehen müssen; und die geschichte des Einsiedlers Ferdinand, von der er wusste, dass sein Schwager sie keinem Menschen entdecken werde. Auch fragte er seinen Kronhelm um Rat, was er anzufangen hätte, wenn er den Aufentalt Marianens auskundschaften könnte? Kronhelm sagte: Zeit und Umstände könnten hier allein die besten Mittel an die Hand geben; inzwischen hoffte er, es dann so zu ordnen, dass man sie aus dem Kloster entführen könnte, zumal, da sie hoffentlich selber dazu sehr geneigt sein würde. Alsdann werde es das Beste sein, wenn er sich mit ihr aus dem land flüchte, und dazu woll' er mit Rat und Tat behülflich sein. – Durch solche, und ähnliche Träume und Entwürfe wusste er das unruhige Gemüt seines Freundes etwas in Schlummer zu wiegen, so dass dieser über den Träumen seine Leiden gröstenteils vergass, und in einer Art von süssem Taumel fortritt, bis sie endlich Abends in der Dämmerung zu Steinfeld ankamen. –
Terese kam ihnen eine Stunde vor dem Schloss in ihrem Wagen entgegen. Sie hatte schon zwei Tage umsonst auf ihren Kronhelm gewartet, und die schrecklichsten Beängstigungen ausgestanden. Sie sprang aus dem Wagen, als sie ihren Mann wieder sah, und fiel fast vor Freuden in Ohnmacht. Nach diesem sah sie erst ihren Bruder, und umarmte ihn. Der Bediente, der auf dem Wagen stand, musste die beiden Pferds nach Haus bringen, und Siegwart und Kronhelm setzten sich zu Terese in den Wagen. Mit der Einen Hand hielt sie ihres Mannes, und mit der andern ihres Bruders Hand, und zitterte vor Freuden, beide wieder zu haben. Das erste, was sie nun nach ihrer Bestürzung fragen konnte, war nach den Umständen ihres Bruders. Sie ward durch das traurige Gemälde, das er davon machte, sehr niedergeschlagen und traurig. Doch suchte sie ihm Mut und Hoffnung einzuflössen, und war in ihrer Bemühung nicht ganz unglücklich. Ein Unglücklicher hofft gern, und hört nichts lieber als Träume von Glückseligkeit, die ihm andre beibringen.
Auf dem Schloss entstand eine grosse Freude, als Kronhelm wieder kam. Alle Dienstboten drangen sich hinzu, den Bruder ihrer gnädigen Frau, die sie so sehr liebten, zu sehen. fräulein Sibylle, Kronhelms Schwester, kam auch mit Salome, und bewillkommte ihn. Salome hatte sich in vielen Stücken geändert, und tat jetzt weit zärtlicher gegen ihren Bruder, als ehemals. Sie sassen noch ein paar Stunden beisammen, und gingen dann, weil Kronhelm und Siegwart von der Reise etwas müde waren, frühzeitig zu Bette.
Siegwart träumte diessmal von seiner Mariane. Er sah sie in einem langen Schleier zu ihm kommen. Sie sprach nichts; ihr Gesicht war blass; sie legte ihre kalte Hand auf seine Schulter