lang aufhalten könnten, bis die Hütte fertig wäre. Er kam erst spät gegen Abend wieder, denn er hatte sich erst mit den Pferden kaum aus dem Wald finden können, und den Rückweg fand er fast gar nicht mehr. Er sagte mir, das nächste Dorf liege zwo Stunden weit vom wald; Er habe sich auch von ferne nach dem Wald erkundigt, und erfahren, er sei bayerisch; aber es wage sich nicht leicht ein Bauer tief hinein, weil man vor einigen Jahren einen Kerl, der sich selbst erhenkt hatte, darin begraben habe, und da sei nun die allgemeine Sage, er geh im Wald um, und tu den Leuten allerlei Spuck an; wir könnten also hier ganz sicher wohnen. Er brachte einen Zwerchsack voll Brod und Käse, und allerlei Bauwerkzeuge mit. Den andern Tag hauten wir einige junge Tannen ab, schlugen davon vier Pfähle in die Erde, gruben die Erde auf; flochten Wände voll schlankem Tannenreiss, verklebten sie mit Leim, legten etlich Stangen quer über die Hütte, machten ein Dach von Tannenreiss, und waren in etlich Tagen mit unsrer wohnung fertig. Den Platz dort gruben wir zu einem Kohlgärtchen um. Mein Heinrich kaufte auf dem Dorf Samen, die sehr gut gedeihten, so dass wir im Herbst schon Kohl und Rüben und dergleichen hatten. Er brachte auch zwo Waldbrüderkleidungen mit, für mich, und ihn. Im Herbst kaufte er die Obstbäume, die du hier gepflanzet siehst. Sie sind nun bald zwölf Jahr alt, und gedeihen, gottlob! gut. Wir richteten uns jeden Tag bequemer ein, säeten auch etwas Winterfrucht aus, so dass wir nun nicht mehr so oft etwas aus dem Dorf brauchten. Man erfuhrs in den umliegenden Dörfern bald, dass zwei Einsiedler hier im wald wohnten. Die bauern gaben meinem Heinrich häufig Almosen; abe heraus in den Wald wagte sich selbst keiner, wegen der Sage vom erhenkten Kerl, die sich dadurch noch mehr bestärkte, weil mein Hein ich die List gebraucht hatte, etlichemal, sowohl bei Tag, als auch bei Nacht im Wald herumzulaufen, und erbärmlich zu heulen, welches man für ein Gewinsel des erhenkten Kerls hielt. – Hier lebe ich nun seit ungefähr zwölf Jahren, so glücklich als es ein Mensch bei meinem Gemütszustand sein kann. Anfangs hatte ich oft grosse Beängstigungen. Bald sah ich das Bild meiner ermordeten Mutter, und geriet in Seelenängste; bald den Schatten meiner unvergesslichen Geliebten. Zweimal war ich, eh sie noch gestorben war, und eh ich in den Wald kam, im Klostergarten gewesen, um sie zu entführen; aber es war, als ob mich Gottes Hand zurückgehalten hätte. Meine Stunden sind hier zwischen Gebet und Andachtsübungen, und Tränen bittrer Reue geteilt. Ich kasieie meinen Leib, nicht als ob ich glaubte, Gott genug damit zu tun – meine Sünden kann ich selber durch nichts abbüssen – sondern weil ich weiss, dass ich nichts als Qual und Schmerzen auf der Welt verdienet habe. Ich habe doch noch mehr Freuden, als ich wert bin, denn meine Tat ist fürchterlich, so sehr ich auch dazu gereizt war. Aber Gott weiss, wie ich jeden Tag und jede Nacht vor ihm in Tränen liege, und ihm meine Schuld bekenne. Den Menschen würde ich gerne dienen, wenn ich nur, ohne Gefahr, unter ihnen leben könnte. Und mich selbst als einen Mörder anzugeben, halt ich jetzt auch nicht mehr für ratsam. Meiner ganzen Familie würde ich dadurch aufs neu einen unaussprechlichen Schmerz verursachen; hier hingegen schad ich keinem Menschen nichts, und kann doch meine Seele täglich mehr auf die Ewigkeit bereiten. Ich kann keine Belohnung erwarten. Ach Gott! wenn ich nur um des Versöhners willen, von den Strafen meines gräulichen Verbrechens frei gesprochen werde! – Ich glaube, dass es nicht mehr lange mit mir auf der Welt dauren wird, und dass ich bald meinem Heinrich nachfolgen werde. Sieben Jahre lang lebt ich mit der guten Seele. Ich war kaum hier etwas eingerichtet, so lag ich ihm Tag und Nacht recht herzlich, oft mit Tränen an, sein Glück in der Welt zu suchen. Ich bot ihm alle mein Geld an, das mir schlechterdings ganz unnütz war. Ich stellt ihm vor, dass er ja nichts verbrochen hab, und also meine Schuld nicht mit tragen könnte. Aber alles war vergebens. Er wollte mit mir leben und sterben, und sagte: dass er nun auch der Welt überdrüssig sei, wo ich soviel Hundsfütter angetroffen habe, und er woll mir dienen. Ich warf ihm noch ein: ich brauche keinen Dienst; mein kleines Plätzchen könn ich selbst bebauen, und auch sicher im Dorf gehen, wenn ich etwas nötig habe, weil mich da, besonders wegen meines langen Barts, kein Mensch erkenne, wie ich denn auch wirklich einigemal mit ihm ins Dorf gewesen war. Erst nach einem Jahr, da ich ihm beständig angelegen hatte, liess er sich bewegen mich zu verlassen. Er nahm mit tausend Tränen von mir Abschied; und sagte, dass er bloss mir zu Gefallen gehen wolle, weil ich ihn so sehr darum bitte; er wiss' aber, dass es mich gereuen werde. Von dem Geld nahm er, ungeachtet meines Dringens, nur die Hälfte mit. Er sagte, es sei ihm, als ob er in die Hölle zurückkehren sollte. Er wisse nicht, wo er sich hinwenden müst, und werde mich gewiss oft besuchen. Ich glaubte,