, dass dem Glauben alle Dinge möglich sind. Mach du den Gedanken dir zur Stütze, dass du nicht alleine würkest, du magst stark, oder schwach sein! Dann mein Lieber! wirst du auch im strangsten Kampfe nie verzagen.
Und nun meine geschichte. – Du bist der erste dem ich sie erzäle. Ach, sie wird mich tausend Tränen kosten. Du wirst mit mir weinen. Tust du dieses recht von Herzen, so bin ich überzeugt, du wirst sie beiner Seele, die sie missbrauchen könnte, offenbahren.
Ich bin ein Edelmann, und hab im Krieg gedient: du hast das Mädchenbild gesehen, das in meiner kammer hängt. Du bist der erste, der in meine kammer kam, und es gesehen hat. Ihr Gesicht sagt dir alles; malt dir ihre ganze Seele ab. Ich liebte sie, wie du deine Mariane liebest, und ihr Herz war mein, wie Marianens ihrs dein ist. Der Krieg rief mich von ihr. Meine Mutter fing die Briefe auf, die ich ihr aus dem Feld geschrieben hatte, und sagte meiner Teuren, dass ich untreu sei. Sie ward krank und wahnwitzig, und schloss sich, als sie besser ward, in ein Kloster ein. Ich kam heim; erfuhrs; glaubte nicht; verzweifelte, und erstach meine Mutter; und mein Engel starb.
Als Siegwart diese Erzählung, die der Einsiedler weit umständlicher vortrug, hörte; rief er aus: Herr Jesus! Heissest du nicht Ferdinand? – Ja, rief der Einsiedler; kennst du mich? – Ich kenne dich! meine Schwester war beim tod deines Mädchens. Unglücklicher Mann! Ich kenne dich! Nun so erzähl mir alles! rief der Einsiedler. Reiss noch einmal alle Wunden meines Herzens auf!
Siegwart erzählte ihm nun alles, was ihm seine Schwester von der Baronessin erzählt hatte. Siehst du, rief der Einsiedler, dieser Ferdinand, dieser Elende, dieser Verworfne bin ich! Verdamm mich nun! Verfluch mich! Tu was du willst! Ich bin alles wert! – Gott, wie könnt ich das? versetzte Siegwart. Bedauren und beweinen kann ich dich. Mehr nicht, unglücklicher Mann! Du bist ein Mensch gewesen, mehr nicht. Gott weiss, was ich, an deinem Platz, würde getan haben?
Der Einsiedler umarmte ihn. Hör! ich schwör es dir! Du bist noch ein Mensch! Du weist noch, was ein Mensch kann, und nicht kann. Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet werden! Das hat Gott gesagt, und du befolgst es. Lass dich fester an mein Herz drücken! Du bist mir ein Engel Gottes!
Nach vielen Tränen und Umarmungen setzte der Einsiedler seine Erzählung also fort:
Meine Mutter war erschlagen. Ich wust es kaum, dass ichs getan hatte, und erfuhr es erst nach ein paar Tagen von meinem Bedienten, der mich im Wald aussuchte, wohin ich mich geflüchtet hatte. Ich wollte verzweifeln. Es war, als ob mir Gottes Rache nachsetzte. Mein Bedienter lag mir an, aus dem Land zu gehen; ich wollte nicht. Hätt er mich nicht zurückgehalten, so hätt ich mich bei der Obrigkeit als einen Muttermörder angegeben. Zweimal wollt ich mich in die Donau stürzen. Einmal war ich schon bei Nacht darin. Er warf sich mit seinem Pferd ins wasser, und rettete mich noch. Nun sah ich auf Einmal den Abgrund, an dem ich herumgetaumelt hatte. Ich fühlte die Schwere des Verbrechens, das ich noch der Last meiner Sünden hatte beilegen wollen. Ich verfiel in tiefe Schwermut und Untätigkeit, und liess mich von ihm lenken, wie er wollte. Er überredete mich, aus dem Land zu flüchten. Ich wollte bei den Preussen Kriegsdienste nehmen, und machte mich mit ihm bei Nacht auf den Weg, nachdem er mir, durch Vermittelung meines Bruders, hinlänglich Geld verschafft hatte. Die zweite Nacht verirrten wir uns in diesem Wald, und befanden uns am Morgen drauf hier. Diese Dunkelheit und Stille war ganz für meinen Zustand und für meinen Gram gemacht. Hier will ich bleiben, sagt ich, stieg von meinem Pferd ab, und steckte meinen Stock mit den Worten in die Erde: Hier soll mein Grab sein, und unter jenem Baum dort meine Hütte. Mein Bedienter hielt diess wieder für einen Einfall, wie ich schon viel gehabt hatte, und wovon er mich immer wieder abzubringen wuste. Aber diessmal war sein Zureden vergeblich. Ein geheimer Zug hielt mich an diesem Ort fest. Was wollen Sie denn werden? sagte er. Nichts, antwortete ich; genug ich will hier bleiben, und mir eine Hütte bauen. Als er sah, dass ich schlechterdings nicht davon abzubringen war; so sagte er: wenn Sie denn nicht anders wollen, so ist es am besten, wenn wir eine Einsiedelei anlegen, und Waldbrüder werden. Gut, das mein ich eben, war meine Annwort; lass uns nur eine Hütte bauen! Er erbot sich, weil man ihn in dieser Gegend wenig oder gar nicht kannte, nach dem nächsten Dorf, das er finden könnte, zu reiten, die Pferde zu verkaufen, und sich ein Grabscheit, eine Axt, und einige andre Bauwerkzeuge, und etwas Nahrungsmittel zu kaufen. Während, dass er weg war, zeichnete ich den Platz zu der Hütte aus, bog einige Tannenzweig, zusammen, dass sie eine Art von Laube gaben, unter der wir uns zur Not so