ich habe. Bald darauf kam die Mutter auf die kammer. Der Knabe sprang auf sie zu, und sagte: Sieh, Mutter, er weint. Frag ihn, was ihm fehlt? Wir haben ihm gewiss nichts getan; ich und Liese nicht. Lass nur sein! antwortete die Mutter, ich weiss schon, was dem Herrn fehlt. – Es ist Ihnen doch wieder besser, Herr? Siegwart versicherte sie, dass er nun wieder ganz gesund sei, und morgen weiter wolle. Nur zu Fuss? fiel die Frau ein. Siegwart antwortete mit Ja; weil er nicht mehr weit wolle, und wohl wisse, dass die bauern in der Erndte ihre Pferde besser brauchen. Drauf ging er mit ihr hinunter in die stube, wo auch Kaspar war. Auf den Nachmittag lud er unsern Siegwart aufs Freischiessen ein, der endlich, um ihn zu beruhigen, wider Willen Ja sagen muste. Kaspar ass heute, nebst seiner Frau, mit Siegwart, weil er gestern, wie er sagte, seinen Haber so gut an Mann gebracht habe. Sie tranken miteinander die andere Bouteille Wein, die der Bauer gestern mitgebracht hatte. Siegwart vergass bei seiner Geschwätzigkeit eine Zeitlang seiner eignen Leiden, und gewann das Zutrauen der beiden Leute ganz. Den Nachmittag muste er mit zum Freischiessen. Kaspar gab ihm auch eine Kugelbüchse mit, und er muste mit schiessen. Die bauern erwiesen ihm viele Ehre, und nannten ihn Junker. Er gewann das Beste, welches in etlichen Gulden bestand. Er wollt es wieder ausschiessen lassen, als die bauern dies nicht zugaben, so hielt er sie alle in Bier und Brandewein frei. Darüber wurden sie ganz munter, und tranken alle augenblicke seine Gesundheit. Als er mit Kaspar wegging, ward er bis vor sein Haus hin mit Musik, einem Dudelsack und zwo Violinen begleitet. As er sagte, dass er morgen weiter wolle, wollte ihn Kaspar durchaus zu Pferd begleiten, aber Siegwart nahm es nicht an. Er wollte, die Bäurin sollte ihm die Rechnung machen für das, was er bei ihnen verzehrt hätte. Anfangs wollte sie es gar nicht tun. Zuletzt foderte sie etwas weniges. Siegwart gabs, und steckte noch jedem Kind einen Sechsbätzner in die Hand.
Den andern Morgen um 5 Uhr stand er auf, und fühlte seine Gesundheit völlig wieder hergestellt. Die Bäurin wünschte ihm mit Tränen tausend Glück auf den Weg. Kaspar begleitete ihn bis vors Dorf hinaus, und wies ihm den nächsten Weg. Auf dem ersten Dorf konnte er lange nichts von Marianens Wagen erfahren; endlich fand er einen Bauer, der ihn gesehen hatte, und ihm das Dorf nannte, wo er hergekommen war. Noch in zwei Dörfern bekam er Nachricht. Endlich im dritten wollte niemand weiter etwas gesehen haben. Nur eine Frau sagte: Abends um elf Uhr habe sie vor etlich Tagen etwas durchs Dorfs fahren hören. Sie hade hinausgesehen, und da seis eine Kutsche gewesen, die aufs nächste Dorf zu, das sie nannte, gefahren sei. Man geh durch einen dicken Tannenwald durch, und es sei eine gute Stunde dahin. Erst müsse man sich, wenn man halb im Wald sei, rechts, dann links, dann wieder rechts hinum schlagen. Siegwart war auf diese Anweisung wenig aufmerksam. Er war zufrieden, dass er etwas von dem Wagen gehört hatte, und ging wieder weiter. Durch allerlei Phantasien und Träumereien, dass er nun bald seine Mariane wieder finden werde, vertiefte er sich so in Gedanken, dass er gar nicht mehr auf den Weg Acht gab, und schon ziemlich tief im dicken Tannenwalde war, als ihm einfiel, ob er wohl auch auf dem rechten Wege sei? Der Fusspfad, auf dem er ging, war schmal, oft verlohr er ihn, wo die Nadeln von den Tannenbäumen häufiger lagen, fast ganz. Er ward nun etwas besorgt, denn der Wald war dick, dass man nirgends hinaussehen konnte. Endlich teilte sich sein Weg, und er wuste lang nicht, welchen Pfad er wählen sollte? Endlich ging er den zur Rechten, weil ihm nur noch dunkel im Gedächtniss schwebte, dass die Frau gesagt habe, er müsse rechter Hand gehen! Nach einer Stunde verlohr sich sein Fusspfad ganz. Er ging hin und her, vor- und rückwärts, und fand nirgend keine Spur. Endlich ging er in der Ungeduld auf Geratewohl gerade fort. Der Wald ward immer dicker, und unwegsamer, weil, neben den hohen Fichten, viel niedriges Tannenreiss wuchs. hören konnte er auch weder die Glocken in einem Dorf, noch sonst einen laut von Menschen, weil die, etwas laute Luft durch die Tannenwipfel wie ein grosser Strom dahin rauschte. Zuweilen machte ihn das übrige tiefe Schweigen, die Abgeschiedenheit von allen lebenden Geschöpfen – denn kein Vogel war im Wald – und das Dunkel, durch das kaum ein Sonnenstral dringen konnte, sehr wehmütig, dass ihm Tränen aus den Augen auf das Moos stürzten. Dann ward er wieder verdrüsslich und zaghaft, weil er gar kein Ende des Waldes sah. Wenn es auch zuweilen etwas hell sah, so kams doch nur daher, dass die Fichten etwas dünner standen; hinten schloss sich gleich wieder ein grösseres Dickicht an. Dabei ward er von dem mühsamen Hin- und Herirren immer matter und kraftloser. Ein paarmal setzte er sich auf das etwas erhöhte Moos nieder, sah auf die Uhr, und fand, dass es schon auf drei Uhr gehe. Er stützte den