jetzt von diesem einzigen Gedanken voll. Er achtete nicht der grossen Sonnenhitze und des Schweisses, der ihm von den Wangen lief. In Altmanstein fragte er bei etlich Häusern, ob man nicht gestern eine Kutsche habe durchfahren sehen, und wo sie hergekommen sei? Ein altes Mütterchen gab ihm endlich Auskunft, und wies ihn auf das nächste Dorf rechter Hand. Hier liess er sich, weil er ganz abgemattet war, von einer Bäuerin schwarzes Brod und frische Milch geben; erkundigte sich wieder nach dem Wagen, und erfuhr das nächste Dorf, wo er seinen Weg her genommen hatte. Alle Aussagen, und Beschreibungen der Personen, die beim Wagen gewesen waren, stimmten überein; und liessen ihn gar nicht mehr zweifeln, dass es der Wagen mit Marianen gewesen sei. Nachdem er sich wieder etwas erholt hatte, ging er in der grössten Mittagshitze weiter. Er achtete sie aber nicht, auch nicht, dass er sich die Füsse schon ganz wund gelaufen hatte. Seine Seele war auf Einen Punkt geheftet, und liess ihn alle äussere Eindrücke und Empfindungen vergessen. Er kam noch durch etlich Dörfer, wo er immer Nachricht vom Wagen bekam, und weiter gewiesen wurde. Gegen Abend fühlte er endlich seine äusserste Entkräftung, und die Wunden an den Fusssohlen. Er sehnte sich nach dem nächsten Dorf, und konnte es kaum vor Mattigkeit erreichen. Bei der nächsten Hütte klopfte er an. Die Leute drinnen machten ihm auf, taten sehr dienstfertig und mitleidig, als sie ihn so abgemattet sahen, und brachten ihm Brandewein, seine Füsse zu waschen. Als er fragte, ob er wohl ein Nachtquartier bei ihnen haben könne? sagten sie willig Ja, und fügten hinzu: Wenn er nur vorlieb nehmen wolle, so könn er solang bei ihnen bleiben, bis er wieder frisch und gesund sei. Aus allem, was er sah, konnte er schliessen, dass die Leute sehr wohlhabend sein. Es war ein Bauer mit seiner Frau und vier Kindern, davon das älteste ein Knabe von zehn Jahren, und das jüngste ein Mädchen von fünf Jahren war. Auf der Bank herum sassen zwei Knechte und drei Mägde. Als Siegwart eine Milchsuppe und ein paar Eier gegessen hatte, so ging er wegen seiner grossen Müdigkeit zu Bette. Man führte ihn eine Treppe hoch in eine ganz artige, auf Baurenart schön ausgeputzte stube, wo ein reinliches Bette stand.
Wegen der grossen Hitze, und der heftigen Wallung seines Bluts, die durch seine starke Gemütsbewegung noch vermehrt wurde, konnte er erst nach Mitternacht einschlafen. Den folgenden Morgen wachte er erst um neun Uhr auf, und fühlte sich so matt, dass er mit vieler Mühe kaum allein aufstehen konnte. Als ihn die Bäuerin unten hörte, dass er wach wäre, kam sie herauf, und erkundigte sich nach ihm. Sie bot sich an, beim Herrn Pfarrer Kaffee zu entlehnen, um ihm welchen zu machen. Er verbats aber, und liess sich eine Biersuppe machen. Eh er sie essen konnte, musste er sich wieder zu Bette legen, denn er ward ein paarmal halb ohnmächtig.
Er war sehr ungeduldig, dass er nun hier so untätig liegen musste, und die beste Zeit, Marianen nachzuspüren, vorbeigehen lassen sollte. Die Bäurin setzte sich neben ihm ans Bette, und war seinetwegen sehr besorgt. Als er sie versicherte dass er sich nun wieder etwas besser befinde, so fing sie an: Es muss Ihnen wohl sehr übel in der Welt gegangen sein, denn ich habs schon gemerkt, dass Sie recht betrübt sind, und immer nasse Augen haben. Man sollt denken, so einem Herrn, wie Sie sind, könnts an nichts fehlen. Sie haben ja ein schönes Kleid, und sind sonst so wohl ausstaffirt, dass es eine Lust ist. Geld haben Sie auch genug, wie ich gestern sah, als Sie den Brandewein bezahlen wollten.– Ach meine liebe Frau, sagte Siegwart, Geld und Gut macht allein nicht glücklich. Wenn man auch alles genug hat, so gibts noch tausend andre Leiden, die man einem nicht so sagen kann. Ich wollt ihr gern mein Geld und alles geben, wenn mir sonst geholfen werden könnte. – Ja freilich, fiel sie ein, macht Geld und Gut allein nicht glücklich und drauf fing sie eine lange Erzählung an von ihrem ersten Mann, den sie sechs Jahre in ihrem ledigen Stand gekannt, und recht herzlich lieb gehabt habe. Sie hab immer nur gedacht, es könn ihr nichts mehr fehlen, wenn sis seine Frau sei. Endlich sei sies geworden, und hab ein Jahr lang mit ihm gelebt, wie die Engel im Himmel. Aber – hier fing sie an zu weinen – der Tod hab ihn ihr genommen; sie sei untröstlich gewesen, und habe geglaubt, es sei kein Glück auf der Welt mehr, bis ihr Gott ihren Kaspar zugeführt habe. Nun sei ihr seit elf Jahren wieder recht wohl, und sie sehe wohl, dass man immer wieder glücklich werden könn, es mög mit einem auch aussehen, wie es wolle! und so müss' er eben auch denken! Ich will das beste hoffen, sagte er; aber ich weis nicht, wie mir geholfen werden kann? Hier weinte er, und die Bäurin weinte herzlich mit. Nach einer Stunde, als er versichert hatte, dass er sich nun wieder weit besser befinde, ging sie hinunter, um ihre Haushaltungsgeschäfte zu verrichten. Er seufzte und betete zu Gott um Gesundheit oder