. Er sah sich in der kammer um, und fand auch nichts. Auf dem Tisch lag bloss mein Schnupftuch, wo dein Blutstropfen drinn ist. Er hubs auf, ob nichts drunter liege? und legte es wieder hin. Ist denn gar kein Erbarmen zu hoffen? fragt ich. – Morgen reisen wir! war seine Antwort, und dann ging er. – Ich hatte nun nichts mehr zu schreiben. Endlich bog ich ein Blei aus dem Fenster, und damit schreibe ich dir jetzt. Zu gutem Glück hatte ich eben einen frischen halben Bogen angefangen. Wie dir der Brief zukommen wird? das weiss Gott! – Vor einer guten Stunde, als ich eben dieses geschrieben hatte, kam der Bediente zu mir auf die kammer, und schloss hinter sich zu. Er hatte weise Wäsche unter dem Arm. Jungfrau, sagte er, und stotterte, Sie sollen sich auf morgen reissfertig machen! Wenn Sies ändern können, so bitte ich untertänig, tun Sies doch! Es ist unten ein schrecklicher Jammer. Die Frau Mama streitet, man soll Sie nicht ins Kloster sperren; aber sie wird überschrien. Ihre Frau Schwägerin sagt: Sie müssen drein! Sie woll Sie selber hinbegleiten! Ihr Herr Bruder sagt, was sie sagt. Konrad, sagt ich, ich kann nicht anders. Es scheint, er hat Mitleid mit mir. Will er mir wohl eine Bitte erfüllen? herzlich gern! Was Sie wollen, sagte er, und wischte sich die Augen. – Darf ich mich aber wohl sicher auf ihn verlassen? – Ja, bei Gott, dass dürfen Sie! – Da hat er etwas Geld, ich brauchs doch nicht mehr! Nein, Jungfrau, Geld nehm ich um alles in der Welt nicht von Ihnen. Dann könnten Sie mir ja nicht trauen! – Nun, so tu er es umsonst! Gott wird ihn dafür belohnen! Ich hab ein paar Blätter Papier! Morgen, wenn er mich holt, will ichs ihm zustecken. Geb er sie, sobald als möglich, meinem jüngern Bruder. – Aber, ich bitte ihn um Gotteswillen, lass er es sonst keinen Menschen sehen! Ich würde unglücklich! – Ich schwörs Ihnen bei allen Heiligen! – Nun ging er wieder. –
In Gottes Namen will ich den Brief meinem Bruder überliefern. Ich hoff, er stellt dir ihn zu. So weist du doch etwas von mir. Wo nicht, so ist nicht viel verdorben. Denn was ich geschrieben habe, wissen sie alle schon vorher.
Und so soll ich denn aus einer Welt, wo du bist, mein Geliebtester? Gott! wer hätte das je gedacht! Er, der bisher mich unterstützt hat, dass es nicht gar aus mit mir ist, unterstütz auch dich, du Teurer, dem ich bis ans Ende meines Lebens treu bleibe. Du siehst, dass ich nicht anders handeln konnte; denn dem Hofrat meine Hand geben, wäre mehr, als Tod und Trennung. Wer weiss, wann wir uns wiedersehen? In der Ewigkeit gewiss. Diese sei dein Augenpunkt in allen Leiden, so wie er meiner auch ist! Hoffe nichts auf dieser Welt, und alles in der Ewigkeit! Es kommt ein Tag, an dem wir nicht mehr weinen werden. denke an diesen in der Dunkelheit des Lebens! Gott stärke dich, wie er mich gestärkt hat! Lang kann ich unmöglich leben. Vielleicht folgst du mir, mein Geliebtester, bald nach. –
Meine Mutter ist bei mir gewesen. Ach, Geliebtester, dies war der ärgste Strauss für mich. Sie hieng an meinem Hals, bat und flehte mich mit Tränen, mich wohl zu bedenken, und dem Hofrat meine Hand zu geben! Was konnte ich anders tun, als weinen, mein Geliebtester? Sie sagte: Sonst sehen wir uns das Letztemal. Das war hart, mein Geliebtester! Aber, Gott! es steht ja nicht in meinen Händen, es zu ändern. Ich kann meine Hand nicht geben dem, den ich nicht liebe. Und dir untreu werden – Ach, das ist unmöglich; Der Hofrat ist auf heute abgestellt; aber morgen käm er wieder, wenn ich bliebe. – Gott trockne die Tränen meiner Mutter ab! Ich wollte lieber Blut weinen; lieber mich zu tod weinen, als sie meinetalben leiden sehen; und doch kann ich es nicht ändern. Diess ist das Erstemal, dass sie mich um etwas bat; und das Erstemal konnte ich ihre Bitte nicht erfüllen. Gott weiss, wie gern ich es getan, wie gern ich ihr mein Leben hingegeben hätte. – Den Abschied kann ich dir nicht schildern. Die zum letztenmale sehen, die ich, neben dir, über alles liebe, das geht über alle Leiden. Heilige Mutter Gottes, steh ihr bei!
Also wär ich denn allein; getrennt von dir und ihr, und hätte keinen Freund mehr, der mir helfen könnte! Fürchterlich, ach, unaussprechlich fürchterlich! – O du, den ich nicht sehe, der aber mich, und meine Seele sieht, dass sie rein ist; sieh, ich bin allein! Verschleuss dein Ohr nicht! Lass es hören meine Seufzer! Verschleuss deinen Himmel nicht! Lass herabtauen Trost und Gnade! Denn ich bin allein. –
Mein Bruder war noch einnal auf Befehl meines Vaters bei mir: Willst du dem Hofrat deine Hand geben? – Nein, ich kann nicht Bruder! – Nun so sag ich