Fort! Hinauf mit ihr. Ich schwör dirs; auf den Nachmittag um 2 Uhr ist die letzte Zeit. Besinn dich wohl! Wenn du dann nicht Ja sagst, so ist es vorbei. Dann magst du sehen, wie dirs geht! Dein Vater bin ich nicht mehr! Schliesst sie ein oben! Fort mir, aus dem Gesicht, Hure! – Meine Mutter sagte mir unter der tür: Um Gotteswillen, besinn dich! Wir sind alle sonst verlohren! Der Bediente schloss mich auf die kammer.
Ich konnte dir in dieser Zwischenzeit nicht schreiben. Alles schwand vor meinen Augen. Zuweilen nur konnte ich einen Seufzer zu Gott erheben. Ich hatte zu sinken. Der Bediente brachte mir das Essen, etwas Suppe, und einen Krug mit wasser, und schloss, ohne ein Wort zu sprechen, die tür wieder hinter sich zu. Doch sah ichs ihm wohl an, dass das Herz ihm voll war. Ich konnte fast nichts essen; aber den Krug mit wasser trank ich rein aus. Um 2 Uhr hohlte man mich hinunter ins Zimmer.
Mein ältrer Bruder, und meine Schwägerin waren auch da. Sie stunden um mich herum. Jetzt wollen wir noch einmal in Güte mit dir reden, sagte mein Vater. Es war eine Schande, dass du dich mit einem jungen Menschen einliessest, von dem ich gar nicht weiss, was an ihm ist. (Verzeih, Lieber! Ich schreibe, wie er sprach.) Aber das wollen wir übersehn, und dir als einen Jugendfehler anrechnen. Dagegen must du nun zweierlei versprechen: Erstlich, ihn auf ewig zu vergessen, und zweitens, dem Hofrat Schrager heute noch dein Jawort zu geben; er ist um 5 Uhr herbestellt. Willst du das? Gerad heraus gesprochen, ohne Umschweife! Hier ward er schon wieder hitzig. – Zitternd antwortete ich: Erlaub Sie mir erst, vom Hofrat Schrager zu sprechen! Er mag ein Mann sein, der seine Vorzüge und Verdienste hat; aber, Gott! muss er desswegen auch sogleich für mich sein? Ich kann ihn unmöglich ... Teufelskind! rief mein Vater, willst du mich zu Tod ärgern? du ... Lassen Sie sie erst ausreden! sagte meine Schwägerin; was sie denn für herrliche Gründe vorbringen mag. – Ich habe, sagte ich, indem ich mich mit einem gewissen Stolz gegen sie wendete, ich habe keine Gründe gegen ihn, als mein Herz. Dein Teufelsherz, rief Papa, wo der infame Kerl drinn festsitzt! – Verzeihn Sie, sagte ich, solche Namen verdient er nicht. – Willst du's besser wissen, Kanaille? Genug! willst du den Hofrat, oder nicht? – Ich kann ihn nicht wollen! – Nun so holen dich alle T**! indem er mit geballter Faust auf mich zukam, und ihn meine Mutter und mein Bruder in den Arm fielen. – Sie müssen ihn aber wollen, sagte meine Schwägerin. Was haben Sie denn gegen ihn, als Ihren schändlichen Eigensinn, und dass der Bettler Ihnen im Kopf steckt? Ich ward hitzig. Madam, das verbitt ich mir! Was, was? rief mein Bruder, tust du meiner Frau etwas? Ich sah ihn nicht an, und kehrte mich zu meinem Vater: Haben Sie um Gotteswillen Mitleid! Ich kann und will mich nicht zwingen lassen! Wollen Sie mich ewig unglücklich machen? – Du bist eine Bestie! Ich frage dich zum letztenmal: Willst du den Hofrat? – In meinem Leben nicht! – Hier schlug er mich ins Gesicht, dass mir das Blut aus Mund und Nase floss. Mir ward schwindlich; ich sank in meiner Mutter Arm. Mir ward, als ob ich nur ein entferntes Gelispel hörte. Aber, als ich mich wieder erholte, zankten sie laut mit meiner Mutter. Ich sank zu meines Vaters Füssen. Nur Eine Gnade! rief ich. Lassen Sie mich nur ins Kloster! Er stiess mich mit den Füssen von sich, dass ich umsank. Wenn sies nicht besser haben will, sagte meine Schwägerin, so sperren Sie sie in ein Kloster! Sie wird schon anders werden. Meinetwegen! rief mein Vater; morgen mag sie fort, wenn sie sich nicht heute noch eines Bessern besinnt. Der Nickel hat mir doch schon Gram genug gemacht. Willst ihn also nicht? – Nein, ich kann nicht! – Nun so scher dich zu allen T**! Ich ging weg. – Viel Glück! rief meine Schwägerin! Ich sah mich um, und blickte sie verächtlich an. Der Bediente, der weinend vor dem Zimmer stand, brachte mich wieder auf die kammer. – Ich konnte nicht weinen. Alles auf der Welt war mir gleichgültig. Nur ein paarmal dachte ich an dich, mein Teurester, und da schoss mir es, wie ein Strom in die Augen. Ich höre sie unten, zuweilen, wenn die Tür aufgeht, stark reden.
Als ich dieses schrieb, hört ich den Schlüssel in meine Tür stecken, raffte das Papier schnell zusammen, und verbargs in meinem Busen. Die Feder schmiss ich aus dem Fenster. Der Bediente kam mit meinem ältern Bruder (den jüngern hatte ich heute und gestern nicht gesehen) den Schreibzeug her! sagte mein Bruder. Ich gab ihn ihm, und die Feder, die daneben lag. Hast du kein Papier? sagte er. – Nein! – Er suchte meine Taschen durch, und fand nichts