tun, und ihn die Jägerei erlernen zu lassen; daher drang er auch nicht sehr in ihn, das Lateinische, und gelehrte Wissenschaften zu lernen. Er suchte nur seine Anlage zum rechtschaffnen deutschen Mann zu entwickeln, und durch gute moralische Grundsätze, die aus der Religion hergeleitet waren, mehr zu befestigen; denn, obgleich der alte Siegwart ein Katolik war, so hatte er sich doch die Erlaubnis erkauft, in der Bibel lesen zu dürfen, deren Geschichten und Lehrsätze er seinen Kindern frühzeitig einzuprägen suchte. Und diess legte wirklich den Grund zu der frühen Rechtschaffenheit des jungen Siegwart, die sich nachher so oft in seinem Leben äusserte, ihn bei allen seinen Widerwärtigkeiten unterstützte, und zulezt so ruhig ans Grab wandeln lehrte.
Siegwart wuste den Plan seines Vaters wohl, und freute sich darüber; Er war in seinem Sinne schon ein Jäger, und legte oft, wenn der Vater ausgeritten war, seinen Hirschfänger an, hieng die Flinte um, und spazierte so, mit schwerem Tritt, das Zimmer auf und ab; oder schlich sich wohl, wenn der Vater nicht sobald zurückkommen konnte, in den Wald, und schoss einmal zu seinem innigen Vergnügen einen Hasen, den er aber, weil er ihn nicht mit nach haus bringen durfte, einem armen Mann schenkte.
Allein ein Zufall vernichtete auf einmal seine Hofnungen, und änderte den ganzen Plan seines Vaters um.
Obwol Siegwart für das männliche und charakteristische des Deutschen geschaffen war, so liebte er doch auch das Sanfte, und die schöne stille natur. Beides! ist sehr oft beisammen, und bildet einen liebenswürdigen, für die Welt sehr brauchbaren Charakter; er ist mehrenteils ein Eigentum des Dichters; und zu diesem hatte Siegwart alle Anlage, die, bei glücklicheren äusserlichen Umständen noch mehr emporgeflammt sein, und die Herzen seiner Mitbürger noch mehr erwärmt haben würde.
Oft schlich er sich im Frühling, mitten im Spiel, von seinen Kameraden weg, sammelte Blumen, und band sie in einen Strauss zusammen; beobachtete alle Auftritte und Veränderungen der natur; gab auf jedes Würinchen acht; sah der Biene zu, wie sie in die Blumenkelche schlüpfte, und Honig oder Wachs an ihren Beinchen heraustrug; er horchte jedem Vogel, am meisten aber der Lerche, der Grasemücke und der Nachtigall: die letzte gefiel ihm am besten, ob er wohl ihren Namen noch nicht gehört hatte. Oft lag er an der Quelle, die durch Tropfstein und Moos, und niederhängendes Gras am Berg herabmurmelte; da fühlte er ein ungewohntes Sehnen und eine nie empfundne Wehmut in der Seele; mit glänzendem Auge ging er weg, drückte jedem Baurenjungen, der ihm begegnete, die Hand stärker, und gab ihm von seinem Abendbrod. Oft ging er an das Grab seiner Mutter, wo er Rosen und Jesmin und Todtennelken gepflanzt hatte, und weinte da. Kein Geräusch weckte ihn so leicht aus dem Schlaf; aber wenn vor Sonnen Aufgang an seinem Kammerfenster, das in den Garten ging, die Nachtigall auf einem Apfelbaume sang, da wachte er schnell auf, ward munter, sprang aus dem Bette, hörte ihr unbeweglich zu, und sah mit Entzücken die Sonne hinter den Bäumen aufgehn. Noch lieber hörte er die Nachtigall des Abends, wem die Blumen und die Apfelblüten süsser dufteten, und alles stille war, und der Mond herabsah. Da hatte er Gefühle, die beim Jüngling, der ihm gleich ist, zu Liedern werden. Da dachte er oft an seinen Bruder, der vor 4 Jahren in seinem 6ten Jahr gestorben war, und machte einst ein Lied auf ihn; da vergass er oft sich und die ganze Welt; da rief man ihn oft zum Abendessen, und er hörte nichts, bis ihn sein Bruder oder Vater fand, und zu Tische holte, wo er wehmütig sass, und nichts sprach. Nach dem Abendessen lag er wieder unter seinem Kammerfenster, hörte bis 11 Uhr oder 12 Uhr der Nachtigall zu; wünschte nichts, als wie sie singen zu können, und träumte sich im Schlaf in paradiesische Gegenden zu seinem Bruder.
Einen Abend nahm ihn sein Vater zu einem Spaziergange nach einem Kapuzinerkloster mit, wo dieser einen alten guten Freund hatte. Der Abend war einer der schönsten. Sie kamen aus einem kühlen Wald' heraus, wo die Grasemücken, Amseln, und Nachtigallen in Gesängen wetteiferten, und die Holztauben drein gurrten. Das Dunkel des Waldes, und der melancholische Gesang der Amsel hatten die Seele des jungen Siegwart zum Wehmütigen und Feierlichen gestimmt, worein ihn das ernstafte Gespräch seines Vaters über die Schönheit der natur und die Liebe des Schöpfers noch mehr versenkte. Ihr Gespräch kam auf das Kloster. Du wirst, mein Sohn, viel ehrwürdige Leute drinnen antreffen; gute ehrliche Männer, die die Torheiten und Betrügereien der Welt kennen lernten, und sich bei zeiten von ihr los machten, um im Frieden Gott zu dienen, ihr Herz zu bessern, und sich für die Ewigkeit vorzubereiten. So ist mein Freund, der alte Pater Anton, der deine ganze Hochachtung verdient; aber nicht alle Paters denken so; andre werden dir weniger gefallen. Ich sage dir dieses nur, damit du dich nicht daran stössest, und nicht lauter Engel drinnen suchst. – Es ist eine eigne Sache um das Mönchsleben. eigentlich sollten nur Leute da sein, die den Menschen sonst nicht mehr dienen können. Doch, das geht uns nichts an! – Sieh, dort liegt das Kloster schon; bei den Tannenbäumen dort! –
Sie waren