Kleidern aufs Bette, und liess das Licht brennen. drei Stunden lang wälzte er sich hin und her, und konnte kein Auge zuschliessen. Endlich sanken ihm vor Müdigkeit die Augenlieder zu. Bald darauf wachte er von einem Knastern und einer ungewöhnlichen Helle auf. Das Licht hatte den Vorhang am Fenster angezündet. Er sprang auf, riss den Vorhang herunter, und trat darauf. Als das Feuer schon gelöscht war, kam das Schrecken erst; er zitterte an allen Gliedern, warf sich wieder aufs Bette, konnte aber nicht mehr einschlafen, und um 5 Uhr stand er wieder auf.
Als er zu seinen Geschwistern kam, machten sie zusammen die Veranstaltungen zu dem Leichenbegängnisse ihres Vaters, welches auf den folgenden Tag angesetzt wurde. Karl und Salome erzählten ihm verschiedenes von der Krankheit, und den Reden seines Vaters auf dem Krankenbette, von seiner Geduld und Gelassenheit, und von seiner Freudigkeit zu sterben, die ihm bloss durch den Gedanken verbittert wurde, dass er seine Kinder verlassen müste. Sie erzählten ihm, wie oft er von ihm gesprochen, und wie sehr er sich darnach gesehnt habe, ihn noch einmal zu sehen. Siegwart zerfloss bei dieser Erzählung fast in Tränen. Sie sagten ihm auch den Wunsch ihres Vaters, dass man ihn bei ihrer seligen Mutter begraben, und ihnen einen gemeinschaftlichen Grabstein setzen möchte.
Er ging in den Garten hinunter, um seinem bangen Herzen etwas Luft zu schaffen. Dann ging er wieder auf sein Zimmer, und schrieb mit Hastigkeit folgendes an Marianen:
Liebste, Beste!
Er ist tot! Ich habe seinen Segen. – Sein letztes Wort war: lebe mit Marianen .... Das: glücklich starb auf seinen Lippen. – Morgen begraben wir ihn. – – O Mariane, o Geliebteste! was hab ich verlohren! den Besten, Gütigsten, Zärtlichsten. – O Mariane, ich kann nicht weiter schreiben. Sei nun Du mir alles! stens in acht Tagen. lebe wohl, Engel Gottes! Ich bin ewig Dein
Xaver Siegwart.
Als er den Brief gesiegelt, und selber, mit der Umschrift an ihren Bruder, dem Postverwalter gebracht hatte, ging er wieder in seinen Garten, und lief hastig auf und ab, und dann schnell die Treppen hinauf, in das Zimmer, wo sein Vater lag. Seine ganze natur schauerte zurück, als er ihn so blass da liegen sah. Erst nahte er sich dem Leichnam langsam, dann stürzte er schnell auf ihn hin, küsste die kalte Lippe, und fuhr ängstlich wieder zurück, und verliess schnell das Zimmer. – Nirgends hatte er eine bleibende Stätte; zuweilen ergossen sich seine Tränen haufenweis, und dann war ihm wieder eine Zeitlang wohl. Bei Tische sprachen alle wenig; eins sah das andre traurig an, und dann stieg wieder ein tiefer Seufzer aus der Brust. Auch Salome war tief bekümmert, denn, da ihre Verwandte in München tot war, sah sie für sich die wenigste Versorgung. Sie beschlossen, den Nachmittag aufs Feld hinaus zu gehen, um sich etwas zu zerstreuen. Alle Leute auf dem Feld sahen ihnen traurig nach, und weinten um ihren lieben Amtmann, und um seine Kinder. Salome sagte: sie hätte vor vier Tagen an ihre Schwester Kronhelm geschrieben. Vielleicht, wenn men. Sie gingen fast trauriger wieder nach Haus, als sie es verlassen hatten. Als sie in die tür traten, weinte Siegwart heftiger. Er war ungefähr eine halbe Stunde auf seinem Zimmer, als er ein Geräusch die Treppe herauf kommen hörte. An dem holen Gepolter merkte er, dass der Sarg heraufgebracht wurde. Ein kalter Schauer lief ihm über alle Glieder; sein ganzer Körper ward erschüttert, und er wagte es nicht, vor die Tür hinauszugehen. Das Zimmer, wo sein Vater lag, war nicht weit vom seinigen entfernt. Er hörte den Sarg zunageln. Jeder Schlag durchdrang sein Herz. Er konnte sich vor Wehmut fast nicht mehr fassen. Als die Leute weggingen, suchte er im Garten wieder frische Luft, wo er Karl und Salome in Tränen antraf. Er ward beiden auf Einmal wieder ganz gut, weil sie so um ihren Vater Leid trugen. Da er von der vorigen schlaflosen Nacht so sehr abgemattet war, so legte er sich, nach dem Abendessen, von dem er ohnedies wenig genoss, frühzeitig zu Bette, und ward durch einen sanften Schlaf erquickt; nur gegen Morgen ängstigten ihn fürchterliche Träume; und, als er aufwachte, war sein Bett von Tränen nass. Er konnte nun seinen Schmerz ganz ausweinen. Gott! dachte er, jetzt erwach ich, als eine vater- und mutterlose Waise. Gott, erbarm dich meiner, und hilf mir! Leit du mich durchs Leben, weil mich sonst niemand leiten kann! Sei du ganz mein Vater! In deine hände sink ich; o verwirf mich nicht! Sei du mein Schutzgeist, o mein Vater! Vergiss deines Sohnes nicht im Himmel. Ich will dir mein ganzes Leben durch für deine Liebe danken. Du hast alles an mir getan. Mein ganzes Leben soll Dank gegen dich sein!
Er hörte schon im haus ein Geräusch, das Zurüstungen zum Leichenbegängniss bedeutete. Er ging ins Wohnzimmer. Das Gesind im haus sah ihn stumm und wehmütig an, und gab ihm einen guten Morgen, der von ihrem Mitleid zeugte. Ein paar benachbarte Beamte, die sein Vater sehr geliebt hatte, kamen, und bezeugten ihm ihr Beileid. Sie wollten ihren toten Freund noch einmal