Eier, und nahm endlich mit dem jungen Siegwart Abschied, um das Allmosen bei dem Schulzen in Empfang zu nehmen, seine Abfahrt zu besorgen, und dafür im Namen seiner Brüder zu danken. Sixt war nicht zu finden, als er von dem haus wegging.
Nach empfangnem Allmosen machte er sich mit Siegwart auf den Weg nach seinem Kloster. Sie waren schon eine Strecke weit vom Dorf weg, und gingen an einem einzelnen Dorngebüsch zwischen den Aekkern, als Sixt mit seinem Mädchen draus hervorsprang.
O Herr! riefen beide zugleich, und waren wieder eine Zeitlang still. Da, das Ist mein Mädel, sagte Sixt, und will Ihnen danken. Tausend, tausend Gottes Lohn, rief sie weinend, und drückte dem Pater mit Heftigkeit die Hand.
Ja Ihr Wohlehrwürd, fuhr Sixt fort, das war eine Freude, als ich zu ihr kam, und sagte, dass wir nun einander haben sollten. Ich hätte, weiss nicht wie viel drum gegeben, dass Sies selbst mit angesehen hätten; Sie verdienten es. Sie hub ihre hände auf, und dankte Gott laut für die Gnade, und als ich ihr sagte, dass wir alles dem P. Anton zu verdanken haben, wollte sie, wie sie ging und stand, in mein Haus und Ihnen danken. Ich sagte aber, dass wir's vorm Dorf draussen besser könnten, wenn wir so allein wären. Nun haben wir da gewartet, bis Sie kamen, und wollen nun, wenn es Ihnen recht ist, Sie bis vor den Wald hinaus begleiten.
Es tut mir Leid, meine lieben Kinder, sagte Anton, dass ihr euch wollt Mühe machen. Mir habt ihr wenig zu verdanken; wag ich getan hab', hab' ich gern getan. Wenn ich meinem nächsten helfen kann, das geht mir über alles, und so muss es jeder brave Mann machen und tut es auch. Ich hoff', ihr werdets redlich miteinander meinen, und ein gutes christliches Ehepaar werden. Ihr müsst nun eurem Vater gut begegnen, Sixt, und ihm alles zu Lieb tun, da er's euch auch getan hat. Und ihr, Regina, müsst euren neuen Schwiegereltern auch recht freundlich begegnen, und euch nicht einmal darum zu rächen suchen, dass der Vater euch seinen Sohn nicht gleich hat geben wollen. Er hats mehr um des Gelds als um euretwillen getan; denn wider euch hat er nie nichts gehabt. Jeder Mensch hat seine Schwachheiten, und ihr müsst ihm die vergeben.
Ach ja herzlich gerne, sprach das Mädchen. Lieber Gott, wer wird sich deswegen rächen wollen? Wenn ich nur meinen Sixt habe, dann will ich mit der ganzen Welt in Fried und Einigkeit leben. Ich müsste ja immer fürchten, den lieben Gott zu erzürnen, wenn ich jemand kränkte, und da könnt' er mir zur Strafe meinen Sixt nehmen. Nein, um seinetwillen sind mir alle Menschen lieb, und am meisten seine Eltern. Ich konnte ihnen nie recht böse sein, wenn sie's auch schon böse mit mir meinten. Ich bin nie so fromm gewesen, als seit ich meinen Sixt habe, und wenn er nun erst mein Mann ist, und ich immer um ihn bin, da werde ich ja noch frömmer werden. O Herr Pater, Sie können nicht glauben, was Sie uns für einen Dienst geleistet haben; und ich, als ein einfältiges Bauermädchen kanns eben nicht so an Tag legen; aber doch ist mir's Herz voll, und Sie müssen mit dem guten Willen vorlieb nehmen. Ich wills dafür dem lieben Gott sagen, was ich denke, und Ihnen Gutes anwünsch!
So gingen sie noch eine gute Strecke weges mit dem Pater und dem jungen Siegwart fort, und äusserten ihre Gesinnungen, die zwischen Dankbarkeit und Zärtlichkeit geteilt waren. Man wird selten in der Stadt, wo die Menschen sich gewöhnlich aufgeklärter und besser dünken, als die Landleute, ein Paar finden, das sich mit der reinen unverfälschten Zärtlichkeit, mit der Treue und Festigkeit liebt, wie unser Pärchen. Aber Unschuld und Reinigkeit des Herzens war das Band, das sie verknüpfte; und dieses ist das festeste, das noch jenseits des Grabes in der Ewigkeit fortdauert. Wohl dem Jüngling, dessen Seele sich allein durch dieses Band fesseln lässt! Er und seine Freundin werden einst mit Semida und Cidli, mit Petrarch und Laura, mit Klopstock und mit seiner Meta unter den Lebensbäumen wandeln, und sich ihre Liebe auf der Unterwelt erzählen.
Endlich nahmen Sixt und Regine von P. Anton und dem jungen Siegwart Abschied. Sie konnten kaum vor Tränen sprechen, und blieben noch, so lang sie ihnen nachsehen konnten, auf dem Hügel stehen; dann kehrten sie in der Dämmerung zurück, küssten sich tausendmal mit dem keuschen Kuss der Liebe, sahn zum Abendstern auf, und ihr blick war Dank und Gebet für den guten Pater Anton. Dieser ging voll inneren Friedens mit dem jungen Siegwart nach dem Kloster, dessen Seele voll war von nie empfundenen Gedanken an die Grösse eines Menschen, der ein Wohltäter seiner Brüder ist, und gleich der Sonne zur Ruhe gehen kann, die den Tag über das Herz den Menschen und die Welt mit ihrem Strahl erquickt hat.
Der andre Morgen war der Begräbnisstag des verstorbnen Paters. Alle Väter versammelten sich um acht Uhr im Konventsaal. Auf ihren Gesichtern war eine allgemeine Traurigkeit verbreitet; Schmerz und Tränen sprachen aus den Augen; Siegwart war bei ihnen.