deine unaussprechlich glückliche Schwester
Terese Kronhelm.
Am Schluss des Briefes war noch folgendes von Kronhelm geschrieben:
Ich kann nicht schreiben, Bruder! Mein Herz ist zu voll, und tobt vor Freuden. Ich bedaure dich, Gott weis es, herzlich. Aber fass Mut! Es wird sich ändern. Marianens Herz ist stark und standhaft. Bau darauf! Ich bitte dich, sei nicht gar zu mutlos! – Hier ist alles Freude; und mich deucht, ich bin der Glücklichste von allen. Könnt ich dir nur den tausendsten teil von meinem Glück geben; und du wärst schon froh. Aber nur getrost! Du must auch noch glücklich werden; du bist gar zu brav. Uebermorgen reisen wir mit meinem treflichen Onkel nach Steinfeld. Unser Vater ist gar ein vortreflicher Mann, den ich mit der grössten Ehrfurcht liebe. Sei ein Mann, Bruder, und kämpf! Die Siegerkrone kann dir nicht fehlen. Du wirst sagen: der hat gut trösten, weil ihm nichts mehr auf Erden übrig ist, zu wünschen; und da hast du freilich Recht. lebe wohl, Bester, und sei glücklich! Ich bin ganz
Dein treuer Schwager Kronhelm.
Siegwart war nun wieder von allen Seiten glücklich. Die Wünsche seiner liebsten Freunde waren ganz erfüllt; er besass die Liebe seiner teuren Mariane ganz, und die Furcht, sie zu verlieren, war wieder gröstenteils zerstreut. Nur der Gedanke an das geständnis, das er nun bald seinem Vater tun sollte, Freuden, die er hatte, suchte er ihn zu betäuben und einzuschläfern; er schrieb an seinen Schwager und an seine Schwester nach Steinfeld; teilte mit ihnen ihre grosse Freude, und erzählte ihnen auch die Hofnungen, die er für sich und seine Liebe hatte. Im nächsten Konzert sang er mit Marianen ein paar Arien, die die Wiedervereinigung zweier Liebenden zum Inhalt hatten. Mit welchem Ausdruck sie und er gesungen haben mögen, kann sich jedes gefühlvolle Herz vorstellen. Jeder Zuhörer war bewegt, und klatschte Beifall. über seinen Blicken wachte er genau, um den Hofrat und den andern Anwesenden keine gelegenheit zum Argwohn zu geben. Der Hofrat war sehr höflich, und lud am Ende des Konzerts alle, auch unsern Siegwart ein, nach dem nächsten Konzert, welches das letzte sein würde, zu einem Ball da zu bleiben. Siegwart sprach zwischen dieser Zeit sein Mädchen einmal in dem Garten ihrer Freundin, und brachte einen, der liebe heiligen Abend mit ihr zu. Sie versicherte ihn wieder, dass ihre Mutter ganz für ihn sei, und dass sie wegen des Hofrat Schragers wenig, oder nichts mehr zu besorgen habe.
Am nächsten Mittewochen spielte Siegwart noch einmal mit dem allgemeinsten Beifall ein Konzert. Auch Marianens Bruder spielte eins mit ziemlichem Beifall, weil er sich, unter Siegwarts Anführung, sehr darauf vorbereitet hatte. Dieser Umstand machte, dass auch er unserm Siegwart ziemlich zugetan wurde. Nach dem Konzert gab der Hofrat Fischer ein Abendessen; nach demselben eröfnete er, mit seiner Frau, den Ball. Siegwart tanzte zuerst mit Marianen eine Menuet, und dann einen Gesellschaftstanz. Hierauf tanzte er mit ihrer Mutter, die ausserordentlich freundschaftlich gegen ihn tat. Sie setzte sich nach dem Tanz mit ihm auf ein Kanapee, und fing von ihrer Tochter an, zu reden. Es freut mich herzlich, sagte sie, dass Sie so viel Freundschaft gegen meine Tochter tragen; sie wird es Ihnen auch schon gesagt haben. Nur um der Leute, und hauptsächlich um meines Mannes willen, muss ich Sie sehr um Behutsamkeit bitten. Man ist im Stillen weit glücklicher, als wenn man vieles aufsehen macht. Ich wurde schon von verschiednen Seiten her gewarnt. Die Leute hier schliessen aus jeglicher Bekanntschaft auf die engeste Vertraulichkeit, und erdichten aus Langerweile tausenderlei Geschichten. Sie sehen ein, was mir daran liegt, dass meine Tochter nicht in der Leute Mund kommt. Meine Schwiegertochter und mein Mann sind gar wunderlich. Suchen Sie ein rechtschaffner und geschickter Mann zu werden; das Uebrige hängt von Gott und nicht von uns ab. Ich höre, Sie wollten geistlich werden. Wird es Ihr Herr Vater wohl zufrieden sein, wenn Sie umsatteln? O ja, ganz gewiss! sagte Siegwart; ich will ihm nächster Tagen schreiben. Ein anderer, der die Hofrätin zum Tanz aufzog, machte dem Gespräch ein Ende. Er blieb sitzen, und sah seine Mariane in einiger Entfernung von ihm, tanzen. Ihre Augen waren viel auf ihn gerichtet; oft, wenn sie glaubte, dass es niemand merkte, lächelte sie ihm zu. Ihm war es, wie wenn ein Sonnenblick im Frühling auf die Flur fällt.
Als der Student, mit dem Sie tanzte, ihr, beim Schluss der Menuet, die Hand küsste, da fuhr ihms wie ein Dolch durchs Herz. Er ward feuerrot, und gleich drauf traurig; denn er hatte viel, fast zu viel Anlage zur Eifersucht. Der freundliche blick, mit dem sie dem Studenten dankte, machte tausend Empfindungen in ihm rege. Er glaubte, Liebe drinn entdeckt zu haben, so unwahrscheinlich und ungegründet diess auch war. Die Vernunft mochte ihm auch tausendmal sagen, dass er sich selbst ohne ursache kränke, und Marianen Unrecht tue, er konnte sich und seine Unruhe doch nicht gnug bekämpfen. Mariane merkte dieses wohl, und setzte sich, als er ins Zimmer gegangen war, zu ihm. Sie blickte ihn zärtlich an, und nun kam die Heiterkeit auf Einmal in sein auge, und in sein