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wenn auch ich zu ihr käme. Alle Menschen sind ihr gut; sie hätt schon zehen bauern haben können, die noch reicher sind, als ich; aber sie will keinen, als mich; und da sollt ich ihr den Stuhl vor die stube setzen? Nein, das will ich nicht, das kann ich nicht! Einem Kerl, der ein Mädel angeführt hat, kann's nicht wohl gehen. (Hier wischte er sich die Augen.)

P. Anton. Nun, Franz, was sagt ihr dazu?

Franz. Nichts, als dass der Blitzkerl recht hat.

Sixt. Seht, Vater, es tut mir leid, dass ich euch die Zeit her so viel Kummer gemacht hab. Es war mir nirgends wohl. Der liebe Gott weiss, wie ich ganze Nächte durch geächzt habe. Ich hab mir tausendmal den Tod gewünscht. Aber es ist einmal nur umsonst; wider besser Wissen und Gewissen kann man nicht tun. Der Mutter hab ichs oft gesagt, die hatte auch keine ruhige Stunde; aber sie sah's doch ein, und hörte mir zu.

Franz. Nun, Sixt, gib mir die Hand, und verzeih mir! Es war nicht so bös gemeint. Kannst das Mädel haben. Sei's in Gottes Namen! Stromauf kann man freilich in der Donau nicht schwimmen. Sapperment! ich wollt dir des Wirts Tochter geben; das wär auch was gewest. Aber, nicht wahr, Herr Pater, besser ist besser? Nun, nun, wenn ihr einander mit Gewalt haben wollt, so kriecht zusammen! Hätt ichs doch nimmermehr gedacht, dass mich der Herr Pater so herum bringen würde. Heh, Weib! – Sie ist draussen in der Küchekomm herein! Sollst wan neues hören. – Frisch! eingeschenke, Herr Pater!.. Wie, Sixt? du stehst ja da, wie ein armer Sünder. Da! trink auch eins! Soll leben deine Regine! – Trink er es auch mit, junger Herr! – Das auge steht ihm ja voll wasser. Hab ich ihms nicht recht gemacht mit meinem Sohn da?

Siegwart. O ja, völlig recht, Nachbar Franz! Es freut mich, dass es so gegangen ist. Eure Gesundheit, Franz! und Eure auch, Sixt, und Eurer Regine ihre!

Sixt. O ich bedanke mich, junger Herr, tausendmal! Ach, ich weiss nicht, was ich sagen soll, Herr Pater! Das Herz ist mir so voll, ich möchte Ihnen nur zu Füssen fallen; weiss nicht, ob ich im Himmel oder auf Erden bin? Gott vergelts, was Sie an mir und meiner Regine getan haben! Wir arme leute könnens doch nicht. – Und Ihr, Vater! ach verzeiht mir, und seid tausendmal bedankt! – – Ich kann nichts reden, muss nur weinen und mir Luft machen.

Franz. (Zu seinem Weib, das herein kommt) Heh Weib! Viktoria! lass dir eine neue Haube machen auf die Hochzeit! Unser Sixt soll seine Regine haben; da, dem Herrn da hast du's zuverdanken; denn ich weiss doch, dass dirs lieb ist, alte Mutter; nicht wahr?

Die Bäurinn. Ja wohl. Gott sei ewig Lob und Dank, Franz, dass du dich besonnen hast! O Herr Pater, da haben Sie ein recht gutes Werk getan. Mein armer Sohn wär zu Grund gegangen, und sein Mädel auch. Nun Sixt, wie ist dirs? Siehst ja so traurig aus, und greinst.

Sixt. Ach Mutter, last's nur sein! Ich kann kein Wort sprechen; 's ist des Glücks gar zu viel auf einmal. Ich weiss wohl, der Herr da nimmts nicht übel; sieht mir wohl an, dass ich danken wollte, wenn ich könnte. Lasst mich nur hinaus! Es wird schon besser werden in der frischen Luft.

Sixt ging hinaus, und Siegwart sah ihm noch durchs Fenster nach. Nun ward Franz bei seinem Gläschen Wein immer munterer, und tranks dem P. Anton, und dem jungen Siegwart fleissig zu. Es tat ihm wohl, dass ihn Anton und sein Weib wegen seines geänderten Entschlusses lobten, und drüber vergass er die Bedenklichkeiten wegen der Ungleichheit des Vermögens völlig. Ein Geistlicher hat, vermittelst der Religion und des Ansehens, das ihm sein Stand in den Augen andrer Leute gibt, viel Gewalt über das Herz der Menschen und besonders des gemeinen Mannes; möchte' es doch jeder zu so guten Absichten, wie P. Anton, und nicht, wie so viele tun, zu Befriedigung seiner Leidenschaften, seines Ehr- und Geldgeizes oder seiner Rachgier anwenden! Der edle Mann, mit dem schneeweissen Haar und der breiten Glatze sass jetzt da, gesegnet von den Eheleuten, die er wieder ausgesöhnt, gesegnet von einem jungen Paar, dessen Glück, das schon zu wanken anfieng, er aufs ganze Leben befestigt hatte, und von einer Mutter, der er ihren Sohn und die Ruhe ihres Mannes wieder gab. Siegwart sah ihn an wie einen unmittelbaren Abgesandten Gottes; helle Zähren stunden ihm im Auge, und er konnte es gar nicht von ihm wegwenden. Franz sprach schon davon, wann sein Sohn Hochzeit machen sollte, und setzte sie auf den künftigen monat fest, da denn Anton versprechen musste, auch dazu zu kommen. Er bekam reichliche Geschenke für sein Kloster, Vntrer, Flachs und