mit. Der Hauptmann will mir indessen Geld auf den Weg mitgeben. Mein Onkel kann meinen Schritt unmöglich misbilligen; es war mir nichts anders übrig. Ich gehe nicht aus dem Haus, um nicht entdeckt zu werden; sonst wär ich zum P. Philipp gegangen. schreibe mir unter der Adresse an den Hauptmann!
Ich kann dir nicht sagen, wie mir ist. An Teresen darf ich kaum gedenken, und doch ist sie fast mein einziger Gedanke. Sie auf ewig nun verlieren! Sie auf ewig nicht mehr sehen! Und doch ist diess all mein Trost, dass ich nun dem Tod entgegen gehe. Die Preussen schiessen gut, und ich will mich immer dahin stellen, wo der Tod am nächsten ist. O Bruder, ich kann nicht anders. Ich will meine Pflicht tun, als Soldat, aber dann muss der Tod mein Lohn sein. Mein Vater mags bei Gott verantworten, dass er mich so weit gebracht hat! – Tröste meinen Engel! Diess ist alles, was du tun kannst. lebe wohl, Bruder, ewig wohl! Vielleicht kriegst du bald den letzten Brief von mir. Hab Dank für alle deine viele Liebe! Grüss deine Mariane! Lass sie mich bedauren! Gott bewahre dich vor einem so schrecklichen Schicksal, wio das meine ist! Bet für mich, dass ich selig sterbe! Ich muss abbrechen. Es wird mir bänger ums Herz. Tröste Teresen, dass einst Gott dich tröste! lebe ewig wohl, und bewein mich! schreibe ja bald! Der Hauptmann schickt mir den Brief nach. Ewig, bis an meinen Tod der Deinige.
Kronhelm.
In dem Brief lag folgendes Blatt an Teresen,
unversiegelt:
Was soll ich, ach, was soll ich der Geliebten meiner Seele schreiben? Auch der letzte, schwache Rohrstab ist zerbrochen, den die Hoffnung mir gereicht hatte. Dein Bruder, ewig Teure! mag mein Unglück dir erzählen! Ich kanns nicht. Diese blutigen Zähren, die ich auf das Blatt hin weine, sind das Letzte, was ich dir in diesem Leben weihen kann. Meine Seele ist tief gebeugt zur Erden, und schmachtet nach dem grab. Dir zu leben, war der Wunsch, der mich bisher noch an den Leib fesselte. Nun er hin ist, kenn' ich keinen Wunsch mehr, als für dich zu sterben. Ich eile dahin, wo der Tod laurt. Ich will ihn aus seinem Hinterhalt herausweinen, dass er komm, und mich in seinen eisernen Arm schliesse. – O Terese! Was ich wünschen kann für mich, ist eine Träne, dass du sie dem Jüngling weinest, der dich liebte, wie kein Sterblicher geliebt hat. Weine sie, und sei dann glücklich, wenn dus sein kannst ohne mich! – Ich hab keinen Trost für dich! Wie kann der trösten, der sonst keinen Freund hat, als den Tod! Beten kann ich, wenn noch das Gebet des Elends hilft. Gott! Nur einen Tropfen Trost für sie! Ich will gerne dursten, bis mein Ende kommt. – Terese! Nicht wahr, ich quäle dich? Nun, verzeih! Ich wust es nicht; sonst hätt ich meine Hand gelähmt, eh ich dieses Blatt schrieb! – Aber ich muste noch zu dir reden. lebe denn wohl, Engel! und hab Dank für deine Liebe! Gott, warum muste sie doch so belohnt werden? lebe ewig wohl! Ich kann nichts schreiben. Meine Säfte stocken. Aber reden musst' ich. Wenn Du Botschaft hörst: Er ist tot, dann jauchze laut auf, und sag: Er ist glücklich. – Ach Terese, wenn Du doch auch stürbest! Es ist so was süsses um den Tod, und wir sind so elend. Stürbst Du doch mit Deinem
Kronhelm.
Die Bewegung, in die unser Siegwart durch diese beiden Briefe geriet, kann man sich mehr vorstellen, als beschreiben. Anfangs war er ganz betäubt, und konnte es kaum glauben; zuletzt brach sein Schmerz in laute Klagen und in Tränen aus. Nach der ersten heftigen Erschütterung fing er an, Plane zu machen, schloss er, nach Günzburg zu reiten, und, wo möglich, seinen Freund noch zurück zu halten. Aber, was sollte er ihm sagen? Welche Gründe hatte er, durch die er ihn zurück halten könnte? Und der Weg war weit. Vieleicht war sein Freund indessen schon abgereist. Endlich, nach tausend Entwürfen, die im ersten Augenblick annehmlich schienen, und im zweiten wieder verworfen wurden, schien ihm dieser noch der beste zu sein, nach München zu Kronhelms Onkel zu reisen, ihm die Sache so dringend vorzustellen, als möglich, und ihn zu bewegen, sich seines Vetters tätig anzunehmen, ihn aufs schleunigste zu retten, und entweder selbst sogleich nach Günzburg zu reisen, oder ihn mit genugsamer Vollmacht dahin zu schicken. Er bestellte sich sogleich ein Pferd, um weg zu reiten, und den andern Tag in München zu sein. Nur das lag ihm am Herzen, dass Mariane die Ursache seiner Reise erfahren möchte! Zu gutem Glück traf er ihren Bruder an; erzählte ihm, dass er in Kronhelms Geschäften schnell nach München reisen müste; und bat ihn, es seinen Eltern und seiner Schwester zu erzählen, und ihnen seine vielfache Empfehlung zu machen.
Nach einer Stunde ritt er weg, und sah, zu seiner grössten Freude, seine Mariane noch im Fenster, der er einen zärtlichen blick zuwarf