nicht so ernstaft, hat hellere und dunkelblauere Augen, eine nicht so hoch gewölbte Stirne. Die Frau von Eller tat gegen unsern Siegwart recht vertraut, trank auf Teresens Gesundheit, und war ganz mit ihm zufrieden. Kronhelm sagte, auf den Karfreitag wollten sie wieder zurückreiten; aber sie drang so lang in sie, am Karfreitag noch in München zu bleiben, um die Prozession zu sehen, und den feierlichen Gottesdienst und die Trauermusik bei Nacht mit anzuhören, bis sie endlich nachgaben. Der kleine Karl kam wieder, und spielte mit Siegwart; die Mädchen wurden auch nach und nach zutätiger und mischten sich mit in die Spiele. Sie erzählten in der Reihe herum Mährchen, und Siegwart muste das seinige auch erzählen; aber er sah, wie viel ihm dazu fehle, etwas auch den Kindern wahrscheinliches, zu erzählen, denn sie machten ihm alle Augenblicke Einwendungen und fragen, die er nicht beantworten konnte. Der Herr von Eller kam auch wieder zurück, und war gegen unsre beiden Jünglinge ganz verbindlich; aber weil er um 6 Uhr mit seiner Frau in Gesellschaft gehen muste, so bat er sie auf den andern Tag wieder zu Tisch, und sagte, überhaupt, so lang sie in München wären, sollten sie immer bei ihm essen.
Den Abend assen Kronhelm und Siegwart in ihrem Gastof in Gesellschaft, aber sie gingen bald wieder auf ihr Zimmer, denn in der Gesellschaft, die aus gemischten Personen bestand, wurden fast lauter Spöttereien über die Religion, Anspielungen auf die Begebenheit, die am bevorstehenden fest gefeiert werden sollte, und Zweideutigkeiten vorgebracht, die in der sogenannten grossen Welt, wo der gute Ton herrschen soll, so gewöhnlich sind, und Leuten von Verstand und Herz nicht gefallen können. Marx erzählte seinem Herrn, nach seiner Art, die Merkwürdigkeiten, die er in der Stadt gesehen hatte. Er habe nicht geglaubt, sagte er, dass so viel Menschen in der Welt wären, als er heute angetroffen habe. Es sei in seinem Dorf am Jahrmarkt nicht so voll, wie hier auf allen Strassen; und Junker hab er angetroffen, die weit schönre Kleider haben, als sein vorger gnädger Herr an hohen Festen getragen habe, und doch seis jetzt nur ein Werktag; wie's nun erst am Sonntag sein müsse? Es geb in seinem Dorf nicht so viele Wagen, als er hier vergoldete Kutschen angetroffen habe. Man hab ihm auch das Haus gezeigt, wo der Herr Kurfürst wohne. Unten sei ein Herr gestanden, von dem er gewiss geglaubt habe, er sei der Kurfürst, denn er hat lauter Silber angehabt, aber, als er sich sehr tief gebückt, hab des Herrn von Eller Bedienter ihn ausgelacht, und gesagt, das sei nur ein Läufer. Auch in ein paar Kirchen sei er gewesen; da sei so viel Gold, dass einem die Augen davon weh tuen. In der Einen Kirche sei das Wahrzeichen ein Stein zwischen zwei Pfeilern; wenn man auf dem Stein steh, so könne man kein Fenster in der ganzen Kirche sehen. Er wisse nicht, wie das sein könn', aber es sei so; er habs selbst gesehen. In einer andern Kirche blas' ein Engel die Posaune, dass man glaube, er lebe, und doch sei er nur von Holz. Es muss wohl Zauberwerk sein, sonst könn' er es nicht begreifen. In den Kirchen sei so schöne Musik, dass er glaube, die Leute in München müssen all in den Himmel kommen, weil man ihn ihnen so schön und anmutig vormale. Es sei eine Lust, da zu beten. Das Herz werde' einem ganz weit und leicht, und man glaube, Gott müss' einem gnädig sein, wenn man so schöne Musik höre; auch glaube er nicht, dass man viel Böses tun könn', wenn man oft so was mit anhöre; das Herz werde einem so weich und mitleidig, dass man alles Böse drüber vergesse u.s.w. Kronhelm und Siegwart hörten seiner Beschreibung mit Vergnügen zu. Kronhelm gab ihm Taschengeld, und versprach ihm auch, ihm in Ingolstadt eine neue Livree machen zu lassen; der arme Kerl war so dankbar, dass er vor Freuden weinte, und sagte: Er möchte nur wissen, wie er bei Gott ein so grosses Glück verdient habe? –
Kronhelm liess ihn weggehn, und teilte nun mit seinem Siegwart seine Freude über die frohen Aussichten, die er jetzt, in Absicht auf Teresen hatte. Er machte schon Entwürfe, wie er sein künftiges Leben einrichten wollte. Wenn mein Vater sich nicht zufrieden geben will, sagte er, so zieh ich auf das Landgut, wo wir mit unsrer seligen Mutter lebten. Ich weis, dass Terese sich mit Wenigem vergnügt, und mein Onkel wird schon auch für uns sorgen. Wir sind uns an jedem Ort genug, und brauchen keinen Ueberfluss, wenn uns nur die Liebe mit Zufriedenheit segnet; und das wird sie tun, so lang wir leben. Siegwart gab ihm völlig Beifall, und sagte, so denke er auch in Absicht auf seine Mariane. Kronhelm mochte ihn noch nicht fragen, welchen Plan er sich gemacht habe und welche Lebensart er zu erwählen gedenke? Siegwart hatte auch im Taumel seiner Liebe daran noch nicht gedacht.
Den andern Morgen gingen sie bei zeiten wies der zu Kronhelms Schwager. Dieser wurde nach und nach vertraulicher, und legte den Hofton ziemlich ab. Er fragte, ob sie nicht die Merkwürdigkeiten der Stadt