die wie junge Engel aussahen. Sie mussten etwas französisch plappern, aber mit Siegwart sprach der Knabe deutsch, fragte ihn alles, wo er herkomme? wie er heisse: Ob er auch einen Papa, und auch eine liebe Mama habe? u.s.w. Dann erzählte er allerlei Geschichten von sich und seinen Schwestern, von ihren Puppen, von seinen zinnernen Soldaten, die er herholte und in Schlachtordnung stellte. Siegwart wollte ihm auch helfen, aber er machte, nach seiner Meinung, alles unrecht; der Knabe lachte ihn aus, und belehrte ihn eines Bessern. Dann holte er der Beaumont Magazin, las ihm daraus vor, und erzählte ihm ein Mährchen. Siegwart muste auch vorlesen, und sich von dem kleinen Karl alle Augenblicke korrigiren lassen. Er machte vorsetzlich Fehler, und stellte sich bei den Belehrungen des Knaben sehr aufmerksam an, welches diesem ausserordentlich gefiel. Die Mädchen unterhielten sich mit ihrer Mama, und mit Kronhelm, dem sie ihre Puppen zeigten, ihre schönen Kleider hererzählten, und von andern kleinen Mädchen unterhielten. Als die Kinder weggebracht werden sollten, bat der Knabe sehr, man möchte ihn doch bei dem Herrn lassen! Man versprach ihm aber, dass er wieder kommen dürfte. Bleib fein da! sagte er zu Siegwart, als er wegging.
Bei Tisch war auch Kronhelms Bruder, ein etwas flüchtiger und leichtsinniger junger Mensch, der die witzigen Franzosen, und besonders Voltärs Schriften stark las. Er spottete über Universitäten, Professoren, und gelehrte Wissenschaften, sprach viel von der Historie, in der Voltaire seine Quelle war; sagte, er wünsche nichts mehr, als Paris zu sehen; schimpfte auf die Steifigkeit der Deutschen, nahm aber den Münchnerhof davon aus; erzählte ein paar Hofgeschichten, und ging wieder weg, in eine andere Gesellschaft.
Herr von Eller, so hiess Kronhelms Schwager, der schon ernstafter dachte, suchte ihm die Annehmlichkeiten des Hoflebens von einer andern Seite darzustellen, und ihm den Hang, auf dem Land zu leben, zu entleiden. Er stellte ihm das Glück vor, um einen grossen Herrn zu sein, immer höher zu steigen, und endlich vielleicht gar zu seinem Vertrauen zu gelangen, u.s.w. Für Kronhelm war dieses kein Glück, und er wich den Ueberredungen seines Schwagers mit Klugheit und Bescheidenheit aus. Um 3 Uhr muste Hr. von Eller in eine Session, und seine Gemahlin, Kronhelm und Siegwart blieben allein. Das Gespräch ward nun vertraulicher. Die Frau von Eller fragte ihren Bruder, warum er so blass und eingefallen aussehe? Er sei sonst viel munterer gewesen; jetzt hab er so viel Ernst und Schwermut in seinem charakter; seine Seele müsse eine grosse Veränderung und tiefe Leiden erfahren haben. Er kenne die Freundschaft, die sie von jeher gegen ihn getragen, und den Anteil, den sie immer an seinen Schicksalen genommen habe; er möchte daher doch offenherzig gegen sie sein, und ihr alles offenbaren, was er, ohne Verletzung seiner Ruhe könne! etc. Kronhelm tat es auch, erzählte ihr mit vieler Rührung und der grössten Aufrichtigkeit seine ganze traurige geschichte mit Teresen, und setzte hinzu: So lang ich von ihr getrennt leben muss, und sie nicht bekommen kann, so lang kann ich auch nicht ruhig und nicht glücklich werden. Mein Herz wird sie ewig lieben, und ewig um sie trauren, wenn ich sie nicht ganz besitzen soll. Für mich ist dann keine Ruhe, als im Grab! – Seine Schwester sagte: sie habe von ihrem Onkel einen teil seiner geschichte schon gewusst; sie habe innerlich um ihn getraurt, seine Liebe und seine Leiden würden durch die Hindernisse, und durch die Zeit wieder verringert werden; nun erfahre sie mit inniger Betrübniss das Gegenteil. – Ich bin in der Absicht hieher gereist, sagte er, den Onkel auf meine Seite zu bringen; denn, wenn ich nur selber mit ihm von Teresen reden, und ihm meinen Zustand schildern könnte, so wär alles gut, aber nun ist dieses auch nichts. Seine Schwester beruhigte ihn von dieser Seite mit der Versicherung, dass der Onkel seiner Wahl nicht ganz abgeneigt sei; und jetzt, da er in Teresens Gegend komme, sich gewiss nach ihr erkundigen, oder den alten Hrn. Siegwart selbst besuchen werde. Der Onkel, setzte sie hinzu, hält alles auf dich, und ist für dein Schicksal sehr besorgt. Er war mit dem Betragen unsers Vaters gegen dich nicht zufrieden, aber weil er deine Liebe nur für ein aufbrausendes Feuer hielt, so glaubte er, behutsam drein gehen zu müssen. Er hat sich unter der Hand fleissig nach dir erkundigt, besonders bei einem Hofrat Fischer in Ingolstadt (hier wurde Siegwart rot) und war oft sehr bekümmert, wenn er hörte, dass du so niedergeschlagen seiest. Erst noch neulich, als man von dir sprach, sagte er, ich will mich der Sache annehmen, sobald ich kann. – Und was ich dabei tun kann, Bruder, das tu ich gewiss. Davon brauch ich dir nicht erst Versicherung zu geben. – Kronhelm war über diese Nachricht äusserst froh, und voll süsser Hoffnungen. Er und Siegwart mussten nun der braven Frau viel von Teresen erzählen. Sie erkundigte sich nach allen, sie betreffenden Kleinigkeiten sehr genau. Kronhelm muste ihr Teresens ganzes Aussehen beschreiben. Er sagte: in den meisten Zügen sehe sie seinem Siegwart ganz ähnlich; nur eine feinere Haut hat sie, sagte er, ist