die Weissin ist nun doch verlohren, sagte Dahlmund, und das tut mir in der Seele weh! – Kanns das wohl mit Recht? sagte Kronhelm. Sie hat sich schlecht aufgeführt, das must du selbst bekennen, da sie dir einen solchen Menschen vorzieht. Ein Mädchen, das ausser uns, noch mit einem andern, auch sonst guten Menschen, liebelt, verdient warlich unsere Liebe nicht. Ganz und allein muss man ein Herz haben, das man ganz liebt. Wenn ich meinem Mädchen nicht Alles bin, so bin ich gar nichts, und nehm auch mein Herz zurück. Du must stolz sein, Dahlmund, und den Flattergeist verachten können. Du verdienst ein ganz andres Mädchen. Es fehlt dir nichts, um ein Herz zu fesseln, und glücklich zu machen. Du siehst gut aus; hast Verstand, Vermögen, Wissenschaften, und ein edles Herz, das treu lieben, und daher wieder treue Liebe fodern kann. Sag einmal, möchtest du ein Weib, wie die Weissin, das mit jedem Kerl buhlt, sich von jedem schmeichlerischen Schurken die hände und den Mund belecken läst: jedem Narren glaubt, und seine unverschämten Schmeicheleien anhört, und sich drüber zur Ehebrecherin machen läst? Möchtest du so ein Weib? Und man muss kein Mädchen haben, das man nicht zum Weib machen will! Der Verdruss über ihre Narrheiten würde dich umgebracht haben. Lass sie nur nicht merken, dass es dir leid um sie tut, sie würde heimlich nur darüber jauchzen. Sei ein Mann, und wimmre nicht wie eine Memme um ein eitles falsches Mädel! Warlich, sie ist dein nicht wert! – Du hast Recht, Bruder, sagte Dahlmund, ich fühl mich, dass ich etwas bessers wert bin. Sie mag sich zur alten Jungfer buhlen, oder noch was ärgers mit dem Kerl tun! Ich frag den Henker nach ihrem Paar schwarzen Augen, wenn sie glaubt, die ganze Welt müsse sich drein vergaffen!
Den Abend drauf ging Siegwart mit Kronhelm zu dem Hofrat Fischer, unter dem Vorwand, ein Konzert zu machen. Aber seine wahre Absicht war, seine Mariane noch einmal zu sehen, und von ihr Abschied zu nehmen. Der Hofrat wurde gegen Siegwart immer höflicher, teils wegen seines guten Spielens, teils auch, und hauptsächlich, weil sich Siegwart jetzt täglich gut kleidete, denn er sah mehr auf äusserliche, als auf wesentliche Vorzüge. Die Hofrätin liebte ihn seiner Artigkeit, seiner unbescholtnen Sitten, und seines edlen frommen Herzens wegen, täglich mehr, und liess ihn ihre achtung deutlich sehen. Joseph, Marianens Bruder, tat jetzt auch sehr freundschaftlich, da er sah, dass ihn Siegwart sehr von andern unterscheide. über Marianens Gesicht verbreitete sich sichtbar eine ausserordentliche Heiterkeit, sobald ihr Geliebter kam. Sie stand von ihrer Stickerei auf, wo sie eben eine Schäferinn, und einen Schäfer, die im Grase bei einander ruhten, gezeichnet hatte. Sie war sehr beschäftigt, die lieben Gäste zu bewirten. Siegwart betrachtete indessen mit Entzücken ihre Stickerei. Sie trat hinzu, sah sie ein paar Augenblicke an, und betrachtete dann sein Gesicht, das mit Wohlgefallen auf der Arbeit ruhte. Er sah sie an, sie lächelte mit einem solchen Ausdruck, dass er Mühe hatte, sich nicht vor dem Vater und der Mutter zu verraten. Nachdem er dem Vater und der Mutter erst von seiner vorhabenden Reise erzählt hatte, so spielten sie ein kleines Konzert, bei welchem Mariane schöner und mit mehr Ausdruck sang, als sie noch je getan hatte. Drauf spielte Joseph ein Konzert auf dem Flügel, und ward über den Beifall, den ihm Kronhelm und Siegwart gaben, ganz entzückt. Siegwart sang auch, und wurde von Marianen und ihren Eltern sehr gelobt. Um sechs Uhr machten diese viele Entschuldigungen, dass sie weggehen müsten, weil sie sich bei ihrem ältern Sohn versprochen hätten. Kronhelm und Siegwart wollten auch weggehen, wurden aber sehr gebeten, da zu bleiben. Mariane bat auch, und Siegwart willigte nur gar zu gern ein. Joseph machte auch Entschuldigungen, dass er zu seinem Zeichenmeister gehen müsse. Er wolle um sieben Uhr sogleich wieder da sein etc. und unsre jungen Leute waren nun allein. Sie sahn aus dem Fenster, als die Eltern weggingen, und merkten, dass der Wind sich gedreht habe, und aus Mittag wehe, und Tauwetter bringe. Es fing auch bereits an etwas zu regnen. – Seis! sagte Mariane; wir haben nun doch noch die Schlittenfahrt gehabt. Vielleicht können Sie auch morgen noch nicht reisen. Kronhelm sagte, sie müsten, wo möglich, fort. Nun stellte sich Mariane an den Flügel, schlug, ohne hinzusehen, ein paar Töne, sah ihren Siegwart an, gab ihm die Hand, und sank in seinen Arm. Seligkeit des himmels ward um ihn herum, und noch mehr in seiner Seele. – Du must spielen, sagte er zu Kronhelm, damit man unten und im haus glaubt, wir machen Musik. Kronhelm spielte sich, ganz allein, auf seiner Violine recht müde; oft ganz wild, und heftig wie der Taumel der Liebe; dann wieder schmachtend und zärtlich, gleich der Empfindung unsrer Liebenden. Sie sassen im Kanapee beisammen, glücklicher als alle Könige der Erden. Ihre Zunge konnte nicht reden; nur ihr Auge sprach, und ihr Händedruck. liebes Mädchen! Lieber Engel! war alles, was zuweilen Siegwart sagte. Dann lehnte sie wieder ihr Gesicht an seine Brust