Sixt, weil der Knecht über Feld war; aber da war kein Sixt. Ich stunde auf, ging selber in den Stall, band den Schimmel an, der sich losgerissen hatte, und visitirte drauf in meines Sohns Bett; Sieh, da war der Vogel ausgeflogen. Ich fragte mein Weib, ob sie nichts von ihm wisse; sie sagte nein, bat mich aber ruhig zu sein, er werde wohl bald wieder kommen, und nur mit den andern Baurenkerls im Wirtshaus sein. Das Ding war mir aber verdächtig, ich zieh also meine Jacke an, und geh nach dem Wirtshaus; da war schon kein Licht mehr. Halt, dachte ich, der wird dem Mädel wieder nachgeschlichen sein; und, indem ich's so denke, sehe ich von weitem bei des Schmieds Haus was weisses gehen; ich drauf zu; und da war es mein feiner Sohn mit der Dirn am Arm. Tausend Sapperment, wie mir da zu Mut wurde! Das Mädel lief davon, und Sixt kam auf mich zu, als ob nichts geschehen wäre. Hol dich dieser und jener! sagt ich; heist das auch dem Vater gehorchen, wie ichs haben will? Gelt, hast geglaubt, ich schlafe, und da stiehlst du dich hinterrüks vom Haus weg? du nichtsnutziger, ungeratner Sohn! Ich hab dirs so verboten, mit dem Mädel nichts mehr zu tun zu haben, und du tust mir es doch! Komm nur heim, da will ich dir was anders sagen! Er wollte sich noch verantworten, es sei ihm nicht möglich gewesen, seine Regina zu verlassen; er habs tun wollen, da sei ihm aber immer sein Eid wieder eingefallen; er hab Tag und Nacht keine Ruh gehabt; das Mädel hätte sich zu Tod gegrämt, sei schon ganz abgezehrt, und hab ihm sagen lassen: Er soll ihr nur bald mit der Leiche gehen; sie habe schon die Todtenuhr schlagen, und die Sterbeglocken läuten hören. Und da sei er eben in Gottes Namen wieder hingegangen. – – Ins Teufels Namen, sagt ich, du verdammter Kerl! Komm nur! Morgen sollst's schon hören. heute will ich meine Nachbarn nicht mehr aufwecken um so eines Bubens willen. Ich ging, fluchte so vor mich hin, und der Kerl hinterdrein; er war mäuschenstill, nur zuweilen schluchzte er, als ob er die Seel' aus dem Leib heraus weinen wollte. Die ganze Nacht über konnte ich kein Auge zutun. Mein Weib wollt ihm noch die Stange halten, und da sah ich wohl, dass sies mit ihm hielte; das brachte mir noch mehr Herzeleid. Gleich am Morgen liess ich ihn herauskommen; stellt' ihm Himmel und Hölle vor; sagt' ihm, was da zuletzt herauskommen wolle? dass ichs schlechterdings nie zugeben werde. Wenn du sie nicht lassen willst, sagt' ich endlich, so kannst du dich packen, wo du hin willst. – Ja das will ich tun, gab er mir zur Antwort; denn, weiss Gott! ich kann das Mädel nicht sitzen lassen, Ihr mögt mit mir anfangen, was Ihr wollt; es ist im ganzen Dorf keine Dirne wie sie, so arbeitsam und fromm und redlich, und das muss ihr auch ihr ärgster Feind nachsagen. Was habt Ihr denn gegen Sie? Dass sie nicht so viel hat, wie ich? Nun sie hat doch genug. Arm ist sie auch nicht; und dann hat sie ein redlich christlich Gemüt, und würde für mich leben und sterben. Das ist mehr, als Geld und Gut. Gesunde starke Händ haben wir auch, und sind das arbeiten von Jugend auf gewohnt, und dann läst Gott keinen Vogel Hungers sterben, geschweige denn einen Menschen, der sich redlich durch die Welt bringt. Ich habs Euch gesagt, Vater, ich kann und darf sie nicht lassen, denn ich hab ihrs zugeschworen; und wenn ihrs nicht anders wollt, so werde ich Soldat, da kann ich sie heiraten heute und morgen, und behalt ein gutes Gewissen, und krieg ein bravs Weib; nun bedenkt, was Ihr tun wollt?
Sehen Sie, Ihr Wohlehrwürd, so hat er gesagt, und dann ging er weg. Ich stand da, wie vom Wetter getroffen; seine Reden vom Soldatenwerden gingen mir stark im Kopf herum. Es ist mein einziger Sohn, und er ist mir lieb, weil er sonst immer brav war, und mir nie nichts zu Leid getan hat. Es soll jetzt wieder Krieg werden; wenn ihm eine Kugel vor den Kopf geschossen würde! – Und Kourage hat er auch: Er hat seitdem schon ein paarmal mit den Werbern hier im Dorf gesprochen. Da bin ich nun voller Aengsten. Mein Weib liegt mir immer in den Ohren, sagt, ich sei ein harter Mann, und habs zu verantworten, wenn ich sie um ihren Sohn bring. Ich sagt' endlich, ich will mit dem Herrn Pater Anton sprechen, was Er davon hält? Ob er unsern Sixt nicht auf bessre Gedanken bringen kann? Ich hab zu Ihnen ein gross Zutrauen, Ihr Wohlehrwürd. Der neue Herr Pfarr ist erst angekommen, den kenn ich noch nicht so. Da wollt ich Sie denn bitten, was Sie dazu sagen? ob Sie meinem Sohn nicht zureden wollen?
P. Anton. Wenn ich die Wahrheit sagen soll, Franz, so seid ihr mir ein wunderlicher eigensinniger Mann. Ihr habt einen einzigen Sohn