und ist ganz gewiss für meine Wahl. Er ist ungeheuchelt fromm, und man darf mit ihm mehr von der Religion reden, als mit irgend einem Hofmann. Auch von meiner Schwester hoff ich viel. Wenn sie so ist, wie sie war, dann tritt sie ganz gewiss auf meine Seite, und über meinen Onkel vermag sie alles. Nur vor meinem Schwager darf ich nichts sagen; der ist ganz Hofmann, und glaubt, zwischen den Bürgerlichen und dem Adel müss' eine ewige Kluft befestigt sein. – Sieh, Brüderchen, ich denke, es geht gut. Wir wollen Gott drum bitten, und das Beste hoffen! sagte Siegwart. Niemand kann dir mehr einen glücklichen Ausgang wünschen, als ich, denn ich liebe, nach Marianen, dich und meine Schwester über alles.
Sie gingen nun aus, um Pferde zu bestellen. Dahlmund kam drauf zu ihnen, und klagte, dass ihm seine Brünette gestern ungetreu geworden sei. Sie habe sich mit einem schlechten Kerl abgegeben, der schon zwei- oder dreimal Schulden und liederlicher Streiche halben auf dem Karzer gesessen habe. Er tat ganz verzweifelt und untröstlich, schlug sich vor die Stirne, knirschte mit den Zähnen, weinte vor Wut, und sagte endlich: Entweder ich muss sterben, oder Er? Feder und Dinte her! Ich schick ihm eine Ausforderung. Kronhelm, du must mir sekundiren!
Bist du toll, Dahlmund? sagte Kronhelm. Mit dem schlechten Kerl dich schlagen. Dein Leben an ihn setzen! Was hast du davon, wenn du ihn niederstichst? Wird das Mädel dadurch besser? Möchtest du sie dann wohl wieder haben? Du weist selbst, dass jeder Zweikampf, den man selbst sucht, Torheit und Verbrechen ist; wir haben schon einmal davon gesprochen. Aber hier trifft das doppelt ein. Der Kerl ist schlecht, das sagst du selbst. Alles, was noch Gutes an ihm ist, das ist sein Leben, weil er es noch einmal dazu brauchen kann, sich zu bessern, der Welt etwas nutz zu werden, und dem Elend zu entgehen, das ihn in der Ewigkeit erwartet. Darfst du einem Menschen den Weg zu seinem Glück abschneiden? Oder willst du sein Teufel werden, und ihn in die Hölle jagen, und dir dadurch dein Leben auch zu einer Hölle machen? denke einmal, was ein Mörder für ein unseliges geschöpf ist? Fliehen muss er vor Menschen und vor Gott; darf nicht mit sich selber reden, denn es ruft aus ihm heraus: Du bist ein Mörder. Blut sieht er überall, darf keinem Menschen ins Gesicht sehen, und hat Höllenquaalen, ausser sich und in sich. Das heist sich warlich schön gerächt, wenn man sich selbst einen Dolch ins Herz stöst, dass es ewig blutet. Dem Teufel gibt man Satisfaktion, und nicht sich selbst, wenn man ihm einen schlechten Kerl zuschickt, und wohl selber nachfolgt. Und dann ist es ja so ausgemacht nicht, dass du ihn gerad niederstichst; er hat ja auch einen Degen, und kann eben so gut treffen, als du. Ist der Kerl wohl dein Leben wert, und dein Glück in alle Ewigkeit? Darfst du nur damit schalten und walten, wie du willst? Du hast brave Eltern, die so viel an dir tun, und Trost und Freud im Alter von dir erwarten, und nun mit Gram und Kummer vor der Zeit ins Grab sänken; die nicht ohne Graus an dich denken könnten, und im Tod einander sagen müsten: Er hat uns umgebracht, und nun treffen wir ihn doch nicht an. Heist das, seinen Eltern Freude machen, und ihnen für das lohnen, was sie an uns taten? Heist das, ein ehrlicher Kerl sein, geschweige denn ein Christ? Das heiss ich mir recht auf Ehre halten, und ein Schurke gegen sich und andre werden! Besinn dich, lieber Dahlmund! Sieh, du bist der Welt viel schuldig, hast so gute Gaben, die dir Gott gab zur Verwaltung, dass du Menschen segnest, und sie glücklich machtest. Sieh, du hast uns, und wir sind dir herzlich gut, und du bist uns Freundschaft schuldig! Wirf dein Leben nicht einem schlechten Kerl hin. Handle nicht so gegen Gott, und dein eigenes Glück! Ich bitte dich um Gottes und um deinetwillen, komm wieder zu dir selbst! Du bist sonst ein Mensch und hast Religion, und willst nun alles das mit Füssen treten. Nicht wahr, du folgst mir, Dahlmund? Indem umarmte er ihn. Dahlmund ward gerührt, und weinte. Vergebt mir, Brüder! rief er, dass ich so ein Narr war! Ich wills nicht tun! Lieber mag man mich für einen feigen Kerl halten!
Das bist du deswegen doch nicht, sagte Siegwart; du hast dich letztin männlich gewehrt, als dich die zwei Studenten mit dem blossen Degen angriffen. Man kann Mut haben, ohne ihn zum Schaden andrer ohne Not zu brauchen. Ich schlage mich gewiss nicht, aber deswegen komm mir keiner und necke mich! Ich will ihms zeigen, dass ich meine Faust und meinen Degen nicht umsonst habe. Und bei den groben Schlägern fehlts gar oft an Herz, wenn es auf wirkliche Verteidigung ankommt. Beim bösen Gewissen gibts keine wahre Herzhaftigkeit, und ein gutes Gewissen hat der niemals, der vorsetzlich, um einer Kleinigkeit willen, sein Leben aufs Spiel setzt, oder nach dem Leben eines andern trachtet. – Aber