Blicke hatten eine Sprache, die mehr ausdrückte, als tausend Worte. Er war immer da, wo sie war. Sein Auge merkte sie aus zwanzigen heraus, und fand sie, wenn sie auch am äussersten Ende des Saals stand. Mit andern Mädchen tanzte er wenig; er stand immer da, wo seine Mariane tanzte. Einmal bemerkte er einen Menschen, der oft, und immer lang mit ihr tanzte. Er ward darüber unruhig, biss sich auf die Lippen und tanzte. Mit hingesenktem, trübem blick stand er in einer Ecke des Saals; alles war um ihn her verschwunden; er sah und hörte nichts. Mariane kam, ohne dass er es merkte, von der Seite auf ihn zu, nahm ihn bei der Hand, sah ihn halblächelnd an, und sagte: Sie sind ja so traurig und so nachdenklich? Wollen Sie nicht mit mir tanzen? Ich kann den Menschen dort im grünen Kleid gar nicht los werden, und das ist mir so verdrüsslich. Kommen Sie! Ein Schleifer! (So heist der eigentlich schwäbische Tanz) Siegwart küsste ihr im feurigen Entzücken die Hand, und hüpfte mit ihr in den Reihen. Sie tanzte herrlich schwäbisch. Alle Paare wurden müd, und hörten auf. Aber das liebe Paar tanzte noch eine halbe Viertelstunde allein, und die andern sahen bewundernd, oder neidisch zu. – So ist es eine Freude, sagte sie, indem sie den Tanz schlossen. Sie tanzen so rasch und so leicht weg, dass man glaubt, man fliege. Er führte sie an eine Seitenbank, und stand vor ihr. Sie sind doch warm geworden, sagte sie, und kühlte ihm mit dem Fächer das Gesicht. Er nahm den Fächer, und kühlte damit sie und sich. Sie sah nach ihm auf, wie eine Heilige zum Himmel. Er nahm ihre Hand, und wendete das Gesicht weg, denn sein Auge glänzte. Sie drückte ihm die Hand; er küste sie. Reden konnte' er nicht, ob er gleich sich hin und her besann, was er sagen wolle. Das ist ein herrlicher Tag! fing er endlich an. Sind Sie auch vergnügt? – Wie sollt ich nicht? war ihre Antwort, und ihr Auge sagte noch mehr. Setzen Sie sich doch! fuhr sie fort; Sie werden müde sein. Er setzte sich, ob er gleich lieber so vor ihr gestanden wäre. Ich habe lange schon gewünscht – fing er an, und faste sie bei der Hand. Indem kam ein Student, und zog sie zum Tanz auf. Er blieb unbeweglich sitzen, und liess sie von sich. Mit schmachtendem, und halbaufgeschlagenem Auge sah er das herrliche Mädchen vor sich herumtanzen. Sein Auge folgte ihr, wohin sie sich wendete. Kronhelm kam, und setzte sich neben ihn. Wie ist dir, Bruder? Du bist doch vergnügt? Siehst so schmachtend aus, als ob du sterben wolltest. Nicht wahr? Mariane ist dir hold? Ich weis nicht, antwortete Siegwart; Sie hat nichts gesagt. – Ei, das glaube ich, antwortete Kronhelm; seit wann fangen denn die Mädchen an, Liebeserklärungen zu machen? Hast du denn ihr Auge nicht gesehen, wie es spricht? Trink Wein, Bruder! Ein Gläschen kann nicht schaden, wenn du selber keinen Mut hast. Du must heute weiter kommen! – Ach, ich kann nicht! sagte Siegwart. – Ei, was, Possen? fiel ihm Kronhelm ein, nahm ihn bei der Hand, und führte ihn zum Tisch hin. Marianens Wohlsein! sagte er, indem er zwei Gläser eingeschenkt hatte: und Teresens! Was mag nur der Engel machen? Wenn sie mich nur nicht vergisst! – Nein, gewiss nicht, Bruder! sagte Siegwart. Wäre Mariane so gewiss mein, als sie dein ist, ich wünschte weiter nichts mehr! Nun, auf gute hoffnung! und hier füllte er die Gläser wieder. Schwager, sagte Kronhelm, wenn sie mein wird, so soll Mariane dein sein! Eher kann ich nicht ruhen. Wart! Jetzt will ich mit ihr tanzen. Sie ist eben frei. werde mir nur nicht eifersüchtig! Siegwart sah ihm nach, und trank noch ein Glas. Dahlmund kam, und fragte ihn, ob er nicht mit ihm und Kronhelm eine Menuet a six machen wolle? Siegwart nahm das erste beste Mädchen, und sprang hin. Mariane drückte ihm allemal die Hand, wenn er sie hinauf führte. Er drückte die ihrige wieder, und sah in seinem Sinn so stolz umher, als ob ihm die ganze Welt gehörte. Sie machten eben diesen Tanz auch deutsch, und gingen dann an den Tisch. – Darf ich wirklich zuweilen in Ihr Haus kommen? fragte Siegwart Marianen. O Sie müssen kommen! antwortete diese. Halten Sie ja bald Wort! Ich hätt es lange schon gewünscht; aber es wollte sich nicht schicken. Kommen Sie doch ja bald! – Lieber Engel! sagte Siegwart ganz ausser sich, und küsste ihr die Hand. – Ich habe noch den Gessner von Ihnen, sagte sie, nach einiger Zeit; in drei oder vier Tagen sollen Sie ihn haben. Ich habe viel herrliches drinn gefunden. Besonders hat mir sein Daphnis wohl gefallen. Unschuld und Liebe, wenn man die so wahr geschildert sieht, da geht einem das Herz auf. Es ist einem so wohl, dass man gleich ein Schäfer werden möchte. Ich habe solche Gemählde