, Joseph, war so höflich nicht; er ärgerte sich, dass seine Eltern dem Siegwart, seines Violinspielens wegen, so höflich begegneten; Er hielt es für eine Verachtung seiner selbst, und hatte es noch nicht vergessen, dass Siegwart einmal im Koncert ihn mit seinem Spiel so verdunkelt hatte. Daher sprach er sehr wenig mit Siegwart, blickte stolz auf ihn herab, und liess allerlei spöttische und zweideutige Reden fallen. Siegwart merkte es, tat aber doch sehr freundschaftlich gegen ihn, und gab sich Mühe, ihm eine günstigere Gesinnung gegen sich einzuflössen. Der Bruder sagte Marianen, es werde nicht gut stehen, wenn sie wieder so spät nach haus komme, wie das letztemal; Man spreche von solchen Mädchen nicht zum Besten, u.s.w. Mariane, die mit ihrem Anzug beschäftigt war, tat, als ob sie seine Hofmeisterei nicht hörte.
Als sie fertig war, ging sie mit Siegwart nach dem Ball. Auf dem Weg dahin beschwerte sie sich über ihren Bruder. Es ist ein fataler Mensch, sagte sie, dem man nichts recht machen kann; er will alles besser wissen. Sie wissen sich gut in ihn zu schicken, und das gefällt mir, u.s.w. Siegwart war über ihre Offenherzigkeit ganz bezaubert, und zog tausend günstige Schlüsse daraus.
Als sie auf den Tanzsaal kamen, ward alles auf Marianen aufmerksam. Sie hatte ein Kleid von rosenrotem Tafft an, und glich in ihrer Heiterkeit und der frischen Gesichtsfarbe der Göttin der Morgenröte. Kronhelm hatte an der Tafel schon einen Platz für sie neben sich belegt. Noch vor dem Essen muste Siegwart eine Menuet mit ihr tanzen. Anfangs zitterte er, und machte fast alle Schritte falsch. Nach und nach kam er in den gang, und tanzte recht zierlich. Alle ihre Bewegungen hatten die gröste Leichtigkeit und Ungezwungenheit, und den schönsten Anstand. Sie tanzte nicht ängstlich nach dem Takte, sondern mit Empfindung und Gefühl, und machte viele Abänderungen. Sie sah unserm Siegwart immer ins Gesicht, so dass er oft die Blicke wegwenden, oder niederschlagen muste. Bei Tisch ward die Gesellschaft aufgeräumt und munter. Man sprach viel ins Allgemeine. Das Mädchen, das Kronhelm bediente, war eine lustige, etwas vorlaute Brünette, die sehr oft zur Unzeit ihren Spass anbrachte. Sie wollte immer aller Augen, und die Aufmerksamkeit der ganzen Gesellschaft auf sich ziehen. Endlich liess sie sich doch mit Dahlmund, der ihr auf der andern Seite sass, und nicht gleichgültig gegen sie zu sein schien, allein in ein Gespräch ein. Kronhelm unterhielt sich nun mit Marianen, und mit Siegwart, der im Taumel seiner Liebe nicht wuste, was er anfangen, oder reden sollte? Kronhelm sah eine Zeitlang starr und traurig vor sich hin, holte einen tiefen Seufzer, grif endlich hastig nach dem Glas, stiess an Siegwarts seines, und sagte: Terese! O, das trink ich auch mit, sagte Mariane, und stiess mit den beiden an. kennen Sie sie auch? sagte Siegwart. O ja, gab sie zur Antwort: Herr von Kronhelm hat mir viel von ihr erzählt. ist es noch immer bei dem Alten? (indem sie sich zu Kronhelm wendete). Immer noch, erwiderte dieser, mit einem tiefen Seufzer. – Das ist traurig, sagte sie. Und Sie verdienten doch, so glücklich zu sein, und Terese gewiss auch. Ihr Schicksal hat mich schon manchen Seufzer gekostet. Hier schossen unserm Kronhelm die Tränen in die Augen. Sie müssen eine herrliche Schwester haben, sagte sie zu Siegwart. Was ich von ihr hörte, hat mich ganz für sie eingenommen. Ich wünschte nichts mehr, als sie von person zu kennen. – Ja, es ist ein braves Mädchen, versetzte Siegwart, und es wär ein Glück für sie, mit Ihnen bekannt zu sein. Ich liebe sie herzlich, und ihr Schicksal geht mir tief zu Herzen, denn es ist gewiss sehr traurig. Die Liebe hat sie ganz unglücklich gemacht. – Ich hoff immer noch, es soll ein gutes Ende nehmen; sagte Mariane. Herr von Kronhelm verdient sie gar zu sehr, und würde sie gewiss glücklich machen. Wenn Sie nur Geduld haben können, Herr von Kronhelm! Ich habe Ahndungen – Wollte Gott! sie träfen ein! sagte dieser seufzend, nahm ein Glas, sah gegen Himmel und trank. Wir wollens auch mit trinken, sagte sie zu Siegwart, und sah ihn mit einem sehr bedeutenden blick an, den sein Herz verstand. Er hub sein feuchtes Auge gegen Himmel, und trank. Nun ist mir es um ein gutes leichter, sagte Kronhelm.
Es war jetzt abgespeist, und ein Paar fing an zu tanzen. Siegwart tanzte auch mit Marianen. Er merkte wieder, dass sie ihm immer in die Augen sah. nachher gab er Acht, als ein andrer mit ihr tanzte, ob sie diesem auch so scharf ins Gesicht sehe? und zu seiner grössten Freude fand er das Gegenteil. nachher ward ein Gesellschaftstanz mit der Promenade und der Chaine gemacht. Siegwart hatte Marianen zur Tänzerinn. So oft er sie bei der Hand faste, fand er, zu seiner grössten Freude, dass sie ihm die Hand weit stärker drücke, als die übrigen Mädchen; er freute sich, so oft er ihr nahe kam, und bei jedem ihrer Händedrücke durchschauerte ihn die angenehmste, unbeschreiblichste Empfindung. Ihr Auge sah ihn oft auch bedeutend an, und ihre