; der weisse Schaum stand ihm zwischen den Zähnen; er klammerte sich mit den Händen fest an, wenn er was zu fassen kriegte, und hatte fast übermenschliche Stärke. Endlich brachten sie ihn doch wieder aufs Lager. Er sprach unaufhörlich fort, zankte sich mit seinem Vater, glaubte zuweilen, den bösen Feind vor sich zu sehen, lachte fürchterlich laut, und weinte dann wieder, wie ein Kind. Sein Zustand drang seinen beiden Freunden tief ins Herz, dass sie sich mit Tränen, und mit Seufzern ansahen. Einmal hielt er ein langes, rührendes Gebet an die Mutter Gottes, richtete sich auf, hub die hände in die Höhe, nannte sie zuweilen Mariane, und sank entkräftet wieder aufs Bett zurück. Siegwart und Boling wusten sich kaum mehr zu helfen. Nach dem Arzt konnten sie nicht gehen, weil keiner sich, allein bei ihm zu bleiben, getraute, und im haus schlief noch jedermann. Sie warteten mit sehnsucht auf den Morgen. Endlich brach er an. Sie schickten eiligst nach dem Arzt. Dieser zuckte die Achseln, verordnete eine Aderlässe, und versprach wenig hoffnung. Nach dem Aderlassen ward der Kranke etwas ruhiger, und schlummerte ein wenig ein. Zwei Stunden nachher wachte er mit grossem Schreien wieder auf, riss die Binde von der Ader weg, und verblutete sich, eh man ihm beikommen konnte, so, dass er in eine Ohnmacht sank. Der Arzt, der herbeigerufen wurde, brachte ihn, nach vieler Mühe wieder zu sich selbst. Er war so matt, dass er kaum reden konnte. So lag er den ganzen Tag da, und erholte sich erst gegen Abend wieder etwas. Siegwart kam keine Viertelstunde von seinem Bette. Auf sein Verlangen muste er ihm die letzten Reden Jesu im Johannes, und Semidas Selbstgespräch im vierten Gesang der Messiade vorlesen. Beide waren sehr gerührt. Der Kranke hub seine Augen in die Höhe, und sagte: Segen dem mann, der die Heiligkeit der Liebe so tief gefühlt hat! Wohl dem, der, wie er, fühlt! Dann betete er still zu Gott; rief einigemal laut: Gnade mir, Erbarmer! und dann weinte er. Segne Marianen! sprach er leiser. Gib ihr einen Mann, der fromm und rein liebt!
Den ganzen Tag über lag er matt da; seine Kräfte nahmen sichtbar ab. Gegen Abend schien sein Ende nahe. Lieber Siegwart, sagte er: Versichern Sie meinen Vater meiner Liebe, meines Danks, und meiner Reue! Sagen Sie ihm, dass ich Marianen liebte; dass ich durch sie fromm ward, und nun freudiger zu Gott geh! Ich wollt ihn durch mein Aussenbleiben nicht betrüben. Eine innre, unbekannte Kraft hielt mich zurück. Es war mehr, als Liebe. Ihr zu widerstehen, war mir unmöglich. Sagen Sie ihm alles, alles! –
Nach einigem Schweigen fuhr er fort: Noch einmal, um Gottes willen, lieber Siegwart, bewahr das im Herzen, was ich gestern sagte!.. Lass dich nicht verführen! ... bleibe dir und Gott treu! ... Sags auch Kronhelm! ... Dank ihm! ...
Siegwart konnte nichts, als weinen. Auf Einmal entstand im Haus unten ein Lerm. Das will ich sehen, obs so schlecht ist? rief eine rauhe stimme. Er soll und muss mit mir fort, der Ungeratene! Indem stürzte Gutfrieds Vater in das Zimmer, Kronhelm hinter ihm drein, und aufs Bette zu. Heh! Kerl! rief der Vater, und schüttelte seinen Sohn. Plötzlich, als er seinen Sohn im Todesschweisse sah, blieb er wie erstarrt stehen. Mit der einen Hand hielt er seinen Sohn, und die andre hub er in die Höhe. – Was ist es? sagte er, mit zerstörten Blicken, zu Siegwart. Will er sterben, oder ist er schon? – Karl! und nun schüttelte er ihm die Hand; um Gottes willen, Karl! du lieber Karl! Was ist es? – Der junge Gutfried hub seine Augen auf; eine Träne glänzte drinn, und schloss es wieder zu. Der kalte Todesschweiss stunde ihm auf der Stirne. Er lag unbeweglich da. Der Vater liess seine Hand unwillig fahren, ging weg, sah gegen Himmel, seufzte tief, und sprach: Nun ist es aus mit mir! Deine Mutter, deine Mutter! Gott! ich habs verschuldet! – Karl! Karl! Sie hat mir es gesagt. Nun warf er sich stumm über seinen Sohn her, küste ihm den letzten Atem aus dem Mund; der Sohn war tot. – Der Vater setzte sich ans Bette, sah den Sohn lang und starr an. Endlich murmelt' er: Gott! sobald mit deinen schrecklichen Gerichten! – Hat er mir geflucht? – Sie gesegnet, sagte Siegwart. – Gut! ich habs doch nicht verdient! versetzte der Vater. Hab doch seine Mutter ins Grab gebracht, durch Untreu! – Aus dem Haus soll sie mir, der Hund! Ich kann keine Hure sehen! Ich bin ein Ehebrecher! – Lieber Karl! Bist du bei der Mutter? Ach, verklag mich nicht! Verklag mich nicht! – Nun stürzte er sich wild über seinen toten Sohn her, und küste ihn, dass er ihm die Lippen aufbiss. – Der Bube war doch fromm? Nicht? – Nun, so mag er für mich bitten! – Aber, ach,