wenig Aufmunterung, dich zu zerstreuen? Ich weis wohl, und es tut mir leid. Aber wer kann für sein Schicksal? Wenn man so viel Gram im Herzen hat, wie ich, wie kann man da noch froh und munter sein? Mach dir zuweilen eine Veränderung! – Gut, ich wills tun, Kronhelm! sagte Siegwart zärtlich. Bei der nächsten Schlittenfahrt will ich auch sein! Du must Geduld mit mir haben! Vielleicht wirds bald besser! – Er ging auf die Seite, und wischte sich die Augen. Kronhelm konnte nichts sprechen, und ging nach etlichen Minuten auf sein Zimmer, unter dem Vorwand, sich anzukleiden, denn sie assen jetzt auf Gutfrieds Zimmer, weil er krank war. – Siegwarts Schmerz brach nun in lautes Schluchzen aus, als Kronhelm weg war. – Gott! was bin ich für ein Scheusal! dachte er; wie hab ich meinem besten liebsten Kronhelm Unrecht getan! – Er ist ein Engel, und ich bin ein Teufel! – Ach, ich bin seiner Liebe nicht wert! ... Vergib mir, Gott! Vergib mir, Kronhelm! ... Ach, ich bin ein Teufel!.. Er meints so redlich mit mir, und ich bin so treulos! ... Bin so scheuslich undankbar! ... Vergib mir, Lieber, wenn dirs möglich ist! – Mariane hat nach mir gefragt! ... Das ist mehr, als ich verdiene!.. Ach, dass ich so ein schändlicher Kerl bin!.. Vergib mir, Gott! ... Mariane, Mariane! O du Engel!.. Wenn ich deiner wert wäre!.. O vergib mir, Gott, dass ich so hart war gegen meinen lieben, sanften, freundschaftlichen Kronhelm!
Indem kam Kronhelm wieder aufs Zimmer, und sahs noch, wie sein Freund sich die Augen wischte. Er umarmte ihn stillschweigend. Arm in Arm, und Brust an Brust, blieben sie lang so stehen, und gingen endlich mit einander zu Gutfried. Sie trafen ihn sehr bestürzt an. Er hatte einen Brief vor sich liegen, und lehnte sich, mit weinenden Augen, über ihn hin. Nun soll ich fort! sagte er. Mein Vater hat mir heute geschrieben. Er ist sehr böse, dass ich schon über die Zeit ausgeblieben bin, und droht, mich zu enterben, wenn ich nicht zwischen heute und drei Wochen zu haus sei. Das kostet mich, bei Gott! mein Leben; ich fühls schon. Ich kann an keinem andern Ort sein, als wo sie ist! Das weis mein Vater, und ich soll doch fort. O, ich möchte rasend werden über das verwünschte Schicksal, das mich hieher brachte! Seit ich Marianen sah, hatte ich keinen, ganz frohen, Augenblick, und das dauert nun schon ins zweite Jahr. Nun soll ich gar sie nicht mehr sehen. Das einzige, was mich bisher noch erhalten hat; sonst wäre ich längst tot. – Sagt, was fang ich nun an? Beides ist gleich schrecklich: Ohne sie sein, und von seinem Vater enterbt und verflucht werden. Er hält Wort; ich kenn ihn schon. – Nun ratet mir! Siegwart und Kronhelm zuckten die Achseln; keiner wuste, was er sagen sollte? – Nicht wahr, sagte er, ihr könnt mir auch nicht raten? Und wie solls nun ich? – Das beste ist, dass es nicht mehr lang währt! Es steckt mir so schon etlich Tage her ein Schelm im Leib. – Nur das Weggehn, davor graut mir! Ich wollt mir lieber jetzt gleich eine Kugel vor den Kopf schiessen lassen; so wärs doch mit Einemmal aus! – Gleich in drei Wochen weg! Das läst sich kaum denken, geschweige tun.
Kronhelm und Siegwart trösteten ihn, so gut sie konnten; aber alles half nichts. Er war viel zu heftig. – Ihr seid nicht klug, sagte er, wenn ihr mit Worten etwas auszurichten glaubt! Da, da, (auf die Brust zeigend) sitzt es. Ihr müst mir erst dieses Herz aus dem leib reissen; dann wirds besser! Ich weis, was ich schon seit Jahren her um sie geduldet habe, da sie mich nicht Einmal ansah, wie ichs wünschte. Bloss an ihrem Anblick hab ich mich geweidet; der erhielt mich noch; aber nun ist es aus mit mir. Zwar bleib ich hier, das hab ich schon beschlossen; aber der Fluch meines Vaters, den ich lieb und ehre – denn er ist ein braver Mann – der wird mich tödten. – Und ich wette, er läst mich mit Gewalt wegholen, wenn ich nicht komme; er wollts schon vor einem halben Jahr tun, da hielt ihn meine Mutter noch zurück. Nun ist sie tot, und kein Mensch auf Erden kann ihn halten. – O, ich bin ein Unglückskind! – Mit diesen Worten schlug er sich vor die Stirne, dass es wiederhallte. – So rasend hab ich dich noch nie gesehen; sagte Kronhelm; mir ist bang für dich. – Mir auch; fiel Gutfried ein. So toll war es aber auch noch nie! Ich weis, wie mir es war an Ostern, als ich nur acht Tage von ihr weg war; und nun auf mein ganzes Leben! O, ich halt es nicht aus! Wenn nur das Gift, das ich in