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! Ich hab oft mit ihm drüber gesprochen. Der wollt auch so über die Ketzer her. Aber euer jetziger, der wirds euch ganz anders sagen, fragt ihn nur!

Michel. Ach, Ihr Wohlerwürd, wenn ichs nur nicht getan hätt! nun geht mir es erst recht nah.

P. Anton. Nun, nun. Es ist mir lieb, dass auch noch ein guter Funken in euch ist! Reu und Leid über seine Sünden ist der Anfang zur Besserung. Und dann wird euch Gott um Christi willen auch gnädig sein, wenn ihrs nur von Herzen meint. Da, geht hin, gebt eurer Frau die Hand, und bittet sie um Verzeihung! (Indem stand P. Anton und Siegwart auf; die Frau trat näher und weinte. Siegwart, und das Mädchen schluchzten, und der kleine Knabe weinte auch mit.) Nun, in Gottes Namen gebt einander die hände! – Michel, es ist euch doch Ernst?

Michel. Ja warlich, recht von Herzen Ernst, Ihr Wohlehrwürd. – Verzeih mir nur, liebes Weib, was ich dir hab zu leid getan! Es soll gewiss nicht wieder geschehen. Verzeih mir du auch, Catrine! Der liebe Gott mag mir es auch verzeihen, dass ich bisher so ein Mensch war, und mit den Lutrischen so umginglNicht wahr, liebes Weib, du vergibst mir, wenn mir es leid ist? Sollst künftig einen ganz andern Mann an mir haben. Ich will dir so fromm sein, als ein Lamm. Kannst den Armen meinetwegen geben, so viel du willst ...

Die Frau konnte vor Weinen nicht sprechen, und fiel ihrem Mann schluchzend um den Hals. Es war ein Anblick, da sich Heilige und Engel drüber freuten. P. Anton sah beim Fenster hinaus, und wischte sich die Augen. Siegwart suchte seine Tränen mit dem Schnupftuch zu verbergen. Dieser Auftritt machte auf sein ganzes Leben einen tiefen Eindruck in sein Herz. Es hatte ihm immer in der Seele weh getan, wenn er den Luteranern und den Juden ärger als dem Vieh begegnen sah. Er dachte immer, ob denn Gott so abscheuliche Menschen auf der Welt dulden könne, die man so verachten müsse? Und nun hatte er den P. Anton noch gedoppelt lieb, weil er so seine Meinung hatte, die er nie an Tag zu legen wagen durfte. Der Bauer war nun so liebreich und freundlich, wollte alles auftragen, was er hatte, um dem Pater nur recht seine herzliche Dankbarkeit zu bezeugen. Seiner Frau, und den Luteranern begegnete er von dem Augenblick an, und sein ganzes Leben durch, mit wahrer ehelicher Zärtlichkeit, und ungeheuchelter christlicher Liebe. Wenn er hitzig werden wollte, fiel ihm dieser Tag, und das ungelehrte aber treuherzige, und eben darum tief eindringende Zureden des P. Anton ein, und da war wieder Fried und Menschenliebe in seiner Seele. Er schafte sich heimlich eine Bibel an, und las am Sonntag, oder an den langen Winterabenden darin, und da fand er, dass Gott keiner Religionspartei befohlen habe, die Ketzer zu hassen, oder zu verfolgen; vielmehr dass das erste und wichtigste Gebot: Liebe gegen Gott und gegen Alle Menschen sei. Seine Frau sah sich, wie in einem neuen Leben; sie glaubte, das Paradies sei wieder aufgeschlossen worden, und schloss täglich mit Tränen in ihr Gebet den rechtschaffenen Pater Anton ein, der sie seit diesem Tage allemal besuchte, wenn er in ihr Dorf kam.

Voritzt wollten sie ihn mit Gewalt noch länger bei sich behalten, und ihm Kuchen und Wein vorsetzen; aber er verbats, denn sein Herz war belohnt genug. Lasst mich jetzt weiter, lieben Leute, sagte er; ich muss noch zum Klosterbauren; Er hat mir schon ein paarmal sagen lassen, ich möchte doch ja zu ihm kommen, wenn ich hier im Dorf wäre; Er hätte mir gar was wichtiges zu sagen; ich weiss nicht, was es sein mag? Ich wollte doch noch ins nächste Dorf; aber das wird für heute wohl zu spät sein. Nun, ein andermal! Lebt wohl, Michel, und haltet, was ihr mir versprochen habt! Und ihr, Anna, bleibt bei euren guten Gesinnungen! so wirds euch wohl gehen.

Er ging, von den ausgesöhnten Eheleuten noch eine Strecke weit begleitet, mit Siegwart zu dem Klosterbauren.

Als er von hintenzu durch den Garten nach dem haus ging, sah er in der Ecke des Gartens den Sohn vom haus traurig da stehen, und am Zaun was ausbessern. Der junge Mensch nahm den Hut freundlich ab, und sah dem Pater lange schwermütig nach. Dies bemerkte der junge Siegwart, und hatte Mitleid mit ihm. Sie traten ins Haus, und trafen den bauern an, der eben aufs Feld hinaus gehen wollte. Hastig lehnte er die Harke an die Wand, nahm den Hut ab, und rief: O Herr Pater, sein Sie mir tausendmal willkommen! Ich hab schon so gar lang auf Sie gewartet, wollt was wichtiges mit Ihnen reden. Sieh, das ist ja des Herrn Amtmanns Sohn; willkomm, junger Herr! Wo bringen Sie denn den her, Ihr Wohlehrwürd? Vom Kloster, sagte Anton, er ist bei uns, und will auch ein Geistlicher werden. Ei, Ei, sprach der Bauer, das ist schön! Ja, ja, der Herr Amtmann hat halt Mehr Kinder, da muss er