, und lud ihn zum künftigen Winterkonzert ein. Können Sie mir nicht sagen, setzte er hinzu, wo Herr Siegwart wohnt? Ich soll auch zu ihm. O ja, antwortete Kronhelm; hier ist Herr Siegwart selbst. Der Bediente richtete eine Empfehlung an ihn vom Hofrat Fischer aus, und sagte ihm, der Herr Hofrat würde ihn auch gern im Koncert sehen, weil er gehört habe, dass er die Violine und die Flöte spiele. Siegwart wuste nicht, was er in der Verwirrung antworten sollte? Machte viele Komplimente, und sagte zu. Als der Bediente weg war, sagte er zu Kronhelm. Es ist mir nur halb lieb, dass ich zugesagt habe; der Hofrat möchte glauben, er erweise mir eine grosse Gnade, und Gnaden nehm ich eben nicht gern an. Kronhelm zeigte ihm, dass das Grillen wären; man müste in der Welt nicht alles so genau nehmen etc. und beruhigte ihn. Im grund freute sich Siegwart über den Antrag sehr; er wollte sich nur recht gleichgültig bei der Sache stellen, um desto weniger entdeckt zu werden. Am Sonntag sah er seine Mariane in der Kirche wieder; sie entzückte ihn immer mehr, und einigemal glaubte er zu bemerken, dass sie Anteil an ihm nehme. Wenigstens waren ihre Blicke oft auf ihn geheftet, und, wenn er bei Gutfried war, sah sie fleissig aus dem Fenster.
Am Mittewoch nahm das Konzert seinen Anfang. Siegwart ging mit schwerem Herzen hin, nachdem er sich vorher sehr sorgfältig angekleidet hatte. Als er in den Saal trat, machte er dem Hofrat ein verwirrtes Kompliment. Dieser war sehr höflich, freute sich, ihn wieder in seinem haus zu sehen, sagte, dass er viel Gutes von seinem Violin- und Flötenspielen gehört habe, und stellte ihn dann seiner Frau, und seiner Tochter, die an der Seite standen, mit den Worten vor: Das ist der junge Herr Siegwart, dessen Vater ein alter Freund von mir ist. Die Mutter, eine Frau von der angenehmsten Bildung, machte ihm ein sehr verbindliches Kompliment. Mariane verneigte sich stillschweigend. Siegwart glühte im Gesicht, und bückte sich, ohne ein Wort zu sprechen, sehr tief. Drauf stellte ihn der Hofrat der übrigen Gesellschaft vor, und bat ihn, bei der Symphonie die zweite Violine mit zu spielen. Siegwart war froh, dass er etwas auf die Seite gehen, und Luft schöpfen konnte. Er stimmte seine Violine, und konnte sie, in der Angst, kaum zu stand bringen. Endlich ging das Konzert an. Mariane sass unserm Siegwart gegenüber. Er machte in seinem Spiel tausend Fehler, und ward noch verwirrter, weil er fürchtete, die Zuhörer möchten es merken. Endlich erholte er sich etwas von seiner Verwirrung, und spielte ordentlicher. – Bei einem Flötenkonzerte, das Gutfried machte, ruhte er, und lehnte sich an die Wand, Marianen gegenüber. Er glaubte, bei der schmelzenden Musik, und dem Anblick seines Mädchens, das er noch nie so nah bei sich gesehen hatte, zu vergehen. Sie sass, in aller ihrer Anmut, aufs niedlichste und kunstloseste gekleidet, da; ihre Seele war ganz auf die zärtliche Musik gerichtet; sie schien jeden wahren Ton im Innersten zu fühlen, und drückte oft ihren Beifall durch eine kleine Bewegung aus. Oft hub sie ihr schönes auge in die Höhe, und richtete es dann auf Siegwart, der, in überirdische Entzückungen versunken, da stand, und vor lauter Empfindung nichts von dem fühlte, was um ihn herum vorging. Zuweilen drang sich ihm ein tiefer Seufzer aus der Brust, den er ängstlich zu verbergen suchte. Selten wagte er es, sie lange anzusehen, weil er von tausend Augen bemerkt zu werden glaubte. Mariane sang diessmal nicht; ein paar andre Frauenzimmer aus der Stadt sangen ziemlich artig. Als das Konzert zu Ende war, so wurden einige Solos und Konzerte auf die künftige Woche ausgeteilt; Kronhelm übernahm eins, und auch Dahlmund; aber unsern Siegwart traf noch keins. Eh man auseinander ging, sprach Kronhelm mit Marianen ziemlich bekannt. Diess tat unserm Siegwart weh, ob er ihm gleich so herzlich gut war.
Sonst aber war es ihm, als ob er neu gebohren wäre. Nun sah er einen frohen, wonnevollen Winter vor sich. Sie alle Wochen Einmal, und des Sonntags in der Kirche zu sehen, war für ihn ein Glück, das er jetzt nicht grösser wünschte. Ihre Blicke schienen ihm auch viel Gutes zu prophezeihen, und das freundliche Betragen des Vaters füllte ihn mit tausend Hofnungen. Als sie zu haus waren, sagte Kronhelm: Nun, wie gefällt dir die Fischerin? Ist sie nicht ein herrliches geschöpf, und zum Anbeten schön? – Von Aussehen gefällt sie mir recht wohl, antwortete Siegwart ganz kalt. – Das glaube ich, sagte Kronhelm; aber ihr Herz solltest du erst kennen! Wart, ich will schon machen, dass du noch genauer mit ihr bekannt wirst. Da sollst du deine Wunder sehen! O, sie hat ein himmlisches Gemüt! Nach deiner Schwester kenn ich gar kein bessres Mädchen. So viel Verstand, so viel Empfindung und Guterzigkeit, so viel Festigkeit der Seele, und edlen Stolz und Unschuld trift man selten beisammen an. Ueberhaupt hat sie mit Teresen sehr viel Aehnlichkeit, nur dass sie kälter scheint, und, wie mir deucht, etwas eigensinnig ist, wenn mans nicht Standhaftigkeit nennen will. Ihre Mutter hast du auch