ziemlich gelinde war; zog seine Leckerbisschen hervor, und zehrte eins nach dem andern auf. Sie fuhren auf eine Anhöhe, und sahn unten eine Ueberschwemmung, die die Donau machte. Es sah traurig aus. Die Felder lagen unter wasser; nur zuweilen ragte eine Anhöhe, oder ein Gesträuch hervor. Tannen und Eichen hiengen halb ausgewurzelt über's wasser. Oben, wo sie fuhren, stand ein gutgesatteltes Pferd, ohne Reuter, das der Postillion mitnahm. Ganze Dörfer waren vom wasser, das wild und laut unten hinrauschte, umzingelt. Halbe Scheunen und Häuser, oder losgerissene Balken nahm die Flut mit fort. Die bauern standen, zum teil nur halb gekleidet, mit Weib und Kindern, und ihrem Vieh auf der Höhe; sahen stillschweigend ins Tal hinab; oder streckten die hände aus, und fiengen ein lautes Wehklagen an, wenn ihre Hütten einstürzten. Siegwart übersah die Scene mit Tränen; einer von den Studenten kramte witzige Einfälle aus. Auf Einmal ward er blass, und schwieg. Es erhub sich ein grosses Geschrei. Der Wagen, der sich bisher immer auf der Höhe gehalten hatte, muste nach dem Dorf, wo die Station war, ins Tal hinabfahren. Du kannst hier nicht durch, riefen alle bauern dem Postillion zu. Ich muss durch! sagte dieser, und peitschte auf die Pferde los. Plötzlich blieb der Wagen stecken, und das wasser strömte wild drum herum. zwei bauern sprangen, ungeachtet sie, wegen des Feiertags, gut gekleidet waren, ins wasser, und huben die Räder in die Höhe, dass der Wagen wieder fort konnte. Drauffen rief ein altes Weib ihrem Sohn ängstlich zu, der fast unter's Rad kam, als es sich zu drehen anfieng. Der Postillion fluchte, und lachte die bauern aus, als er aus dem wasser heraus war. Siegwart warf ihnen zwei Dreibäzner zu. –
Herr Gott! Das ist unsers Herrn Gaul? rief eine Magd; und gleich drauf sprang die Verwalterin aus ihrem Haus heraus, und rief: halt, Schwager, halt! Wo ist mein Mann? Das ist sein Schimmel. Schwager, Schwager, sag um Gottes willen, wo er ist? Das weis ich nicht, sagte der Postillion ganz kalt. Da habt ihr den Gaul, wenn er euer ist. Indem liess er das Pferd gehen, das sogleich seinem Stall zulief. Die Verwalterin lief dem Wagen nach ins Postaus; zwei Kinder sprangen heulend hintennach. Sie wandte sich an Siegwart, um zu fragen, wo ihr Mann sei? Auf seine Antwort: Dass sie das Pferd, zwo Stunden vor dem Dorf draussen, ohne Reuter angetroffen haben, fiel sie in eine Ohnmacht, und ward in ihr Haus getragen. – Nach zwei Stunden fuhr der Wagen weiter, nachdem die Reisenden erst versichert worden waren, dass sie von der Ueberschwemmung nichts mehr zu befürchten hätten, weil man immer auf der Höhe fahren könne. Als die drei Studenten drauf von Ingolstadt sprachen, ward Siegwart sehr aufmerksam. Sie musterten die Ingolstadter Mädchen. Die Kornfeldin ist eben ein fideles Mensch, sagte der Eine, mit der man einen wahren Jokus haben kann. Sapperluft, sie sieht so frisch aus, wie ein Borstorferapfel, und das Best' ist, dass sie einem nichts übel nimmt. Weist du, Kirner, wie wir letzt bei ihr waren, als wir die Musikanten hatten? Narr, warum wirst rot drüber? Man sieht dir noch recht den Fuchs an; darfst dich ja nicht schämen; Man weis wohl. – Auf dem Billard gehts auch noch an; die Franzel macht noch wohl so was mit; aber um das andre Geschmeiss geb ich all zusammen keinen heller! – Was verziehst das Maul so, Gutfried? steckt dir wieder deine Fischerin im Kopf, der Zieraffe? – Ihr möchte sagen, was ihr wollt, antwortete Gutfried; die Fischerin ist ein trefliches Frauenzimmer; aber sie ist euch zu gut; ihr wollt nur leichte Waare, wo man wenig Umstände machen darf. – Das ist es eben, sagte Boling; die Fischerin ist ein stolzes Mensch, die so jüngferlich tut, als ob sie nicht fünfe zählen könnte, und einen ehrlichen Kerl über die Achsel ansieht. Schön ist sie, das kann man ihr nicht nehmen; aber eben deswegen sollte sie mehr mit unser einem umgehn. Narr! sie hat doch auch Fleisch und Blut! Aber du siehst sie immer als einen Engel an. Wenn ein Mädel nicht mit Studenten umgeht, so wird ihr Lebetag nichts rechts aus ihr! – Schöne Moral! sagte Gutfried. – Moral hin, Moral her! versetzte Kirner, um der Moral willen bin ich nicht nach Ingolstadt gegangen. Das kanst du doch nicht leugnen, Gutfried, dass die Fischerin mit all ihrem glatten runden Gesicht ein dummes, hoffärtiges Ding ist! Ich wollte letztin mit ihr im Schlitten fahren; da zog sie die Nase in die Höhe, und sagte, sie müss' es sich verbitten. – Verbitt du den Henker und seine Grossmutter! Gelt, wenn der seine Herr von Kronhelm kommt, da reicht sie gleich ihr Pfötchen her, weil er eine goldbeschlagene Jack' an hat. Das sind mir die rechten Menscher! Ich bekümmre mich viel um ihre feine Haut.
Das Mädel lob ich mir allein,
Das Leib und Seele kann erfreun:
Dem Tag und Nacht zu jeder Frist
Der Pursche fein willkommen ist!
Als die beiden Herren ausgesungen hatten –