Blass war seine Wange, gleich der meinigen, und trüb sein Auge. Er klagte, dass ein Mädchen untreu sei, dass er so heiss und treu geliebt hat; dass sie sich durch Menschen lenken lasse, von ihm ab; dass sie wanke von der Liebe, die ihm stark schien, wie der Tod. – Ist das möglich, mein Erwählter, dass man welche von der Liebe? Könnt ich weichen von dir, du mein Bräutigam? – Alle Mädchen, sagt' er, wären schwach und unbeständig; wären allzubiegsam; liessen sich von jedem Winde lenken. Ist das wahr, mein Lieber? Sind die Mädchen so? Bin ich nur allein treu bis ans Ende? – O so will ich meine Schwestern hassen, wenn sie falsch sind; wenn sie den betriegen können, der ihr Herz liebt. – Als er klagte, stand ein Mädchen in der Ferne, hatte Züge fast wie du, aber traurig war es, wie ich. Und diess Mädchen, das so gut schien, dir so ähnlich war, mein Teurer, könnte falsch sein? – Sag ihr, dass ich treu sei, ohne hoffnung!
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Im Anfang des Oktobers.
Bald werde ich hingehn ins Kloster, eher noch als du. Die hochgelobte Jungfrau hat mir zugewinkt, und einen Perlenkranz geflochten für mein Haupt. Als ich durch die goldnen Pforten einging, kamst du, mein Erwählter, mir entgegen; warest angetan mit einem glänzenden Gewand. – Hier ist gut sein, mein Erwählter, lass uns Lauben flechten von den Lebensbäumen, und in ihrem Schatten wohnen!
Meine Mutter weint; mein Vater klagt. Trocknet eure Tränen, ihr Geliebten! Denn ich werde wohnen bei dem Mann, den meine Seele liebt; werde mit ihm Hütten bauen, dass ihr wohnen möget an der Seite eurer Kinder!
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Am 25sten Oktober. (als das Schuldrama aufgeführt
worden)
Meine Seele dankt dir, o du Heiliger und Auserwählter, dass du mich verachten lehrtest diese Welt mit ihren Freuden! Eine Braut des himmels will ich werden, wie du wirst ein Bräutigam des himmels. Ach, wie hast du heute mein Herz erschüttert, als du da standst in aller deiner Lieblichkeit; als die Welt dich fesseln wollte; als die Mutter weinte, und dir zeigte alle Reize dieses Lebens; als Hilaria dich binden wollte mit dem Band der Liebe – wie du da, du mehr als Tomas, niedersahst mit hohem auge auf alle goldne Fesseln; wie du blicktest nach dem Palmenzweig im Himmel; ihn ergriffest mit entschlossener Hand! durch alle Reizungen hinweggingst nach dem Sitz des Friedens und der Ruhe!
Oefne dich, o Zelle, dass ich eingeh, wie mein Auserwählter, an den Ort der Stille, wo gereinigt wird das Herz, und geheiliget zur Braut des himmels! Folg mir nach, o Bild des Auserwählten, den ich bald zum letztenmal erblicke, bis wir uns begegnen in den Tälern Edens! – Heiliger Tomas, dessen Bild mein Auserwählter ist, bald erblick ich dich mit ihm, und singe Siegeslieder! – Wenig Tage noch, mein Bräutigam, so wirst du meinem auge entrissen, denn die Zelle hat sich aufgetan; aber meine Seele soll dich sehen, bis ich lieg' und schlaf im grab.
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Am 12ten November.
(als sie ins Kloster getreten war.)
Ich bin eingegangen in den Ort der Ruhe; aber noch ist keine Ruh in meinem Herzen. Gestern hab ich dich zum letztenmal gesehen, mein Bräutigam! Ach, zum letztenmal! Schöner warst du mir, als jemals, weil du traurig warst und weintest. – Heilig ist der Ort, den ich bewohne. Heilig soll mein Herz sein, und entfernt vom Irrbischen. Aber sollt ich dein nicht mehr gedenken, du Erwählter? Du bist heilig, wie ein Tempel Gottes; ich gedenke deiner. – Still und öd ist es um mich her; meine Schwestern schlafen, aber meine Seele wacht noch, und bespricht sich mit der deinigen. Möchtest du zuweilen noch der Abgeschiedenen gedenken, die so heiss und heilig dich geliebt hat! Aber in dein Herz drang nie der Stral der Liebe; mich allein hat er entzündet, dass ich brenne sonder Nahrung.
Ich murre nicht, Geliebter! Wohl dir, dass du Ruhe hast im Herzen, und den Sturm der leidenschaft nicht hörest! Doppelt würde ich leiden, wenn auch deine Seele litte. Geh im Frieden ein in deine Zelle! Schlummre sanft, wie ich einst schlummern konnte, eh ich dich erblickte! Wandle ruhig auf dem Pfad des Lebens, bis am Ziel du bist, wo das Mädchen wartet, das geduldet hat bis an ihr Ende!
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Am 30sten November.
Meine Kraft nimmt ab; mein Leben welkt dahin; aber meine Liebe grünt und wächst. Ewig ist sie, wie das ewige Licht, das in der Lampe brennt im Chor. Der Hauch des Todes wird sie nicht auslöschen, oder meine Seele stürbe mit. Wenn die Glocke mich erweckt zum Beten, so ist es, als ob mir deine stimme rufte, du Erwählter. Du befeuerst meine Andacht, und hebst hoch mein Herz. – Oft zittert meine Seele, dass sie dich erblickt am Altar, wenn sie betet; aber du bist ja heilig, und darfst wohl vor Gott erscheinen. – Meine Schwestern fragen mich, warum ich blass sei? Sie bedauren mich, und weinen, dass ich nahe sei dem grab