besonders das Leben des heil. Franciscus von Assissi empfahl, das er ihm selbst, zum Durchlesen zu leihen versprach. Gegen Abend gingen sie im Garten spatzieren, wo die Mönche zerstreut und niedergeschlagen umher gingen. Sie kamen durch verschiedne Gänge unvermerkt an den Gottesacker, wo schon ein Grab aufgeworfen wurde. Der Abend war zu traurigen Betrachtungen gemacht, trüb und neblicht. Die Sonne ging verhüllt unter, und schickte erst, eh sie ganz am Horizont hinabsank, noch einige blutrote Stralen auf das schweigende Gefild des Todes. Nach dem Abendessen ging Siegwart auf sein Zimmer, hatte halbtraurige und halbfreudige Gedanken, legte sich zu Bette, und beschäftigte sich die halbe Nacht durch im Traum mit dem Verstorbenen, den er mit allen Zügen und Bewegungen auf dem Sterbebette liegen und verscheiden sah. Zuweilen wachte er auf, und da deucht' es ihm, als ob Engel ihm zulispelten: Folge dem Gerechten nach! Gleich am Morgen kam Pater Ignatz, mit dem Leben des H. Franciscus, und einigen andern Legenden, deren immer eine fabelhafter war, als die andre, zu dem jungen Siegwart, und empfahl sie ihm nochmals mit tausend übertriebnen Lobserhebungen zum Durchlesen. Dieser hatte kaum zu lesen angefangen, so war seine ganze, leicht zu erhitzende Einbildungskraft in einer andern Welt. Seine Seele wurde mit dem Wundertäter vertraut, schwärmte mit ihm in der Welt herum, hatte mit ihm Erscheinungen, und wuste sich kaum in die neuen überirrdischen Empfindungen zu finden. Er wünschte sich, auch Vermögen zu haben, um es so, wie sein Heiliger, den Armen auszuteilen; er wünschte, schon den Orden zu haben, um, gleich seinem Vorbilde, nach Cairo gehen, und den Türken das Evangelium predigen zu können. Er hielt schon in Gedanken Predigten, deren Feuer und Beredsamkeit, wie er glaubte, Menschen und Tiere, deren sich sein Patron auch angenommen hatte, zur überzeugung hinreissen müste. Er hofte, auch einmal des Eindrucks der Stigmatum wehrt zu werden, weil er eben das tun zu können hofte, was Franz in seinem heiligen Eifer getan hatte. Nichts beschäftiget das Herz mehr, als Chimären und Entwürfe, die man in die Zukunft baut. Man steigt von Einem aufgetürmten Schloss aufs andere, und sieht mit Verachtung auf die übrigen Menschenkinder herab, die im Staube kriechen, und den ordentlichen Weg gehen. Alle Hindernisse schwinden weg; man sieht nichts vor sich, was im Wege stehen könnte; oder schreitet mit Riesenschritten drüber weg, und sieht mit Wolgefallen auf die zurückgelegte steile Bahn herab. Einem Schwärmer ist in seinem Sinne alles möglich; und kein Herz ist mehr zur Schwärmerei geneigt, als ein solches, das, bei einer lebhaften Einbildungskraft ein zartes moralisches Gefühl hat, und es mit den Menschen, seinen Brüdern, gut meint. So gings unserm jungen Siegwart; er sah lauter Hülfsbedürftige vor sich, sah schon ihre Tränen rinnen, hörte schon den Dank von Lippen erschallen, die er Gott und Jesum hatte anrufen lernen.
P. Anton überraschte ihn in dieser heiligen Begeisterung, und schlug ihm vor, ihn auf den Nachmittag in ein paar nahgelegne Dörfer zu begleiten, um Allmosen einzusammeln. Siegwart nahm den Vorschlag mit Freuden an, und ging, nachdem er erst seine Bücher sorgfältig aufgehoben, und eins davon zu sich gesteckt hatte, mit dem P. Anton in den Speisesaal, erzählte da dem P. Ignatz seine Freude über die geliehnen Bücher, und unterhielt sich mit den andern Vätern während dem Essen von den Wundern des H. Franciscus. Alle lobten seine Liebe zu ihrem Stifter, und prophezeiten ihm ein glückliches und heiliges Leben. Man gab ihm einige Bilder vom H. Franz und andern Heiligen, die er den Bauerknaben und Mädchen austeilen könnte. Ein Bild vom H. Franciscus behielt er selbst, um es in seinem Zimmer anzukleben, und sich täglich an seinem Anschauen zu belustigen und zu erbauen.
Nun ging er mit P. Anton auf ein, andertalb Stunden weit vom Kloster entferntes Dorf. Sie konnten auf dem Wege wenig miteinander sprechen, weil die Leute, die im Feld und auf den Wiesen arbeiteten, Hauffenweis herbeigesprungen kamen, und den Pater, den sie alle liebten, um den Seegen baten. Jeder blieb mit seiner Harke, oder was er sonst in der Hand hatte, stehen, oder sprang herbei, und grüsste den Ehrwürdigen Vater mit der grössten schwäbischen Treuherzigkeit. Andre baten ihn, in ihrem haus einzukehren, und sprangen voraus, um mit allem Vorrat aufzuwarten, den sie hatten. Sie grüssten alle auch den jungen Siegwart, den sie kannten, weil er aus der Nachbarschaft war, und sahen sich vergnügt und einander zulächelnd an, dass ihm P. Anton so freundlich begegnete, wie ein Vater seinem Sohn. Dieser machte ihm die Freude, und liess ihn die Gemälde von Heiligen unter die Bauerkinder austeilen, die ihn darum baten. Er fühlte das innerste Vergnügen drüber, wie die Kinder sich verneigten, das Geschenk ansahen, und dann mit froher Eile ihren Eltern zuflogen und sie sehen liessen, was der Ehrwürdige Pater, und der junge Herr ihnen schönes geschenkt habe.
Während dass die Dorfglocke zum Allmosengeben geläutet wurde, sprang eine Bäurinn mit zerrissnen Haaren und verweinten Augen aus der Hütte heraus, um dem Pater ihre Noch vorzutragen. Ihr Mann hatte sie geschlagen, und nun sollte Anton der Friedensrichter werden. Er ging mit ihr und dem jungen Siegwart in die Hütte, wo der Bauer noch ganz wild in der stube