da, (indem er sich zu mir wandte) an der er den Narren gefressen hat? Ein saubres Tierchen! Mein Seel! – Und so fuhr er fort, und gab mir und meinem Vater Reden, die ich mich schämen würde, niederzuschreiben. Kurz, er begegnete uns auf die gröbste, beleidigendste Weise; sprach immer vom Einsetzen, Verführungen, Lumpen- und Hurenpack, und drohte mit Mord und Todschlag, wenn ich mir einfallen lassen wollte, seinen Sohn ferner zu infamiren, wie er es nannte. Ich stand da, und dachte, ich müsste in die Erde sinken. Einigemal könnt ich mich nicht entalten, ihm grobe Reden zu geben, als er meine Unschuld – das einzige, worauf ich stolz bin – angrif. Der Junker, der mit Ihrem Vater kam, ist der niederträchtigste Mensch, der mir auf die schimpflichste Art begegnete, und mich immer nur Kanaille, und bürgerliche Gassenhure nannte. – Mein Vater, der auch hitzig sein kann, wenn man ihn erst aufbringt, sagte Ihrem Vater, er möchte sich in Acht nehmen, und mit solchen Beschimpfungen einhalten. Er sei ein ehrlicher Mann, und ich ein ehrlich Mädchen; ich korresponoire zwar mit seinem Sohn, aber auf die erlaubteste Art; er könn die Briefe selber sehen u.s.w. Ihr Vater wollte von dem allen nichts hören, schimpfte unaufhörlich fort, und drohte, Sie und mich, und meinen Vater zu erschiessen, wenn wir nur noch eine Zeile an einander schrieben, oder einen Gedanken auf ein ander haben wollten. Mein Vater sagte, das woll er wohl versprechen, dass ich nicht mehr an Sie schreiben, und weiter keine Gemeinschaft mit Ihnen haben soll; aber die übrigen Beleidigungen woll er sich auch inskünftige verbitten. Der andre Junker schlug ein lautes Gelächter auf. Ihr Vater aber sagte: Nu Jobst, lass uns weiter! Vorjetzt hab ich gnug; aber noch ein Brief, und – hier zog er eine Pistole hervor – die erste Kugel gehört dir, Mädel! und die zweite ihm, Monsieur Amtmann! Merk er sichs! Mit diesen Worten ging er wieder die Treppe hinunter, setzte sich aufs Pferd, und ritt mit seinen Jägern davon.
Sie können sich vorstellen, Teurer Freund! wie mir seit der Zeit zu Mute sein muss. Das ganze Leben ist mir verhasst, die ganze Welt eine Einöde. Ich schreibe Ihnen diesen Brief auf Befehl meines Vaters, ders bei Ihrem Vater verantworten will, wenn er es erfahren sollte. Ich soll von Ihnen Abschied nehmen auf ewig! Gott, von Ihnen! und doch muss es sein! – Ich habe Sie geliebt, Teurer, aber verkennen Sie mich nicht! Nicht aus Stolz, weil Sie von Adel sind. Um des Adels Ihres Herzens willen, liebt ich Sie; lieb ich Sie noch! Das darf ich sagen, denn ich sags ohne Absicht auf Ihre Hand. Ich hab auf ewig alle hoffnung von mir weggebannt. Es muss sein! – Leben Sie glücklich! Sie verdienen es. Bleiben Sie mein Freund in Ihrem Herzen! Denken Sie zuweilen an das Mädchen, das bald sterben wird! ... Ich habe mein Herz in Tränen ausgeschüttet, und komme nochmals, Ihnen das letzte Lebewohl zu sagen. Künftig kann ich keine Zeile mehr von Ihnen annehmen. Ich werde Ihnen jeden Brief unerbrochen zurück schicken. Das hab ich zugesagt. Leben Sie denn wohl, auf ewig wohl, mein Teurester! Gott stärke Sie, und belohne Ihre Tugend! ... Betrüben Sie sich nicht zu sehr! Sie müssen andre Menschen, und ein besseres Mädchen glücklich machen, als ich bin ... Sagen Sie ihr einst, dass ich edel dachte, und Sie darum liebte ... Meine Freundin kann sie auf dieser Welt nicht mehr werden, denn bis dahin bin ich tot ... Ich murre nicht gegen die Vorsicht; aber ich kann diese Last nicht tragen. Mein Herz muss drunter brechen. – lebe wohl, Edelster und Besster! Im Himmel sehen wir uns wieder, und freuen uns, dass wir geduldet haben ... lebe wohl! Siehst Du einst mein Grab, so wein drauf! Ich verdiens! Der Engel der Liebe sei Dein Schutzgeist! oder ich werds ... Mein Herz schlägt gewaltiger. Hier fällt eine Träne hin, küss die Stelle!.. schreibe mir keine Zeile! Du würdest mich betrüben ... Nun das letzte Wort, das ich an Dich schreibe. lebe ewig wohl, Geliebtester! und denke an Deine unglückliche
Terese.
Was Kronhelm bei Lesung dieses briefes empfunden hat, lässt sich nicht beschreiben. Jedes zärtliche und liebevolle Herz, das auch einmal gelitten hat, denke sich noch Einmal in sein Unglück zurück! Fühle noch Einmal die Leiden seiner Liebe, und wein unsern edlen, mit mir, eine mitleidige Zähre!.. Er lehnte sich ans Fenster, hüllte sein Gesicht ein, und war sprach- und tränenlos. Siegwart weinte, und hatte den Brief, den seine Schwester ihm geschrieben hatte, in der Hand. Kronhelm drehte sich schnell um, sah ihn mit unbeschreiblicher Wehmut an; drauf warf er sich aufs Bette, hüllte sein Gesicht ins Kissen ein, und blieb so eine Viertelstunde unbeweglich liegen. Lass uns vors Tor hinaus, sagte er, ich muss Luft kriegen! Siegwart ging mit ihm, ob es gleich stark schneite. Kronhelm wälzte sich im Schnee,