verband. Der alte Siegwart wurde, ungeachtet der Verschiedenheit der Jahre, Kronhelms warmer und vertrauter Freund. Er hielt alles auf ihn, und wünschte nur, dass kein Unglück ihn von seiner Tochter trennen möchte! Unsre Liebende vergassen der Gefahr, so bald sie ihnen aus den Augen verschwand; freuten sich nur ihrer Liebe, und sahen nichts, als einen heitern, unbewölkten Himmel vor sich.
Siegwart, der auf der Schule, wegen seines Fleisses, immer weiter fortrückte, liess sich diese Aufmunterung nur desto mehr anspornen, und vermehrte seine Kenntnisse mit jedem Tage. Tibull und Properz, die man in der Schute las, verfeinerten sein ohnedies zartes und richtiges Gefühl; er las sie sehr fleissig, und schätzte besonders den Properz; aber nicht, wie gemeiniglich geschieht, auf Kosten der Neuern. Er sah wohl, dass die Deutschen eben so gut, und in den meisten Fächern weit bessere Dichter aufzustellen haben, wie die Römer; besonders in Dingen, die mehr die Empfindung, als die Kunst betreffen. P. Philipp lehrte ihn auf seinem Zimmer aus Freundschaft das Griechische, das auf der Schule nicht getrieben wurde, und las mit ihm das neue Testament, die Fabeln des Aesop und den Anakreon. Auf den Winter, versprach er, mit ihm den Herodot, vielleicht auch den Homer zu lesen. Auch lieh er ihm einen Livius, und erklärte ihm die schweren Stellen, über die er ihn befragte. Kurz, Siegwart war auf dem rechten Wege, ein vernünftiger Gelehrter zu werden.
Den Abend brachten sie entweder allein zu, und da muste Xaver mit Kronhelm fleissig von Teresen sprechen; oder sie gingen zu P. Philipp, dessen Umgang ihnen immer der liebste und lehrreichste war; Sie lasen, oder zeichneten mit ihm, oder sprachen abwechselnd über ernstafte und muntre Gegenstände. Oder sie machten mit Grünbach Musik, und kamen durch die Uebung merklich weiter. Siegwart besuchte auch noch oft die L. Frauenkirche, und hörte da die Nonnen singen. Oft traf er auch Sophien da an. Die schöne Andächtige gefiel ihm wohl. Er schätzte sie wegen ihrer Andacht nur noch höher; aber doch fühlte er nicht das gegen sie, was sie gegen ihn fühlte.
In der Mitte des Winters, als Kronhelm einst an einem heitern Tage mit Siegwart spazieren gegangen, und nach dem langen Stubenhüten ausserordentlich vergnügt gewesen war, fand er, bei seiner Nachhausekunft auf des P. Philipps Zimmer einen Brief, den sein Vater durch einen eignen Boten hereingeschickt hatte, folgenden Inhalts:
Verfluchter Son!
Hol Dich der Teufel mit Deinem ganzen Hurenpack! Da hast Du 'n rechten Hundestreich gemacht. Bist denn gar ein Narr? Was treibst mit des Amtmanns Mädel, der unadelichen nichtsnutzigen Kanale? Hör Kerl, Du bist keinen Schuss Pulver wehrt – hol mich dieser und jener, Mann sollt Dich todtschlagen, wie einen Dags. Ich hab mir g'ärgert, dass ichs Zibberlein trügen tät, sonst wär ich selbst komen, und hätt Dich todtg'schlagen. Invamer Kerl, dass Du Dich so wegwerfen tust, als ob Du von einer Bürgershur herkommen tätest! Ich muss mich ja ob Dir Godd, dass, wenn Du mir noch Augenblikk an das Burgersmädel denken tust, so reit ich weck, und wenn ich keinen Fuss hätt, und schiess Dir nieder, und schlag Dich dann mitn Flintenkolben follendts tod. Lass Dirs nur nit einfallen, dass Du noch 'n Buchstaben an sie schreibst, oder Du bist, meiner Seel! des Teufels. Ich habs 'm Amtman dem Kerl schon g'sagt, und seiner Dirn auch, 's kostet Dir und ihm und ihr 's Leben. Solang ich auf Godds Erdboden bin, sollst Du nicht mit ihr z'samen kommen, und wenn es die ganz Welt hahn wollt. Ich reiss euch von einander, und sollts mit den Zähnen sein. Da hast Du mein Wort. So wahr ich 'n alter Edelmann, und sie 'n kahle Amtmansdirn ist. Verteufelter Son, das heisst 'm alten Vater Herzleid antun. So hats noch keiner g'macht seit vil dausend Jahren, seit 's Kronehelm geben hat, und Du muest grab anfangen, und willt doch mein Son sein? Ja 'n Teufelskerl bist, und kein Gaballiers Son. Ich sag Dirs, wenn Du noch a Zeil schreiben tust, so must Du sterben, und wenn Du auch am Himel hangen tätest, Du must mir runter; und 's Mädel zerreiss ich mit den Nägeln, das merk Dir! Lass mir ja kein Wort hören, und wenn Du nur Mukker gegen mir tust, so schick ich drei Kerl zu Dir, die sollen Dich lebendig oder tot zu mich bringen. Da sollt Du Deine liebe Not haben. Braten will ich Dich, wie 'n Hasen, Lauskerl Du! Ich hab meine Spijon, Einen Buochstaben, und Du bist hin, und Deine Hur auch. Ich hab mir g'ärgert, dass ich nicht mer schreiben kan. Du weist noch nit, wie ich bin, wenn ich wild werde. Schwör mir heilig, dass Du nit mer an sie dencken, und noch minder schreiben willt, sonst sind auf d' Woch die drei Kerl bei Dir, und holen Dich, und ich lass Dich schliessen, und beim Mädel forbei führen, und sie mit der Kugel vor den Kopf brennen, dass sie verrecken muss, wie 'n ang'