so war's doch, gebräuchlichermassen, der F.v.K. nicht entgangen; sie veränderte von Farbe; und in den Augen des Grafen sah man – dass es ihm seltsam ward in seinem Eingeweide. – Aber ich fuhr fort, und schwatzte mir das Herz ganz rein, und ruhte nicht, bis ich alle die Schimpfworte und Prügel, worunter ich den Morgen mich geängstiget, auf ihr Gnaden abgeladen hatte. Damit war's denn gut – für diesmal.
Wollen Sie wohl, lieber Clerdon, es bei meinem Präsidenten ins rechte Licht stellen, dass ich einige Tage länger ausbleibe, und es auch meinem Vater zu wissen tun? Grüssen Sie das vortreffliche Weib, auch Lenore und Clärchen, wenn Sie dieselben sehen.
Amalia an Sylli
Den 11. März, morgens um halb sieben.
Gestern nachmittag kamen Eduard, der Herr von Kambeck und ein Offizier, den Du nicht kennst, und entführten meinen Clerdon nach Born, wo diesen Morgen eine Kuppel englische Pferde hinkommt. Dem guten Clerdon war's gar nicht drum zu tun; aber Du weisst, er lässt sich seine Zeit, die ihm so kostbar ist, seine Ruhe, Gesundheit, Verdienste, Lust und Leben abschwätzen, wie sein Geld: ich werde ihn noch müssen festsetzen lassen. – Also bin ich jetzt allein, in der betrübten Lage, all das Fette der vor mir sprudelnden Milch in meine eigene Tasse schöpfen zu müssen: sie hätte nur gerinnen mögen. Ich fing an zu lesen, aber schon auf der zwoten Seite ging mir dies und jenes durch den Kopf, das mit Dir zu schaffen hatte; ich konnte der Zerstreuung nicht wehren, und legte das Buch weg. Liebe Sylli! der Himmel ist nicht heiter, und das macht, dass mein Kabinett weniger schön ist. Ich habe ein Fenster geöffnet, und bin ein Weilchen daran stehen geblieben, um nach meinen Freunden zu sinnen; und jetzt, bis meine Knaben kommen, will ich ein wenig mit Dir plaudern.
Ich finge gern mit sonst etwas an, weil Du es schon steckt vorne in meiner Feder, wie ein Pfropf; der muss vor allem heraus. Also zuerst und abermals von unserm Jammer, unserm Verdruss, Ärger, Zorn (was hievon es eigentlich sein müsse, wissen wir eben, leider! noch nicht) über das ungewöhnlich lange Ausbleiben Deiner Briefe. Clerdon will all sein bares Geld darauf verwetten (wieviel meinst Du, dass wir ihm dagegen setzen?), dass wir mit dem ersten Postillion mehrere Briefe auf einmal von Dir erhalten werden. So viel ist gewiss, dass das U**r Paket schon zwei Posttage ausgeblieben ist. Eine Überschwemmung, die bei E* die brücke weggerissen und gewaltigen Schaden angerichtet hat, soll schuld daran sein. Sonst könnte ja wohl auch zwischen Dir und uns die Erde sich ein bisschen gespalten haben: warum nicht? nur war es sehr schlimm. – Ernstlich gesprochen, liebe Sylli, Du machst uns verlegen. Schon am Montag glaubten wir, es könne nicht mehr fehlen, ein Brief von Dir müsse kommen; und doch war's gefehlt: und so ging's all die folgenden Tage, nur dass an jedwedem mit unserer Hoffnung auch unsere Zweifel stiegen, und wir von einer Unruhe ergriffen wurden, mit der schlechterdings kein Vertrag noch Auskommen war. Die Nachricht von der grossen Überschwemmung, und den ausgebliebenen U**r Paketen, begleitet von Clerdons Zureden und kühner Wette, hat uns von neuem ein wenig eingewiegt. Jene sorge abgerechnet, liebste Sylli, bin ich jetzt so ganz glücklich, so ganz zufrieden, so ruhig froh des Lebens – Oh, lass Dir's wohl gehen, Sylli; lass Dir's ja wohl gehen, und mache mir die schönen Tage nicht zuschanden!
Ich bin so ruhig, so froh, und konnte doch die verwichene Nacht wenig schlafen, für fremder sorge. Die gute Frau von – ... (Die hier erzählte begebenheiten müssen, wegen gewisser noch obwaltender Beziehungen, für diesmal unterdrückt bleiben.) – ... Wie unartig, dass ich Dir diese lange Geschichten machte, da Du so viel eigenen Gram hast? Auch will ich rein aufhören, mich aus dem Staube machen, und diesen Abend mit lachender Laune wiederkommen.
Abends um halb 5 Uhr.
Da kommen meine drei Ältste mit grossem jubel von einer Spazierreise über die Donau nach haus, und sind gar herrlich und guter Dinge gewesen, haben mit zwei Vetter-Franzens-Kameraden sich himmlisch ergötzt. Wieviel Freuden mir die Knaben machen! Alle drei führen sich ungemein gut – und Heinrich musterhaft gut auf. Dieser wird allgemach ein lieber Junge, so dass auch sein Vater anfängt, weniger Arges von ihm zu denken, und Carl, den Topinambu, nicht mehr so grausam vorzieht. Sein Virtuoso ist ordentlich verliebt in ihn; in etlichen Wochen soll er schon die Ouandern Operetten, die er aufführen sehen, geigt er eine Menge Sachen mit einer solchen Herzenslust, dass man sich gern dünken lässt, er mach es so schön wie möglich: gewiss der Junge wird ganz musikalisch, und verdient den ersten Platz in meiner Kapelle, und ich hab's geschworen, kein anderer soll ihn drum bringen. – Auch Herr Bering und Herr Kamp rühmen ihn sehr, und da Georg ihn nun alle Tage fein ordentlich frisieret, so würdest Du viel Freude an ihm erleben. Von diesem kleinen Heinrich verkündigt Heinrich der Grosse, dass er bei