welches er nur aufbewahrte, weil es alt, zerbrochen, beschmutzt und unbrauchbar aussah. Der kleine Mann war aber in allen antiquarischen Kenntnissen, wodurch er hätte auf den Verdacht kommen können, seine Altertümer wären unecht, glücklicherweise so unwissend, dass ihm seine alten Lampen, Urnen, Opferbeile, Scheidemünzen und Petschafte völlig ebendas Vergnügen machten, was sie einem echten Altertumskenner würden gemacht haben, wenn sie tausend Jahre älter gewesen wären. Er besass weiter keine Kenntnisse, als die sich aus Kompendien und Journalen aufraffen lassen und die ihm die Verkäufer von Münzen und Gemmen einprägten. Auch fand er diese zu seinem Zwecke, sich als eine wichtige person zu fühlen, so vollkommen hinlänglich, dass er nicht daran dachte, andere und bessere zu erwerben, zumal da er noch dabei die glückliche Gabe besass, wenn er gelehrte Leute reden hörte, stillzuschweigen und, was sie gesagt hatten, in der nächsten Viertelstunde wörtlich als seine eignen Gedanken zu wiederholen. Dies tat ihm, wie so vielen andern reichen Sammlern, in vielen Vorfällen beinahe ebendie Dienste, als ob er selbst gedacht und geurteilt hätte.
Der hochwohlgeborne Kenner empfing den Sebaldus mitten in seinem Kabinette, wo alle seine Herrlichkeiten zur Schau ausgestellt waren, sitzend auf einer Sella curulis, nicht zwar von Elfenbein, doch aber von weiss angestrichnem Holze, mit blossem, halbgeschornem haupt, wie ein römischer Konsul, und in einem Schlafrocke, zugeschnitten nach dem echten Modell einer Trabea, welches ihm gegen reichliche Bezahlung von einem gelehrten Professor war mitgeteilt worden, der ausdrücklich die Schneiderkunst gelernt hatte, um den echten Schnitt dieses römischen Feierkleides endlich einmal herauszubringen. Dieses ist bekanntlich vielen sonst grundgelehrten Leuten, die über die Kleidung der Alten geschrieben haben, noch bisher nicht gelungen, vielleicht bloss deswegen, weil sie alle nicht wussten, ob man einen Pelzmantel in die Länge oder in die Quere des Zeuges zuschneiden muss.
Nachdem der Kammerjunker des Hieronymus Brief gelesen hatte, versicherte er den Sebaldus zwar sehr ernstaft seiner Gnade (denn seitdem er reich geworden, ergriff er gern jede gelegenheit, wobei er den Mäzen spielen konnte), doch bedauerte er, einen so grundgelehrten Mann wie Sebaldus nicht zu seinem Bibliotekar haben zu können. Diese Stelle war nämlich bereits durch einen gelehrten Magister besetzt worden, den Schwestersohn eines Mannes, der ihm viele Altertümer und noch kürzlich eine rare Kamee, im echten Ambra (dergleichen der ehemals berühmte Klotz besass), und nicht etwa in Bernstein geschnitten, verkauft hatte.
Indes lud er doch den Sebaldus auf den andern Morgen zum Frühstücke ein, hauptsächlich sich selbst zu Gefallen. Denn weil es seinen Nachbarn, die ohnedies von allen Altertümern aufs höchste alte Pokale und alte Bankotaler liebten, schon bekannt war, dass unser gelehrter Landjunker diejenigen, die er einmal in sein Kabinett bekommen konnte, sobald nicht wieder herausliess, so konnte er nur selten jemand finden, der es besehen wollte.
Der gute Sebaldus, obgleich von aller Kennerschaft weit entfernt, musste denn auch unter manchem Gähnen und Räuspern wirklich über fünf Stunden aushalten. Zuerst ward er in einen Saal geführt, wo verschiedene Abgüsse von berühmten antiken Bildsäulen aufgestellt waren. "Man muss damit", sagte der Besitzer, "schon zufrieden sein, weil man die Originale nicht haben kann." Er ging ziemlich geschwind dabei vorüber; doch fuhr er seiner Venus von Medici sanft über den rücken herunter und fragte den ganz erstaunten Sebaldus, ob ihm derselben Hinterteile auch so wohl gefielen als dem gelehrten Smollett57. Ohne Antwort zu erwarten, wandte er sich schnell zu seinen geliebten Antiken, bei deren Deutung er sich weitläufig aufhielt. Da war mehr als eine dickbäuchige Venus und dickplünschige Minerva, desgleichen verschiedene Apolle, die wie Schneidergesellen aussahen, breitschultrige Merkure und Jupiter mit spitzen Stirnen und aufgestutzten Nasen. Sodann kamen sie in verschiedene Zimmer voll zerbrochner Urnen, Töpfe und Teller, voll rostiger Degenklingen und Beile und einer unzähligen Menge unbrauchbaren Hausgerätes, woraus mit Verwunderung zu ersehen sein sollte, dass die Leute vor tausend Jahren Messer, Schnallen und Schlüssel gehabt hätten, beinahe ebenso wie wir. Von da traten sie ins Allerheiligste, wo die Gemmen und Münzen aufbehalten wurden. Mitten im Zimmer stand des berühmten Lipperts Sammlung von Abdrücken auf einem zierlichen Gestelle. Der Kammerjunker zog ein paar Schubladen davon nachlässig auf und sagte: "Sie sind ganz artig, aber doch nur Abdrücke, ich halte auf Originale." Er besass wirklich eine grosse Menge von plumpen und verzerrten Gesichtern, sehr stumpf in allerhand Steine geschnitten, denen er einen grossen Wert beilegte. Auch zeigte er seine Münzen, auf deren vielen er den Sebaldus den edlen Rost bemerken liess. Sie waren alle unverfälscht antik und zu mehrerer Bequemlichkeit in sehr dicke Pappen gefasst, so dass man Seite und Rückseite, nicht aber die Ränder sehen konnte58. Er versicherte, dass diese Einrichtung sehr niedlich wäre und dass ihm die ganze Sammlung von einem gelehrten Antiquare so gefasst sei verkauft worden. Was er aber mehr als alles andere zu schätzen schien, war eine Sammlung von Belagerungs- und Notmünzen. Er hatte in der Tat viele Stückchen gestempeltes Blech, Zinn und Leder nebst Stückchen von silbernen Tellern mit allerlei Figuren. Er sagte, mit erhabener Nase, er besitze nicht wenig Münzen dieser Art, die selbst der berühmte Klotz in seinem gelehrten Werke "De numis obsidionalibus" nicht gekannt habe, und er hoffe, in kurzem ein kapitales Stück zu erhalten, nämlich eine Notmünze, in einer der Festungen geschlagen, die der berühmte Oberste Shandy durch seinen Feuerwerksmeister