zwei arme Knaben in meine Schule brachte, für die, wie er sagte, gottselige Leute das Schulgeld bezahlen wollten. Er sah und lobte meiner Tochter Arbeit; er brachte in kurzem einen Menschen mit, der feine ausgenähte Arbeit bestellte und reichlich bezahlte. Dies war, wie ich hernach erfahren habe, der Kammerdiener des wollüstigen Müssiggängers, der in diesem haus wohnt; ein undeutscher Kerl, ohne Redlichkeit, ohne Menschengefühl, den das Wimmern der zugrunde gerichteten Unschuld sowenig rührt als den Schlächter das Blöken des Lammes, dem er die Kehle abstechen will. Mit diesem hatte der schändliche Unterhändler vermutlich den abscheulichen Entwurf ins reine gebracht, mich und mein Kind ins Unglück zu stürzen. Er führte meine Tochter, in Gesellschaft ihrer Mutter, zu seiner angeblichen Muhme, die ausgenähte Arbeit verfertigte und verfertigen liess. Sie schien zufrieden mit meiner Tochter Arbeit, zeigte ihr aber noch feinere und gab ihr zu verstehen, sie wolle dergleichen von ihr verfertigen lassen und ihr mehrere Vorteile dabei zeigen; nur müsse sie unter ihren Augen arbeiten. Mein Kind freute sich, mehr lernen zu können, und wir fanden kein Bedenken, sie in das Haus einer Matrone zu schicken, bei der alles ein frommes und verständiges Ansehen hatte. Sie ging einige Monate lang täglich in dies Haus. Sie nahm zu an Geschicklichkeit, und wir glaubten, diese Bekanntschaft wäre ein Glück für unser Kind. Ach, leider, wir wussten nicht, dass sie schon unwiederbringlich unglücklich war. In den ersten Tagen ihres Aufentalts in diesem haus war der junge Herr selbst, unter dem Vorwande, Arbeit zu bestellen, dahin gekommen; er hatte meine Tochter gesehen und ihre Arbeit gleichgültig gelobt. In kurzem ward er zudringender, die Wirtin liess ihn mit meiner Tochter geflissentlich allein oder ward von ihrem Vetter zu andern Geschäften gerufen. Nun wandte der Bösewicht alle verführerische Künste an, um ein junges Herz zu gewinnen, das noch nicht gelernt hatte, sich gegen betrügerische Anlockungen zur Wehre zu stellen. Das süsse Gift der Schmeichelei betört wohl oft einen gesetzten Mann; wie sollte ihm ein junges, unerfahrnes Mädchen widerstehen können, das noch keinen hinterlistigen Menschen gesehen hatte, das jedes Herz für so ehrlich hielt als ihr eigenes! Kurz, sie ward ihrer Unschuld beraubt. Die Folgen davon liessen sich bald spüren, und das schreckliche Geheimnis konnte ihrer Mutter nicht länger verborgen bleiben. Wir waren wie vom Blitze gerührt; aber Klagen und Verwünschungen halfen zu nichts: wir mussten nur unser armes Kind zu retten suchen, das sich das Leben abhärmte in Kummer über ihren Fehltritt, den sie nun erst in seiner wahren Gestalt sah. Auf der andern Seite wollte der Verführer auch nicht eher von ihr ablassen, bis er ihrer völlig satt wäre. Er sandte täglich Botschaften und Briefe, die nicht angenommen wurden. Der Kammerdiener schlich sich einigemal ins Haus, wo ich ihn unsanft abwies. Endlich meldete sich heute der Unterhändler, der sich seit langer Zeit nicht hatte sehen lassen. Mit gleisnerischem Wortgepränge bedauerte er den Unfall, den ich hätte erfahren müssen; und nach vielen Umschweifen kam er endlich auf seinen Antrag, nämlich dass ich mit dem Herrn selbst sprechen möchte, weil er mir Vorschläge tun wollte, die so vernünftig und billig wären, dass dadurch ein grosser teil des geschehenen Schadens könne ersetzt werden. So gross auch mein Widerwillen war, dem Verführer meiner Tochter ohne Verwünschung in die Augen zu sehen, so ging ich doch mit dem dienstfertigen Unterhändler hin. Was meinen Sie, dass der vernünftige und billige Vorschlag war?" (Hier drang abermal ein Strom von Tränen aus seinen Augen.) "Meine Tochter sollte Ausgeberin bei dem Verräter ihrer Ehre werden, und ihr Vater sollte einen schimpflichen monatlichen Gehalt haben, um die Frucht des unerlaubten Umgangs zu erziehen. Hier konnte ich mich nicht mässigen; ich stiess aus, was der Unwillen einem ehrlichen, obwohl armen Vater eingeben kann, dem ein vornehmer Wollüstling zumuten darf, der Kuppler seiner eignen Tochter zu werden. Der Kammerdiener, der während der ganzen Unterhandlung ebensoviel gesprochen hatte als der Herr selbst, fand es sehr lächerlich, dass ich mich einem Arrangement widersetzen wollte; dass der gnädige Herr der petite fille ja weiter nichts Übels tun wolle und dergleichen mehr. Ich liess meinen ganzen Unmut aus und wollte unverzüglich zur tür hinaus, als der Unterhändler ins Mittel trat. Er versicherte, dass er den ersten Vorschlag selbst nicht billige, weil dadurch den Schwachen manches Ärgernis gegeben werden könne; er erklärte also, dass der Kammerdiener meine Tochter heiraten und das Kind als sein eigenes aufnehmen müsste, dagegen werde ihn der gnädige Herr zum Haushofmeister machen, sobald er sich mit seinen Gläubigern völlig gesetzt habe und wieder zum Genusse seiner Güter gekommen sei. Nein! Länger konnte ich mich nicht halten. Ebenso gern würde ich meine Tochter dem Büttel gegeben haben, der diesen Buben hätte brandmarken sollen, welcher das vornehmste Werkzeug zur Verführung meiner Tochter gewesen war. Ich sagte nunmehr dem Herrn geradeheraus, dass ich sein Bubenstück auf keine Weise durch meinen Beitritt billigen wolle, dass ich die wenige Gerechtigkeit, die mir der Richter widerfahren lassen könne, aus allen Kräften suchen würde und dass er mit meinem Willen meine Tochter nie wieder solle zu gesicht bekommen. Er geriet darüber in die grösste Wut und befahl den Bedienten, mich hinauszuwerfen; der Unterhändler wollte ihn zwar besänftigen, aber er hiess ihn auch zum Teufel gehen und lief als ein Rasender ins andere Zimmer." Als er die Erzählung geendigt hatte,